Loveparade-Drama „Das Leben danach“ von Eva Zahn und Volker A. Zahn für den Grimme-Preis 2018 nominiert
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Das von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene Loveparade-Drama „Das Leben danach“ ist für den Grimme-Preis 2018 nominiert. Es ist das dritte Mal, dass die beiden Autoren auf der Nominierungsliste für den renommiertesten deutschen Fernsehpreis stehen. 2009 wurde Eva Zahn und Volker A. Zahn der Grimme-Preis für ihr Drehbuch zum ARD-Film „Ihr könnt euch niemals sicher sein“ überreicht, 2014 waren sie für das TV-Drama „Mobbing“ nominiert. Die diesjährigen Gewinner werden am 14. März auf einer Pressekonferenz in Marl bekanntgegeben.

„Das Leben danach“ ist am 20. Januar 2018 noch einmal auf dem Fernsehsender ONE zu sehen. Der von Nicole Weegmann inszenierte Film, der bei seiner Ausstrahlung mit Kritiker-Lob überschüttet wurde (siehe Pressestimmen), erzählt am Beispiel der fiktiven Figur Antonia Schneider (Jella Haase) von den entkommenen Opfern der Loveparade und ihrem Weiterleben neben der Spur. Er gedenkt derer, die, schwer traumatisiert, mit dem Zufall und der Sinnfrage des Überlebens nicht zurechtkommen, und er beschreibt die verzweifelte Suche einer Traumatisierten nach Normalität und persönlicher Zuneigung.

„Drehbuch und Inszenierung“, befand der Berliner „Tagesspiegel“, verzetteln sich nicht in dem komplexen Geschehen der Vergangenheit, sondern bleiben ganz konzentriert bei den beiden Hauptfiguren in der Gegenwart. Während Antonia stets unter Spannung steht, ist der deutlich ältere Sascha der in sich gekehrte Ruhepol. Die naheliegende Vermutung, dass hier eine Liebesgeschichte zwischen Opfer und Täter erzählt werden soll, erfüllt sich zwar in gewisser Weise. Aber die Tiefe der Charaktere, die Inszenierung und die aufregende Präsenz von Jella Haase sowie das kongeniale Zusammenspiel mit dem souveränen Carlo Ljubek verhindern jeden Anflug von plumpem Kitsch. (…) Gerade die Widersprüchlichkeiten sind es, die die Figuren lebensnah wirken lassen. Und so hält man diese etwas rätselhafte Verbindung sofort für möglich, auch weil da eine Menge Energie fließt zwischen den beiden Polen, die sich gegenseitig anziehen und wieder abstoßen.“

Der Film ist übrigens auch bei Netflix und Amazon Video abrufbar, eine DVD oder Blue Ray gibt's u. a. unter: https://www.amazon.de/Das-Leben-danach-Jella-Haase/dp/B074TMGKZC


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# Meldung von 16:56 22.11.2017 
„Zarah - Wilde Jahre“ im Wettbewerb um die beste Serie beim „Festival De La Creation Audiovisuelle Internationale“ in Biarritz
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Bild © Festival De La Creation Audiovisuelle Internationale

Die von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene Journalisten-Serie „Zarah - Wilde Jahre“ ist beim diesjährigen  „Festival De La Creation Audiovisuelle Internationale“ in Biarritz für den Wettbewerb um die beste Serie nominiert. Das Branchentreffen am Atlantik gilt als „weltweit führendes Festival für Fernsehproduktionen“ (Deutschlandradio). Bei den Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis ging die ZDF-Serie leer aus, obwohl verschiedene Kritiker dem Format Qualitäten zusprachen, die eine Berücksichtigung durchaus gerechtfertigt hätten: „Die Autoren Eva Zahn und Volker A. Zahn haben die Hauptfigur der Zarah Wolf mit großer Sorgfalt gebaut“, stellte der „Tagesspiegel“ anlässlich der Erstausstrahlung fest, und resümierte: „Die Geschichte entwickelt sich parallel zu den Figuren, nichts und niemand wird ausgestellt. ‚Zarah’ ist relevant. Und das Intro zur Serie, ein Lippenstift, der Schreibmaschine, Whiskyglas und Zigarre zerschlägt, zerstäubt, dieses Intro zeigt, dass das ZDF zu neuen Ufern aufbrechen will. Dorthin, wo große Mädels und Jungs mit dem spielen, was eine Dramaserie ausmacht.“ Mit „Zarah“ sei dem ZDF „eine Hommage an die Zeit des großen Journalismus gelungen, die zugleich eine Demontage ist“, so Alexander Kühn auf „Spiegel online:“: „Magazine bestimmten damals, worüber die Republik sprach. Blattmacher waren Fürsten; von Cognac und Zigaretten auf Betriebstemperatur gebracht, drehten sie das große Rad. Frauen waren Staffage.“ „Beste Fernsehunterhaltung“ nennt Rainer Tittelbach auf Tittelbach.tv die Serie „Zarah“: „Realitätsnah, wahrhaftig & pointiert erfunden zugleich, das ist klug, gewitzt, cool, sexy, hat ein stimmiges Tempo.“ Fazit des mehrmaligen Grimmepreis-Jurors: „Der Serie liegt ein gut recherchiertes Drehbuch zugrunde, bei dem man auch im Detail erkennen kann, dass hier ehemalige Journalisten am Werke waren. Die ‚Relevant‘-Mitarbeiter besitzen bei aller – vermeintlich klischeehaften – Überspitzung einen wahrhaftigen Kern, und einige entpuppen sich im Laufe der Handlung als vielschichtiger, als auf den ersten Blick angenommen. Die Besetzung kommt bis in die kleinsten Rollen ohne Schwachpunkte aus.“ Auch TV-Kritiker Julian Miller von quotenmeter.de hält die Serie „für eine großartige Bereicherung der deutschen Serienlandschaft.“ „Zarah“ sei eines der wenigen deutschen Period Dramas, „das sich nicht mit dem Abfilmen einer pittoresk ausstaffierten Vergangenheit begnügt, vor der Banalitäten abgespult werden, sondern das seine erzählte Zeit als Ausgangspunkt nimmt, nicht nur, um über eine noch nicht lang zurückliegende Vergangenheit zu reflektieren, sondern aktuell allgegenwärtige Themen aufzugreifen: politische wie soziale wie höchstpersönliche, universelle. Und das alles noch dazu sehr klug erzählt, nah an den Figuren, intellektuell scharfsinnig wie emotional ergreifend, toll gespielt und mit sehr hohem Production Value sowieso.“


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# Meldung von 13:00 09.01.2018 
Dokumentation: Hans Hoff über den Umgang des ZDF mit „Zarah – Wilde Jahre“
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Bild © ZDF

Die von Eva Zahn und Volker A. Zahn erfundene und geschriebene Serie „Zarah - Wilde Jahre“ wurde zwar von den meisten TV-Kritikern hochgelobt (siehe „Pressestimmen“), erfüllte aber offensichtlich nicht die Quoten-Erwartungen des ZDF. Nach nur zwei (!) Folgen verbannte der Sender das Format sang- und klanglos ins assoziierte ZDFneo. Über die Gründe, warum „Zarah - Wilde Jahre“ beim Publikum durchfiel und wie viel Schuld das ZDF an diesem Quoten-Flop trägt, schrieb der TV-Kritiker Hans Hoff im Branchen-Magazin DWDL. Wir dokumentieren seine erboste Analyse in Auszügen:

„Ich hole jetzt mal den Dampfhammer raus, und sehr wahrscheinlich übertreibe ich, wenn ich die Entscheider in einem sehr großen deutschen Sender nun ein bisschen beleidige. Aber es geht nicht anders. Ich glaube, dass die beim ZDF entweder einen Hau haben oder keine Ahnung von gar nichts. Und ich weiß noch nicht mal, welche der Alternativen die schlimmere wäre.

Es geht um „Zarah – Wilde Jahre“, eine Serie, die sich ambitioniert mit dem Geschehen in einer Illustrierten-Redaktion der Siebziger auseinandersetzt. (…) Ich mag die Serie, auch wenn ich mich mit dem von ZDF vergebenen Titel „Journalisten-Serie“ nicht anfreunden mag. Ich glaube gar: Liefe sie bei Netflix, würde sie längst als der neue heiße Scheiß durch die sozialen Netzwerke wabern und hundertfach empfohlen werden, aber sie läuft nun mal beim ZDF. (…)

Was mich umtreibt, ist die Art und Weise, wie die beim ZDF mit der Serie umgegangen sind. Die haben sie, mal in dürren Worten zusammengefasst, erst hoch gelobt für ihre Ambition, ihr dann kurz vor dem Sprung ein Bein gestellt, und als sie dann humpelnd nicht mehr ein noch aus wusste, im Sender-Nirwana versenkt. Ein Flop mit Ansage quasi, der nahelegt, dass da irgendwer schwer subversiv dem Produkt schaden wollte. Oder unfähig ist.

Dabei klang alles vorab noch so prima. „Uns ist allerdings bewusst, dass man bei Drama-Serien häufig einen längeren Atem benötigt.“ Das hat Heike Hempel im DWDL.de-Interview gesagt, und es klang doppelt gut, weil sich die Frau eigentlich mit Serien auskennt und dann auch noch als Hauptredaktionsleiterin Fernsehfilm/Serie II firmiert.

Man hätte an dieser Stelle aber schon stutzig werden müssen, weil das Gerede vom längeren Atem, den man benötigt, nur sehr bedingt zusammenpasst mit gerade mal sechs beauftragten Folgen. Sechs Folgen sind das Minimum bei einer Serie, darunter verdienen die Folgen den Titel Serie kaum, da kann man sie als Mehrteiler verkaufen. Aber als Serie?

Man hätte noch ein bisschen stutziger werden müssen, als man feststellte, dass man „Zarah“ im Doppelpack anbot mit „Das Pubertier“. Aber da hatte man dieses Zusatzprodukt noch nicht gesehen und wusste nicht, dass das ZDF-Pubertier zwar nicht ganz so furchtbar ausfällt wie die Kinoversion, aber in keiner Szene den Geist atmet, der Jan Weilers Kolumnen und Bücher so brillant macht. Vielmehr handelt es sich um eine durchschnittliche Feelgood-Serie, in der alles viel zu bunt und viel zu offensichtlich ist. Im Prinzip kann man sich aber, wenn man „Zarah“ daneben setzt, kaum einen größeren Niveausprung zwischen zwei Produkten vorstellen. So viel zur unglücklichen Paarung.

Dann kam die Terminierung hinzu. An den Start ging das Serien-Doppelpack am Donnerstag, 7. September. Ich hatte nichts dagegen einzuwenden. Bis ich feststellte, dass das nächste Doppelpack nicht am darauf folgenden Donnerstag ausgestrahlt werden sollte, sondern erst zwei Wochen später.

Ich meine, wie bescheuert muss man sein, um eine Miniserie mit gerade mal sechs Folgen direkt nach der Premiere auszusetzen? Das lernt man doch auf der Häschenschule für Serien, dass eine Serie auch davon lebt, dass man sie mit einer gewissen Regelmäßigkeit schauen kann. Serie und Gewohnheit sind ja quasi Schwestern.

Aber nein, am Donnerstag nach der Premiere, musste die Kanzlerin interviewt werden. Das wusste man lange vorher. Das war auch ein richtiges, ein wichtiges Interview, um das die Planer frühzeitig wussten. Aber wenn man so etwas weiß, dann startet man doch nicht eine Woche vorher ein Seriendoppelpack. Wie muss man drauf sein, um das angebracht zu finden? Ich erwähne dazu noch, dass nach dem ursprünglichen Sendeplan am 5. Oktober eigentlich wegen eines Fußballländerspiels bei RTL auch wieder eine Pause vorgesehen war, die allerdings diesmal auf dem ursprünglichen Sendeplatz nur „Das Pubertier“ traf, während "Zarah" um 0.30 Uhr mit der eigentlich für eine Woche später vorgesehenen vierten Folge ranmusste. Nur mal für die Akten zusammengefasst: Eine gerade mal sechsteilige Serie, die ohnehin schon nicht viel Zeit hat, Gewohnheit aufzubauen, wird zweimal unterbrochen. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Aber zurück auf Anfang. Da gingen also „Das Pubertier“ und „Zarah“ erst nach 14 Tagen Pause mit der zweiten Folge an den Start, in der Hoffnung, die nicht ganz so starken Quoten der Premiere wieder auszubügeln. Natürlich ging auch der zweite Serientag quotentechnisch in die Miesen, woraufhin man beim ZDF Entschlusskraft zeigte und „Zarah“ zu ZDFneo und in die tiefe ZDF-Nacht verbannte. So viel zum Thema „langer Atem“.

Nun kann man einwenden, dass „Zarah“ durch den Move zu ZDFneo ja immerhin den Sendeplatz um 21 Uhr behalten konnte, was aber verkennt, dass es für manche Menschen, besonders ältere, einen Unterschied macht, ob etwas im Hauptprogramm läuft oder in der Sparte. Menschen, für die es wurscht ist, wo ein Programm läuft, können in der Regel streamen, dem normalen ZDF-Zuschauer über 60 traue ich mehrheitlich so viel Flexibilität nicht zu. Sonst würde er nicht klaglos die ganzen Sokos schauen.

Wahrscheinlich wundert man sich beim ZDF immer noch, dass die Quoten auch auf den Alternativplätzen nicht berauschend ausgefallen sind. Echt jetzt? Nicht so doll? Ja, wie konnte das geschehen? Nachdem der Sender doch alles getan hat, um jeden Hauch von Zuschauerbindung schon im Ansatz zu ersticken.

Und "Das Pubertier"? Das wurde am Donnerstag als Doppelpack ausgestrahlt, erzeugte aber selbst in der Massierung kein Quotenwunder. Ja, Mensch, manchmal steckt man echt nicht drin in diesen Zuschauern. Ich glaube vielmehr, dass in den verantwortlichen ZDF-Menschen nichts drin steckt. Ich rede nicht von einem Entscheider. Es müssen mehrere sein. Da bin ich mir ganz sicher. Einer allein kann gar nicht so viele Fehler machen. Das geht nicht. Zumindest nicht in meinen Kopf rein.

Ja, ich weiß: Man kann sich das alles auch in der Mediathek ansehen. Da stehen inzwischen alle sechs "Zarah"-Folgen zum Binge-Watchen bereit, während das ZDF mit der linearen Ausstrahlung noch hinterher hinkt, was aber inzwischen eh schon wurscht ist.

Deshalb rege ich mich jetzt ab und sage nur noch einmal, dass die beim ZDF einen Hau haben. Und dann schicke ich die dringende Empfehlung hinterher, sich diese Serie in der Mediathek anzuschauen. Sie ist liebevoll ersonnen und produziert, sie zeichnet ein schönes Bild der Zeit, in der sie spielt, und sie hat mit Claudia Eisinger eine sehr beeindruckende Darstellerin, die ihrer Titelheldin echten Drive gibt. In einem Interview sagte sie, dass Zarah ein schönes Gefühl dafür gebe, wie es sei, wenn man immer alleine kämpfe, wenn einen niemand versteht, wenn man seiner Zeit voraus ist. Das galt für die Arbeit der Titelfigur bei der Zeitschrift "Relevant“. Aber es gehört nicht viel Phantasie dazu, eine Parallele zu ziehen zwischen dem 70er-Jahre-Männermuff bei „Relevant" und der schon an Boshaftigkeit grenzenden Dilettanz beim ZDF. Wenn man also wissen will, wie die in Mainz ticken, dann schaue man diese Serie. Bitte! Guckbefehl!“

Vollständiger Text unter: https://www.dwdl.de/hoffzumsonntag/63726/zarah_im_zdf_ein_vermeidbarer_fehlschlag/


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# Meldung von 13:57 09.10.2017 
Ab 7. September immer donnerstags im ZDF: „Zarah - Wilde Jahre“
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Bild © ZDF/Georges Pauly

„'Zarah – Wilde Jahre' besitzt für hiesige Verhältnisse ein ungewöhnliches Konzept: eine Primetime-Serie als historisches Drama, das ein Stück weit auch deutsche Emanzipations- und Mediengeschichte schreibt. Der Serie liegt ein gut recherchiertes Drehbuch zugrunde, bei dem man auch im Detail erkennen kann, dass hier ehemalige Journalisten am Werke waren. Die 'Relevant'-Mitarbeiter besitzen bei aller – vermeintlich klischeehaften – Überspitzung einen wahrhaftigen Kern, und einige entpuppen sich im Laufe der Handlung als vielschichtiger, als auf den ersten Blick angenommen. Die Besetzung kommt bis in die kleinsten Rollen ohne Schwachpunkte aus. Die Gewerke nehmen einen mit in die Zeit, suchen aber auch – wie die Geschichte – Zugang zum Hier & Heute. Zwar kommt bekanntlich alles wieder, aber eine Erscheinung wie diese Zarah Wolf, ob im samtenen Hosenanzug oder im unverschämt knappen Mini und in ähnlicher weiblicher Kriegsbemalung, wäre auf den Straßen von Berlin oder Hamburg auch heute ein Hingucker, keine, bei dem man sich wundern würde. Nichts wirkt in 'Zarah' übertrieben ausgestellt (nicht einmal die Hosen). Ausstattung und Kostüm lenken nicht von den Geschichten ab, ein sicheres Händchen besitzt Regisseur Richard Huber ('Dr. Psycho', 'Tatort') selbst bei der Darstellung einer augenzwinkernd angedeuteten Sex-Orgie. Überhaupt, Drama-Serie klingt zu schwer für diese ZDF-Serie, von der sich der krimimüde Teil der Fernsehzuschauer noch sehr viele Folgen erhoffen wird. Dramedy erfasst 'Zarah' ebenso wenig. Wozu auch Genre-Kategorien, einfach gucken!“ (TV-Kritiker Rainer Tittelbach über die neue Serie von Eva Zahn und Volker Zahn: http://www.tittelbach.tv/programm/serie/artikel-4696.html).

In der Mediathek des ZDF ist die erste Folge bereits seit dem 24. August abrufbar (https://www.zdf.de/serien/zarah-wilde-jahre/zarah---wilde-jahre-100.html), im Hauptabendprogramm geht "Zarah - Wilde Jahre" ab dem 7. September (um 21 Uhr) auf Sendung.

Und hier die weiteren Sendedaten:

Folge 2: Online ab 07. 9., Sendung: 21. 09. 2017 um 21 Uhr

Folge 3: Online ab 14. 9., Sendung: 28. 09. 2017 um 21 Uhr

Folge 4: Online ab 21. 9., Sendung: 12. 10. 2017 um 21 Uhr

Folge 5: Online ab 28.9., Sendung: 19. 10. 2017 um 21 Uhr

Folge 6: Online ab 5. 10., Sendung: 26. 10. 2017 um 21 Uhr

Alle Infos zur Serie sowie Interviews mit den Machern gibt's unter: https://www.zdf.de/serien/zarah-wilde-jahre


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# Meldung von 14:19 28.08.2017 
Bloß kein Museum!       Eva Zahn und Volker A. Zahn über ihre neue ZDF-Serie „Zarah - Wilde Jahre“
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Bild © ZDF/Georges Pauly

Sie waren bunt, sexy, wild und beseelt von dem Glauben an eine andere, gerechtere Welt. Aber im fiktionalen deutschen Fernse­hen fanden sie bislang kaum statt: die Siebziger! Den braunen Muff endgültig ausmisten, mehr Demokratie wagen, Frauen an die Macht, „runter mit dem Männlichkeitswahn!"… wir dachten damals wirklich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis alles besser wird. Der Soundtrack unserer Hoffnungen war funky, die Filme, die un­sere Sehnsüchte bebilderten, waren rotzig und frech, und in Wohnungen und Klamottenläden explodierten die Farben. Die großen Reformen im Abtreibungs-, Familien- und Scheidungs­recht, Frauen durften endlich ohne Einwilligung ihrer Ehemänner arbeiten, die Fristenregelung, eine neue Bildungspolitik, die für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen sollte, Volljährigkeit mit 18, die Einführung zentraler Notrufnummern… – der Fortschritt fand auf allen gesellschaftlichen Ebenen statt, und notorische Nostalgiker schwärmen verzückt: „Früher war alles besser!“

Aber dass früher nicht alles besser, sondern vieles anders war, und dass wir ein halbes Jahrhundert später noch immer für das kämpfen, was uns in den Siebzigern zum Greifen nahe schien, macht dieses Jahrzehnt für uns als Erzähler so reizvoll. Der Ab­wehrkampf der Alpha-Männer gegen Frauen in Führungspositio­nen, Sexismus in den Medien, häusliche Gewalt, ungleiche Be­zahlung, der ganz alltägliche Chauvinismus – das sind Themen, die in den 70ern auf die Agenda kamen und 2017 nichts von ihrer Brisanz verloren haben. Wir wollen mit "Zarah" eben keine muse­alen Sehnsüchte bedienen, die Serie ist keine History-Show. Wir erzählen Geschichten aus einer anderen Zeit, die noch immer Aktualität besitzen, mit Figuren, die heutig sind.

Exotisch mutet indes der Journalismus dieser Jahre an: Die „vierte Gewalt“ im Staate, selbstbewusst bis zur Selbstüberschät­zung, irgendwo zwischen Heldentum und Größenwahn taumelnd, überzeugte Wahrheitssucher und leidenschaftliche Rechercheure, noch nicht bedrängt von Kostendrückern im eigenen Haus oder rufgeschädigt von den Blog-Warten und Fake News-Pöbelanten aus der digitalen Welt. Journalist gehörte in den Siebzigern in die Kategorie „Traumberuf“. Ein Traumberuf, der den meisten Frauen indes verschlossen blieb. Erst eine neue, mutige Generation von Redakteurinnen und Autorinnen wagte sich in das Minenfeld des Presse-Machismo, Frauen wie Ingrid Kolb, Peggy Parnass, Alice Schwarzer oder Wibke Bruns. Frauen, die – ähnlich wie unsere weiblichen Figuren in „Zarah“ – ihre ganz speziellen Strategien entwickeln mussten, um sich unter all den „dicken Eiern“ Respekt zu verschaffen.

Zeitlos wie der Geschlechterkampf sind auch die großen persönli­chen Themen, die in „Zarah“ verhandelt werden: Liebe, Familie, Tod, Schuld und Verrat. Es ist für uns Autoren ein großes Privi­leg, Figuren auf einer Strecke von sechs (und hoffentlich noch viel mehr) Folgen entwickeln zu dürfen, zu zeigen, wie sie ihr Le­ben auf die Reihe kriegen oder in den Sand setzen, wie sich ihre kleinen und großen Geheimnisse langsam entblättern, wie sie gegen innere und äußere Dämonen kämpfen, wie sie lieben, streiten, scheitern, intrigieren, saufen und vögeln!

Keine unserer Figuren hat ein reales Vorbild, aber wir haben uns natürlich schamlos in der Wirklichkeit bedient. Nicht dokumenta­risch, sondern wahrhaftig erzählen, ist unser Anspruch, und dass unsere Serie die Zuschauer unterhält, berührt, mitfiebern, mitla­chen und mitleiden lässt und sie entführt in eine Welt, die so nah ist, obwohl sie Galaxien entfernt zu sein scheint.

Die sechsteilige Serie "Zarah - Wilde Jahre" wird ab 7. September immer donnerstags um 21 Uhr im ZDF ausgestrahlt.


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# Meldung von 16:34 13.07.2017