Eva Zahn & Volker A. Zahn
Drehbuchautoren



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Den von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebenen Köln-TATORT „Hubertys Rache“ (Regie: Marcus Weiler) haben bei der Erstausstrahlung im Ersten 9, 48 Millionen Menschen gesehen. Mit einem Marktanteil von ausgezeichneten 29,4 Prozent (darunter herausragende 1,79 Millionen 14- bis 49-Jährige) gehört der Film der Zahns zu den drei bislang erfolgreichsten Fernsehkrimis des Jahres. Der Film erzählt von dem gleichsam verzweifelten wie irrwitzigen Versuch des ehemaligen Gymnasiallehrers Daniel Huberty (gespielt von Stephan Kampwirth), seine gesellschaftliche Reputation wiederherzustellen. Huberty, der wegen einer Liason mit einer Schüler zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, kapert einen Ausflugsdampfer und verlangt von der Kölner Polizei, jene Menschen an Bord zu bringen, die er für schuldig hält, seine Existenz zerstört zu haben. An Bord der „Agrippina“ tickt eine Bombe, Ballauf und Schenk versuchen alles, um den gekränkten Ex-Lehrer vom Schlimmsten abzuhalten…

Die Zuschauer-Resonanz in den sozialen Medien war fast duchgehend positiv, und auch die TV-Kritik war sich bis auf wenige Ausnahmen einig: „Dreimal Note 1. Einer der besten Köln-Tatorte der letzten Jahre!“ (Jürgen Mayer, WDR 2 Tatort-Check).  

Der TATORT biete „statt eines herkömmlichen Geiseldramas eine unheimlich interessante psychologische Studie“, schreibt Judith von Sternburg in der „Frankfurter Rundschau“, und bezeichnet „Hubertys Rache“ als „ungewöhnlichen Sonntagabend-Krimi.“ Claudia Fromme beschreibt den Film in der „Süddeutsche Zeitung“ als „spannend bis zum Schluss, Psychodrama und Krimi halten sich die Waage, der Protagonist spielt seine Rolle des gekränkten Narzissten unfassbar gut, die Kommissare sind präsenter als im letzten Fall. Kleine Abzüge in der B-Note, ansonsten: groß.“ „Der Fokus liegt nicht auf Action“, schreibt „TV Spielfilm“, „sondern auf Stimmungen und den ausgefeilten Dialogen des Autorenteams Eva und Volker A. Zahn. Immer wieder kippt die Stimmung, die Anspannung überträgt sich auf den Zuschauer. Stephan Kampwirths Bombenleger ist kein Klischeeterrorist, sondern ein Verzweifelter, der sich in die Katastrophe manövriert. Eine fein austarierte Zitterpartie mit immer neuen Wendungen.“ 

Für TV-Kritiker Tilman P. Gangloff handelt es sich bei „Hubertys Rache“ hingegen um einen „überdurchschnittlich guten Tatort“ und „den fesselndsten Kölner Krimi seit der Folge ‘Franziska‘.“ (von 2014). Ausschlaggebend dafür sei das „richtig gute Drehbuch“ und Episoden-Hauptdarsteller Stephan Kampwirth, der sich „als ausgezeichnete Wahl für den Geiselnehmer erweist“. Joachim Schmitz urteilt in der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Kein Tatort in diesem Jahr war bislang spannender als dieser“, und Simone Sarnow von SWR 3 befindet: „Dieser Tatort lebt von seiner beklemmenden Spannung von Anfang bis Ende und einem grandios eindringlich spielenden Stephan Kampwirth als Huberty.“ Im WDR 2-Tatort-Check vergibt Jürgen Mayer die Höchstwertung und resümiert: „Einer der besten Köln-Tatorte der letzten Jahre!“

Für die Redaktion von tatort-fans.de changiert der TATORT „ zwischen beklemmendem Kammerspiel und packendem Psychothriller mit Nervenkitzelgarantie.“ Das Drehbuch nehme „neben Hubertys Perspektive immer auch die Sichtweise seiner Opfer und der Polizisten ein, deren Job es ist, diesen unberechenbaren Narzissten zur Strecke zu bringen. Dies spiegelt sich auch in der kunstvollen Bildgestaltung wider, die einerseits weite Panoramen von Kölns Wasserseite zeigt, andererseits die bedrückende Enge und Dunkelheit, die scheinbare Ausweglosigkeit in den Szenen der Geiselnahme unter Deck. Und endlich zeigen Ballauf und Schenk einmal, dass sie auch nach über 80 Einsätzen noch voll ins Risiko gehen können. Ein Tatort, der keine Minute langweilt. Unbedingte Einschaltempfehlung!“ Auch Rainer Tittelbach von tittelbach.tv räumt ein, dass es „dem renommierten Autorenduo gelingt, das Thriller-Genre mit dem Themenfilm, wie er Tradition hat im Kölner Tatort, zu versöhnen, ein attraktives, ungewöhnliches Szenario zu schaffen und gleichzeitig die Kommissare  wieder mehr ins Zentrum zu rücken. Sein Fazit: „Die stärksten Momente hat der Film, wenn sich Crime und Drama gegenseitig hochschaukeln. Der Film ist so packend, dass kleine Schwächen im spannenden Strudel von Krimi, Thriller & Drama untergehen. Das Finale ist dramaturgisch & emotional stark.“

„Hubertys Rache“ ist der erste Köln-TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahn. In einem ARD-Interview haben sie sich über die Entstehung des Buchs und die Motive und Abgründe des Täters geäußert:

Sie leben und arbeiten in Köln. Wie hat das Ihre Arbeit zu Ihrem ersten Drehbuch für das Kölner „Tatort“-Team beeinflusst?

Als wir über unseren ersten Köln-„Tatort“ nachdachten, war schnell klar, dass die Stadt eine Hauptrolle im Film spielen muss. Und wenn man Köln zum Strahlen bringen will, kann man sich eigentlich nur für den Rhein und sein ikonografisches Panorama mit Dom, Altstadt und Kranhäusern entscheiden. Auf diese Weise entstand die Idee zu „Hubertys Rache“, einerseits als Hommage an das wunderschöne Köln, andererseits als ein Zeitgeist-Drama über momentan weit verbreitete Opfer- und Empörungsbefindlichkeiten.

Daniel Huberty fühlt sich ungerecht behandelt. Weil er als Lehrer ein Verhältnis mit einer Schülerin hatte, musste er ins Gefängnis. Was bezweckt er damit, jetzt ein Ausflugsschiff auf dem Rhein zu kapern?

Daniel Huberty möchte „Gerechtigkeit“, so wie er sie interpretiert. Gesetze, Moral und die Empfindungen oder Ängste anderer Menschen blendet er dabei völlig aus. Es geht ihm allein um seine Agenda. Er fühlt sich gedemütigt, er ist ein Gekränkter, ein Abgehängter, er hat seine bürgerliche Existenz und seine Reputation verloren, ein Mann, der mit dem Rücken zur Wand steht und sich von Mächten und Menschen erniedrigt fühlt, denen er nur mit einer spektakulären Aktion die Stirn bieten kann. Es geht ihm, wie der Titel sagt, natürlich auch um Rache, es bereitet ihm durchaus Vergnügen, diejenigen, die ihn haben leiden lassen, in Angst und Schrecken zu versetzen. Aber vor allem geht es bei dieser Geiselnahme darum, den Ruf des engagierten und anerkannten Lehrers Daniel Huberty wiederherzustellen, er will die Deutungshoheit über sein Leben zurück, und dafür inszeniert er eine Art Privatprozess mit ihm als Geschädigtem, Staatsanwalt und Richter in einer Person. Die Welt da draußen soll wissen, was ihm diese fünf Menschen angetan haben, er will den Freispruch erzwingen, den ihm die Justiz versagt hat, dafür riskiert er auch, in den Knast zu gehen, das ist es wert! Und wenn er diesen Freispruch nicht bekommt, kann es für ihn nur noch einen letzten Ausweg geben…

Wie nah kommen wir als Zuschauer*innen dem Familienvater Huberty? Hat er nicht vielleicht sogar ein Recht auf Genugtuung?

Wie schön, dass Sie fragen, ob er vielleicht sogar ein Recht auf Genugtuung hat. Denn genau darüber sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer diskutieren. Für uns ist allerdings klar: Daniel Huberty wurde zu Recht verurteilt. Er hatte Sex mit einer minderjährigen Schutzbefohlenen. Was er als Liebe darstellt – und vielleicht sogar als Liebe empfunden hat – war Missbrauch! Das Leben des Mädchens, die jetzt eine junge Frau ist, wurde durch diesen Missbrauch nachhaltig geschädigt. Nach Hubertys Interpretation war die Liebe einvernehmlich, ihn trifft keine Schuld, und deshalb kann er auch die Verantwortung dafür, dass sein Leben in Trümmern liegt, klar adressieren. „Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“ Nach diesem Leitsatz, den Corona-Leugner und Verschwörungsideologen so gerne skandieren, handelt auch Daniel Huberty. Aber was in einer Diktatur richtig ist, ist in einem Rechtsstaat pure Verblendung. Der ehemalige Lehrer gehört zu jenen Menschen, die es nicht ertragen oder akzeptieren, dass Regeln und Gesetze nicht exakt ihre ganz persönlichen Empfindungen, Bedürfnisse und Ansichten widerspiegeln. Natürlich hat er auch Unrecht erfahren, er wurde – obwohl er seine Strafe abgesessen hat – gedemütigt und gekränkt, aber indem er nun durchdreht und seinen gewalttätigen Irrsinn auch noch moralisch überhöht, entpuppt er sich doch nur als brandgefährliche Ausgabe eines enthemmten Wutbürgers.

Der nächste TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahn wird voraussichtlich im Herbst 2022 ausgestrahlt. Unter dem Titel „Borowski und die große Wut“ schickt das Kölner Ehepaar dann zum dritten Mal das Kieler Ermittlungsteam auf Mörderjagd.

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Für die Westside Filmproduktion, eine Tochter der Constantin Film, arbeiten Eva Zahn und Volker A. Zahn zurzeit an einem Serien-Projekt mit dem Arbeitstitel „EG HOFFNUNG“ über die „Besondere Aufbauorganisation“ (BAO) BERG, die 2019 nach der Verhaftung eines pädophilen Missbrauchstäters aus Bergisch Gladbach gegründet wurde und seitdem international Jagd auf Pädokriminelle macht.

Die Aufgabenstellung der BAO Berg markiert dabei einen Paradigmenwechsel in der Polizeiarbeit: Erstmalig gilt als vorrangiges Ziel der Ermittlung das proaktive Aufspüren von Opfern und Tätern, um Kinder aus Missbrauchssituationen zu retten und nicht mehr, wie bisher, nach einer begangenen Straftat den Täter zu überführen. Durch die Arbeit dieser, zeitweise über 300 Beamt*innen starken, Ermittlungsgruppe konnten bisher über 50 Kinder aus den Fängen ihrer Peiniger befreit werden, über 300 Beschuldigte wurden identifiziert.

Das Serienkonzept der Zahns fußt auf intensiven Gesprächen mit dem Leiter der BAO Berg, Kriminaldirektor Michael Esser, sowie dem Presse-Verantwortlichen der Kölner Polizei, Erster Kriminalhauptkommissar Wolfgang Baldes: „In 16 Monaten haben die Kolleginnen und Kollegen der BAO Berg Erfolge erzielt, Missbrauch beendet und Kinder befreit. Doch bekanntlich hat alles seinen Preis. Sie mussten viel Verstörendes ansehen, und menschenverachtende Chats lesen. Was Erwachsene Kindern antun, kann und mag man sich nicht ausmalen- die Realität sprengt oft jede Vorstellung.“

Die beiden Polizeibeamten werden dem Kreativteam auch bei der weiteren Entwicklung des Stoffes beratend zur Seite stehen: „Es ist wichtig, dass wir alle uns der Tatsache stellen, dass die Täter aus der Mitte unserer Gesellschaft kommen. Kinder brauchen Erwachsene, die hinsehen, erkennen und helfen! Deshalb ist es wichtig, nicht zu ruhen und die Folgen des ‚Wegsehens‘ publik zu machen.“

Für die Grimme-Preisträger Eva Zahn und Volker A. Zahn hat der Stoff eine ganz besondere Bedeutung: „Diese Serie liegt uns deshalb so sehr am Herzen, weil sie von Menschen erzählt, die Tag für Tag bei der Auswertung unvorstellbarer Mengen pädokriminellen Datenmaterials die Grenzen des Ertragbaren überschreiten und dabei ihre Gesundheit riskieren, um Kinder aus den Fängen ihrer Peiniger zu retten.“

Die Regie übernimmt Isa Prahl („1000 Arten Regen zu beschreiben“, „Tatort“), die bereits bei „Was wir wussten – Risiko Pille“ mit dem Ehepaar Zahn erfolgreich zusammengearbeitet hat: „Wie soll man eine Serie über so ein unerträgliches Verbrechen wie pädophilen Missbrauch erzählen? Für mich ist das fast unvorstellbar – doch der Ansatz den Fokus auf die Polizist*innen und ihre Arbeit zu legen, finde ich spannend und erzählenswert.“

Drehstart in NRW und Umgebung wird 2022 sein, Produzenten sind Martin Zimmermann und Christian Becker.

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Abschluss der Dreharbeiten für einen neuen Kiel-TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahn: Hauptkommissarin Mila Sahin und ihr Kollege Klaus Borowski haben es diesmal mit zwei Morden, einer schweren Körperverletzung und einer Entführung zu tun. Opfer der schweren Körperverletzung ist Klaus Borowski, der von einer unbekannten Person brutal niedergeschlagen wurde und die Ermittlungen vom Krankenhaus aus „begleitet“… Nicht unbedingt zur Freude von Mila Sahin.

Gefahndet wird nach der 18jährigen Celina, die im Verdacht steht, ihre Großmutter und eine weitere Frau getötet zu haben. Vom Krankenbett aus entwickelt sich zwischen Borowski und Celia am Telefon eine ganz besondere Beziehung, die den Fall nach und nach in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lässt. Oder führt Celina den erfahrenen, aber angeschlagenen Hauptkommissar an der Nase herum?

Gedreht wurde „Borowski und die Frau am Telefon“ (AT) unter der Regie von Friederike Jehn in Kiel und Hamburg, die Bildgestaltung übernahm (wie bereits beim letzten Köln-TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahn) Stan Mende, die Nordfilm Produktion (Sabine Timmermann) wurde von Sabine Holtgreve (NDR) redaktionell betreut, Neben Almila Bagriacik und Axel Milberg spielen u. a. Sophie von Kessel, Thomas Kügel, Anja Antonowicz, Alexandra Finder, Roger Bonjour, Joel William und Caroline Cousin. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.

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Die Komödie „Goldjungs“ über die bizarren Vorkommnisse rund um den Bankrott des Kölner Bankhauses Herstatt im Jahre 1974 hat bei ihrer TV-Premiere fast  fünf Millionen Zuschauer vor die Fernseher gelockt. Auch in der ARD-Mediathek erfreut sich die von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene Satire großer Beliebtheit. Der Film ist dort noch bis zum 5. August 2021 abrufbar: https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/sendung/goldjungs-106.html

Auch die Kritiker konnten sich (überwiegend) amüsieren: „Eva und Volker A. Zahn stehen für große erzählerische Qualität“, schreibt TV Spielfilm, „es gelingt ihnen, mit ihren Filmen zu unterhalten, zu berühren, aufzuklären. Und das seit fast 30 Jahren. Lange haben sie fast 'nur' Krimis ('Tatort') geschrieben, dann kamen starke Dramen dazu. Das waren ernste Stücke. Mit 'Goldjungs' zeigen sie, dass sie es auch komödiantisch-satirisch draufhaben.“ „Goldjungs“ sei „ein mutiger, bemerkenswerter und aus dem Rahmen fallender Fernsehfilm“, resümmiert der Kritiker von Blickpunkt:Film. Die WAZ hebt hervor, dass der Film „dankenswerterweise weder Zeitkolorit noch kölschen Klüngel übertreibt“ und befindet abschließend: „Eine gelungene Komödie, sehr unterhaltsame 90 Minuten!“ Und der Kritiker des Stern merkt an: „'Goldjungs' ist eine mit leichter Hand geschriebene Komödie, die bei einem Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte ganz bewusst nur an der Oberfläche kratzt. Ein historisches Bankendrama wird Teil der abendlichen Fernsehunterhaltung. Das humorvolle Format hätte dem Karnevalisten Herstatt wohl durchaus gefallen. Dass ihm hier die Hauptfigur beschieden ist als tölpelhaftem Narren, wohl weniger.“  

Und darum geht’s in der Banken-Satire: Köln in den 70ern. Die zwanzigjährige Marie Breuer (Michelle Barthel) tritt mit Unterstützung von Irene Gerling (Leslie Malton) ihre Stelle als Sekretärin bei Herstatt an. Im Bankhaus von Direktor Iwan D. Herstatt (Waldemar Kobus), der seinen finanzstarken Jugendfreund Hans Gerling (Martin Brambach) an seiner Seite hat, weht der Duft der großen weiten Welt. Anfangs hegt die aus einfachen Verhältnissen stammende Marie noch Hoffnungen, ihr Chef Ferdinand von Broustin (Ulrich Friedrich Brandhoff) interessiere sich für sie. Doch dann erliegt sie den finanziellen und erotischen Verlockungen der Goldjungs um Mick Sommer (Tim Oliver Schultz) und setzt waghalsig die Ersparnisse ihrer Mutter aufs Spiel. Der Einzige, der dem Treiben der Goldjungs nicht tatenlos zusehen will, ist Buchhalter Uwe Lennartz (Jan Krauter). Fassungslos beobachtet er, wie die Spekulationen der Devisenhändler immer gewagter werden und einfache Angestellte der Bank immer größere Summen einsetzen. Seine Warnungen will jedoch niemand hören, auch der notorisch schläfrige Bankdirektor Iwan Herstatt nicht…

Durch Maries Augen werden der Herstatt-Bankrott, die bizarren Eskapaden des Bankdirektors, das Versagen der Finanzaufsicht, die Tricksereien des Managements und die persönlichen Dramen der Spekulations-Opfer erzählt. Doch je absurder die Vorgänge in der Bank werden, desto mehr entwickelt sich Marie zur selbstbewussten jungen Frau. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre Mutter und sich selbst vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Bis es schließlich doch zum großen Crash kommt…

„Goldjungs" ist eine Produktion der Zeitsprung Pictures GmbH (Produzenten: Michael Souvignier und Till Derenbach, Producer: Daniel Mann) in Kooperation mit G5fiction (Produzent: Uwe Kersken) im Auftrag des WDR und der ARD Degeto. Regie führt Christoph Schnee.

 

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Anlässlich des 50jährigen „Tatort“-Jubiläums haben sich Eva Zahn und Volker A. Zahn den Fragen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ gestellt. Zurzeit arbeitet das Autoren-Paar an zwei neuen Filmen für die Krimireihe. Tatorte: Kiel und Köln.

Kölner Stadt-Anzeiger: Eva Zahn und Volker A. Zahn, Sie arbeiten als Drehbuchautoren immer wieder auch für den „Tatort“ und schreiben aktuell einen Kölner Fall. Was ist wichtiger beim „Tatort“, der Mord oder das übergeordnete Thema?

Eva Zahn: Für uns gibt es da keine Hierarchie. Ein „Tatort“ muss spannend erzählt und unterhaltsam sein, das ist das A und O. Manchmal steht der Krimi stärker im Vordergrund, manchmal das Drama. Aber am wichtigsten ist, dass das Gesamtpaket stimmt. Und wenn wir ein übergeordnetes, politisch oder gesellschaftlich relevantes Thema miterzählen, dann auf keinen Fall plakativ. Filme, die wie fiktionalisierte Wikipedia-Artikel anmuten und brav alle Aspekte eines Themas abhaken, finde ich nicht so prickelnd. 

Wie gehen Sie das an, wenn Sie ein „Tatort“-Drehbuch schreiben?

Volker A. Zahn: Es gibt ein paar Rahmenbedingungen, auf die man als Autor achten sollte. Die Stadt sollte mehr sein als nur Kulisse. Und man sollte das Ermittler-Team gut kennen. Wie interagieren die Helden, was sind ihre Stärken und Schwächen, wo können wir mit unserer Geschichte auch im Team emotional andocken, ohne gleich eine große Privatgeschichte aufzumachen? Wie kann man die Figuren noch interessanter machen?

Und wie vermeiden Sie es, Themen aufzugreifen, die es schon zigmal gab?

EZ: Das lässt sich nicht vermeiden, deshalb müssen wir bei jedem Thema einen besonderen, eigenen Zugang suchen. Die Welt ist bunt, und die Geschichten liegen auf der Straße, wir greifen Themen auf, die uns wichtig sind oder berühren. Nicht selten verbirgt sich hinter einer kleinen Zeitungsnotiz der Stoff für ein ganz großes Drama.  

Gesellschaftliche Relevanz ist immer ein Stichwort beim „Tatort“. Wie wichtig ist sie?

VZ: Wir denken die großen gesellschaftlichen Themen häufig mit. In dem Kölner „Tatort“, den wir gerade schreiben, geht es vordergründig um eine Geiselnahme und um die verbotene Beziehung eines Lehrers zu einer Schülerin. Also eigentlich nichts Neues, wenn man bedenkt, dass es bereits 1977 den legendären „Reifezeugnis“-Tatort mit Nastassja Kinski gab. Wir rücken in unserer Geschichte aber das Motiv der „Kränkung“ in den Mittelpunkt, erzählen von einem Narzissten, der sich missverstanden fühlt und glaubt, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein und deshalb über andere Menschen richten zu dürfen. Wir greifen mit unserem Film eine Entwicklung auf, die sich nicht nur politisch in einer gewissen Enthemmung niederschlägt, sondern auch im alltäglichen Miteinander. Im Krimi können wir so über ein individuelles Schicksal eine aktuelle gesellschaftliche Stimmung miterzählen.  

Ein „Tatort“ dauert 90 Minuten. Wie macht man das, den Täter nicht zu früh zu verraten, die Geschichte aber auch nicht so kompliziert zu machen, dass sie unverständlich wird?

EZ: Das ist Handwerk, praktisch der Rohbau, den man mit Gespür und Erfahrung errichtet. Da gibt es doppelte Böden und geheime Türen, die man einbaut, kleine Irrgärten, die man anlegt. Aber dann muss man das Konstrukt mit lebendigen und spannenden Charakteren ausfüllen. Mit Figuren, die interessant sind und den Zuschauer berühren. Da muss man immer wieder versuchen, sich etwas Neues einfallen zu lassen, mutig Grenzen auszuloten, um nicht mit altbekannten Klischees zu langweilen. Schließlich wollen wir uns auch selbst nicht langweilen, was nach den circa hundert Krimis, die wir bis jetzt geschrieben haben, gar nicht so einfach ist. 

VZ: Uns reizen beim Krimi dramaturgische Konzepte jenseits des klassischen Whodunit, der ja eher wie „Malen nach Zahlen“ funktioniert. Anfang der achtziger Jahre haben wir bei „Ein Fall für Zwei“ auf diese Art mit dem Geschichtenerzählen angefangen. „Wie schreibt man einen Fernsehkrimi“ hieß damals ein entsprechendes Handbuch unserer Produzenten. Zum Glück sind die erzählerischen Freiräume im deutschen Fernsehkrimi immer größer geworden. In unserem letzten Kiel-„Tatort“ war von Anfang an klar, wer die Mörderin ist, in unserem neuen Köln-„Tatort“ bedienen wir eher das Thriller-Genre. Dass Geschichten auf sehr unterschiedliche Weise als „Tatort“ erzählt werden können, macht für uns als Autoren den Reiz dieser Reihe aus. Und für den Zuschauer wahrscheinlich auch.

Natürlich müssen Sie sich in viele verschiedene Menschen in Ihrer Arbeit einfühlen. Aber ein Mörder ist ja noch mal etwas ganz Besonderes. Wie machen Sie das? 

VZ: Zu unserem Handwerkszeug gehört die Recherche. Der Austausch mit Menschen, die professionell in menschliche Abgründe schauen: Polizisten, Psychologen, Sozialarbeiter… Beim aktuellen Kieler „Tatort“ versuchen wir, uns mit Hilfe einer Polizeipsychologin in die Seelenlage unserer nicht unkomplizierten Täterin einzufühlen. Trotzdem darf unsere erzählerische Freiheit dabei nicht zu kurz kommen, viele Mörder sind längst nicht so spannend, wie wir sie schreiben.

EZ: Im Traum habe ich auch schon mal jemanden ermordet. Und ich hatte ganz furchtbare Angst, dass ich erwischt werde und ins Gefängnis muss. Das zeigt eigentlich, dass die Identifizierung schon ganz gut funktioniert. (lacht) Ich glaube ja, dass es nur eine dünne zivilisatorische Schicht ist, die die Menschen davon abhält, zu morden. In Kriegs- und Krisenzeiten zeigt sich, wie schnell solche Schutzmechanismen und Skrupel außer Kraft gesetzt sind und der „Normalbürger“ zur Bestie mutiert.  

Ein Thema beim „Tatort“ ist auch immer die Frage, wie realistisch Polizeiarbeit geschildert wird und werden muss. Welche Haltung haben Sie da?

EZ: Wir recherchieren immer alles gegen, aber in der Realität ist die Polizeiarbeit oft langatmig, kleinteilig und sehr personalintensiv. Diese Realität wollen und können wir gar nicht abbilden. Wir versuchen, hanebüchene Logikfehler zu vermeiden und den bestmöglichen Film zu machen.

VZ: Außerdem stoßen wir manchmal auch an die Grenzen des produktionell Machbaren. In unserem letzten „Tatort“ sollte ein Polizeischüler beim Schießtraining eine Waffe entwenden. Das ist in der Realität fast unmöglich. Also haben wir eine Szene konzipiert, in der unser Täter großen Aufwand treiben muss, um an die Knarre zu kommen. Das Ende vom Lied: Das Buch war insgesamt zu lang, und die Szene mit dem Waffenklau fiel der Kürzung zum Opfer. So was hauen dir dann gerne mal die Kritiker um die Ohren.

EZ: Aber letztendlich ist es auch uninteressant und dramaturgisch irrelevant, wie der Typ an die Waffe kommt. Er braucht sie und Feierabend! Bei jedem „Tatort“ haben wir diese Diskussion: Ist das jetzt realistisch oder nicht? Das ist immer eine Gratwanderung, und auch die Zuschauer ticken da unterschiedlich: Viele interessieren sich nur für die Spannung, die Emotionen, die Geschichte, andere Zuschauer – vor allem Männer übrigens – suchen geradezu nach „Fehlern“ und freuen sich, wenn sie Unstimmigkeiten entdecken. Uns Autoren ist vor allem die innere Logik wichtig, eine nachvollziehbare Dramaturgie und eine stimmige, glaubwürdige Psychologie unserer Figuren.  

Die Regionalität spielt beim „Tatort“ eine große Rolle. Wie erzählt man eine Stadt mit?

VZ: Es gibt natürlich den Schauwert einer Stadt, dafür sind vor allem Regie und Kamera zuständig. Erstrebenswert ist es aber, Geschichten zu erzählen, die mit den Besonderheiten einer Stadt oder Region zu tun haben. In Köln kennen wir uns bestens aus, da wissen wir, wie die Menschen ticken. In die Konfliktfelder und Eigenarten anderer Städte müssen wir uns erst einarbeiten und einfühlen. 

EZ: Zum Beispiel beim ersten Kieler „Tatort“, den wir gemacht haben, da gab es den Wunsch der Redaktion, den Brennpunkt-Stadtteil Gaarden zu bespielen. Bei den Recherchen sind wir immer wieder auf die extrem hohe Kinderarmut gestoßen und haben dann eine Geschichte erzählt, die sich dieses Themas annimmt.

Wie experimentell darf ein „Tatort“ sein?

EZ:  Ein „Tatort“ muss spannend sein, egal ob experimentell oder konventionell. Aber bei der Fülle von „Tatorten“ gibt es für meinen Geschmack zu wenig Experimentelles, zu wenig Murot. Da kann man dem Zuschauer ruhig mehr anbieten, Sehgewohnheiten durchbrechen und ihn aus der sonntäglichen Komfortzone locken. Aber die Diskussion führen wir immer wieder: Darf man das machen, oder steigt der Zuschauer aus? 

VZ: Wir wundern uns allerdings manchmal, wie gut einige Leute „den Zuschauer“ zu kennen glauben, und aus lauter Angst, das Publikum zu überfordern, auf die Bremse treten. Zum Glück gibt es viele Redakteurinnen und Redakteure, die mutig genug sind, um dramaturgisches oder erzählerisches Neuland zu betreten – und zwar ohne damit ein Quoten-Desaster anzurichten. Die Streaming-Portale mit ihrer Vielzahl an Geschichtenkonzepten haben die Sehgewohnheiten des TV-Publikums verändert, da kann man als „Tatort“-Macher nicht so tun, als sei die Zeit stehengeblieben. 

Sind die Verantwortlichen nicht mutig genug?

VZ: Wir spüren die Verantwortung, die die Redaktionen für das Format haben. Der „Tatort“ ist neben den großen Sportereignissen das letzte kollektive Guck-Erlebnis. In einer sich dramatisch verändernden Fernsehlandschaft ist der „Tatort“ für die ARD ein echtes Juwel. Die Angst, bei diesem Format irgendwas falsch zu machen, ist entsprechend groß… und nachvollziehbar. Wie viel darfst du wagen, ohne dein Stammpublikum zu vergraulen, wie viel musst du riskieren, um neue Zuschauer zu gewinnen?  

EZ: Der „Tatort“ war viel zu lange eine Bastion alter weißer Männer, zu formatiert, zu berechenbar. Das hat sich zum Glück geändert. Es ist gut, dass die Sender jetzt auch junge aufregende Talente schreiben, inszenieren und spielen lassen, es ist gut, dass der „Tatort“ bunter und vor allem weiblicher geworden ist.

Haben Sie eine Erklärung, warum der „Tatort“ diese Sonderstellung im deutschen Fernsehen hat?

VZ: Der Sendeplatz am Sonntagabend hat großen Anteil am Erfolg des Formats, das ist fast wie eine kollektive Einschalt-Verabredung, um am nächsten Morgen – auch mit einem Gesprächsthema – in die neue Woche zu starten.  

EZ: Vielleicht ist der „Tatort“ in dieser aus den Fugen geratenen Welt auch eine wichtige Konstante. Der „Tatort“ hat Tradition. Gibt es irgendein Format im deutschen Fernsehen – außer der „Tagesschau“ –, das seit 50 Jahren läuft? Viele Kommissare sind gemeinsam mit den Zuschauern gealtert, andere frische Gesichter sind dazu gekommen. Bei allem – zum Teil berechtigten – Gemecker sorgt der „Tatort“ doch immer wieder für echte Highlights und Sternstunden der Fernsehunterhaltung. Er ist eine kalkulierbare Wundertüte, irgendwie weiß man, was drin ist, wird aber trotzdem immer wieder überrascht. 

(Interview: Anne Burgmer, Foto: Max Grönert))

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