Eva Zahn & Volker A. Zahn
Drehbuchautoren



Aktuelles


Die Komödie „Goldjungs“ erzählt von den bizarren Vorkommnissen rund um den Bankrott des Kölner Bankhauses Herstatt im Jahre 1974. Bereits ab 29. April ist der neue Film von Eva Zahn und Volker A. Zahn in der ARD-Mediathek abrufbar, die Ausstrahlung im linearen TV gibt’s eine Woche später, am 5. Mai um 20, 15 im Ersten.

Und darum geht’s: Köln in den 70ern. Die zwanzigjährige Marie Breuer (Michelle Barthel) tritt mit Unterstützung von Irene Gerling (Leslie Malton) ihre Stelle als Sekretärin bei Herstatt an. Im Bankhaus von Direktor Iwan D. Herstatt (Waldemar Kobus), der seinen finanzstarken Jugendfreund Hans Gerling (Martin Brambach) an seiner Seite hat, weht der Duft der großen weiten Welt. Anfangs hegt die aus einfachen Verhältnissen stammende Marie noch Hoffnungen, ihr Chef Ferdinand von Broustin (Ulrich Friedrich Brandhoff) interessiere sich für sie. Doch dann erliegt sie den finanziellen und erotischen Verlockungen der Goldjungs um Mick Sommer (Tim Oliver Schultz) und setzt waghalsig die Ersparnisse ihrer Mutter aufs Spiel. Der Einzige, der dem Treiben der Goldjungs nicht tatenlos zusehen will, ist Buchhalter Uwe Lennartz (Jan Krauter). Fassungslos beobachtet er, wie die Spekulationen der Devisenhändler immer gewagter werden und einfache Angestellte der Bank immer größere Summen einsetzen. Seine Warnungen will jedoch niemand hören, auch der notorisch schläfrige Bankdirektor Iwan Herstatt nicht…

Durch Maries Augen werden der Herstatt-Bankrott, die bizarren Eskapaden des Bankdirektors, das Versagen der Finanzaufsicht, die Tricksereien des Managements und die persönlichen Dramen der Spekulations-Opfer erzählt. Doch je absurder die Vorgänge in der Bank werden, desto mehr entwickelt sich Marie zur selbstbewussten jungen Frau. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre Mutter und sich selbst vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Bis es schließlich doch zum großen Crash kommt…

„Goldjungs" ist eine Produktion der Zeitsprung Pictures GmbH (Produzenten: Michael Souvignier und Till Derenbach, Producer: Daniel Mann) in Kooperation mit G5fiction (Produzent: Uwe Kersken) im Auftrag des WDR und der ARD Degeto. Regie führt Christoph Schnee.

Im Anschluss an die Ausstrahlung wird sich auch das ARD-Wirtschaftsmagazin plusminus (ab 21, 45 Uhr) eingehend mit der Kölner Bankenpleite und ihren Auswirkungen auf die Finanzwelt beschäftigen.

 

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Anlässlich des 50jährigen „Tatort“-Jubiläums haben sich Eva Zahn und Volker A. Zahn den Fragen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ gestellt. Zurzeit arbeitet das Autoren-Paar an zwei neuen Filmen für die Krimireihe. Tatorte: Kiel und Köln.

Kölner Stadt-Anzeiger: Eva Zahn und Volker A. Zahn, Sie arbeiten als Drehbuchautoren immer wieder auch für den „Tatort“ und schreiben aktuell einen Kölner Fall. Was ist wichtiger beim „Tatort“, der Mord oder das übergeordnete Thema?

Eva Zahn: Für uns gibt es da keine Hierarchie. Ein „Tatort“ muss spannend erzählt und unterhaltsam sein, das ist das A und O. Manchmal steht der Krimi stärker im Vordergrund, manchmal das Drama. Aber am wichtigsten ist, dass das Gesamtpaket stimmt. Und wenn wir ein übergeordnetes, politisch oder gesellschaftlich relevantes Thema miterzählen, dann auf keinen Fall plakativ. Filme, die wie fiktionalisierte Wikipedia-Artikel anmuten und brav alle Aspekte eines Themas abhaken, finde ich nicht so prickelnd. 

Wie gehen Sie das an, wenn Sie ein „Tatort“-Drehbuch schreiben?

Volker A. Zahn: Es gibt ein paar Rahmenbedingungen, auf die man als Autor achten sollte. Die Stadt sollte mehr sein als nur Kulisse. Und man sollte das Ermittler-Team gut kennen. Wie interagieren die Helden, was sind ihre Stärken und Schwächen, wo können wir mit unserer Geschichte auch im Team emotional andocken, ohne gleich eine große Privatgeschichte aufzumachen? Wie kann man die Figuren noch interessanter machen?

Und wie vermeiden Sie es, Themen aufzugreifen, die es schon zigmal gab?

EZ: Das lässt sich nicht vermeiden, deshalb müssen wir bei jedem Thema einen besonderen, eigenen Zugang suchen. Die Welt ist bunt, und die Geschichten liegen auf der Straße, wir greifen Themen auf, die uns wichtig sind oder berühren. Nicht selten verbirgt sich hinter einer kleinen Zeitungsnotiz der Stoff für ein ganz großes Drama.  

Gesellschaftliche Relevanz ist immer ein Stichwort beim „Tatort“. Wie wichtig ist sie?

VZ: Wir denken die großen gesellschaftlichen Themen häufig mit. In dem Kölner „Tatort“, den wir gerade schreiben, geht es vordergründig um eine Geiselnahme und um die verbotene Beziehung eines Lehrers zu einer Schülerin. Also eigentlich nichts Neues, wenn man bedenkt, dass es bereits 1977 den legendären „Reifezeugnis“-Tatort mit Nastassja Kinski gab. Wir rücken in unserer Geschichte aber das Motiv der „Kränkung“ in den Mittelpunkt, erzählen von einem Narzissten, der sich missverstanden fühlt und glaubt, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein und deshalb über andere Menschen richten zu dürfen. Wir greifen mit unserem Film eine Entwicklung auf, die sich nicht nur politisch in einer gewissen Enthemmung niederschlägt, sondern auch im alltäglichen Miteinander. Im Krimi können wir so über ein individuelles Schicksal eine aktuelle gesellschaftliche Stimmung miterzählen.  

Ein „Tatort“ dauert 90 Minuten. Wie macht man das, den Täter nicht zu früh zu verraten, die Geschichte aber auch nicht so kompliziert zu machen, dass sie unverständlich wird?

EZ: Das ist Handwerk, praktisch der Rohbau, den man mit Gespür und Erfahrung errichtet. Da gibt es doppelte Böden und geheime Türen, die man einbaut, kleine Irrgärten, die man anlegt. Aber dann muss man das Konstrukt mit lebendigen und spannenden Charakteren ausfüllen. Mit Figuren, die interessant sind und den Zuschauer berühren. Da muss man immer wieder versuchen, sich etwas Neues einfallen zu lassen, mutig Grenzen auszuloten, um nicht mit altbekannten Klischees zu langweilen. Schließlich wollen wir uns auch selbst nicht langweilen, was nach den circa hundert Krimis, die wir bis jetzt geschrieben haben, gar nicht so einfach ist. 

VZ: Uns reizen beim Krimi dramaturgische Konzepte jenseits des klassischen Whodunit, der ja eher wie „Malen nach Zahlen“ funktioniert. Anfang der achtziger Jahre haben wir bei „Ein Fall für Zwei“ auf diese Art mit dem Geschichtenerzählen angefangen. „Wie schreibt man einen Fernsehkrimi“ hieß damals ein entsprechendes Handbuch unserer Produzenten. Zum Glück sind die erzählerischen Freiräume im deutschen Fernsehkrimi immer größer geworden. In unserem letzten Kiel-„Tatort“ war von Anfang an klar, wer die Mörderin ist, in unserem neuen Köln-„Tatort“ bedienen wir eher das Thriller-Genre. Dass Geschichten auf sehr unterschiedliche Weise als „Tatort“ erzählt werden können, macht für uns als Autoren den Reiz dieser Reihe aus. Und für den Zuschauer wahrscheinlich auch.

Natürlich müssen Sie sich in viele verschiedene Menschen in Ihrer Arbeit einfühlen. Aber ein Mörder ist ja noch mal etwas ganz Besonderes. Wie machen Sie das? 

VZ: Zu unserem Handwerkszeug gehört die Recherche. Der Austausch mit Menschen, die professionell in menschliche Abgründe schauen: Polizisten, Psychologen, Sozialarbeiter… Beim aktuellen Kieler „Tatort“ versuchen wir, uns mit Hilfe einer Polizeipsychologin in die Seelenlage unserer nicht unkomplizierten Täterin einzufühlen. Trotzdem darf unsere erzählerische Freiheit dabei nicht zu kurz kommen, viele Mörder sind längst nicht so spannend, wie wir sie schreiben.

EZ: Im Traum habe ich auch schon mal jemanden ermordet. Und ich hatte ganz furchtbare Angst, dass ich erwischt werde und ins Gefängnis muss. Das zeigt eigentlich, dass die Identifizierung schon ganz gut funktioniert. (lacht) Ich glaube ja, dass es nur eine dünne zivilisatorische Schicht ist, die die Menschen davon abhält, zu morden. In Kriegs- und Krisenzeiten zeigt sich, wie schnell solche Schutzmechanismen und Skrupel außer Kraft gesetzt sind und der „Normalbürger“ zur Bestie mutiert.  

Ein Thema beim „Tatort“ ist auch immer die Frage, wie realistisch Polizeiarbeit geschildert wird und werden muss. Welche Haltung haben Sie da?

EZ: Wir recherchieren immer alles gegen, aber in der Realität ist die Polizeiarbeit oft langatmig, kleinteilig und sehr personalintensiv. Diese Realität wollen und können wir gar nicht abbilden. Wir versuchen, hanebüchene Logikfehler zu vermeiden und den bestmöglichen Film zu machen.

VZ: Außerdem stoßen wir manchmal auch an die Grenzen des produktionell Machbaren. In unserem letzten „Tatort“ sollte ein Polizeischüler beim Schießtraining eine Waffe entwenden. Das ist in der Realität fast unmöglich. Also haben wir eine Szene konzipiert, in der unser Täter großen Aufwand treiben muss, um an die Knarre zu kommen. Das Ende vom Lied: Das Buch war insgesamt zu lang, und die Szene mit dem Waffenklau fiel der Kürzung zum Opfer. So was hauen dir dann gerne mal die Kritiker um die Ohren.

EZ: Aber letztendlich ist es auch uninteressant und dramaturgisch irrelevant, wie der Typ an die Waffe kommt. Er braucht sie und Feierabend! Bei jedem „Tatort“ haben wir diese Diskussion: Ist das jetzt realistisch oder nicht? Das ist immer eine Gratwanderung, und auch die Zuschauer ticken da unterschiedlich: Viele interessieren sich nur für die Spannung, die Emotionen, die Geschichte, andere Zuschauer – vor allem Männer übrigens – suchen geradezu nach „Fehlern“ und freuen sich, wenn sie Unstimmigkeiten entdecken. Uns Autoren ist vor allem die innere Logik wichtig, eine nachvollziehbare Dramaturgie und eine stimmige, glaubwürdige Psychologie unserer Figuren.  

Die Regionalität spielt beim „Tatort“ eine große Rolle. Wie erzählt man eine Stadt mit?

VZ: Es gibt natürlich den Schauwert einer Stadt, dafür sind vor allem Regie und Kamera zuständig. Erstrebenswert ist es aber, Geschichten zu erzählen, die mit den Besonderheiten einer Stadt oder Region zu tun haben. In Köln kennen wir uns bestens aus, da wissen wir, wie die Menschen ticken. In die Konfliktfelder und Eigenarten anderer Städte müssen wir uns erst einarbeiten und einfühlen. 

EZ: Zum Beispiel beim ersten Kieler „Tatort“, den wir gemacht haben, da gab es den Wunsch der Redaktion, den Brennpunkt-Stadtteil Gaarden zu bespielen. Bei den Recherchen sind wir immer wieder auf die extrem hohe Kinderarmut gestoßen und haben dann eine Geschichte erzählt, die sich dieses Themas annimmt.

Wie experimentell darf ein „Tatort“ sein?

EZ:  Ein „Tatort“ muss spannend sein, egal ob experimentell oder konventionell. Aber bei der Fülle von „Tatorten“ gibt es für meinen Geschmack zu wenig Experimentelles, zu wenig Murot. Da kann man dem Zuschauer ruhig mehr anbieten, Sehgewohnheiten durchbrechen und ihn aus der sonntäglichen Komfortzone locken. Aber die Diskussion führen wir immer wieder: Darf man das machen, oder steigt der Zuschauer aus? 

VZ: Wir wundern uns allerdings manchmal, wie gut einige Leute „den Zuschauer“ zu kennen glauben, und aus lauter Angst, das Publikum zu überfordern, auf die Bremse treten. Zum Glück gibt es viele Redakteurinnen und Redakteure, die mutig genug sind, um dramaturgisches oder erzählerisches Neuland zu betreten – und zwar ohne damit ein Quoten-Desaster anzurichten. Die Streaming-Portale mit ihrer Vielzahl an Geschichtenkonzepten haben die Sehgewohnheiten des TV-Publikums verändert, da kann man als „Tatort“-Macher nicht so tun, als sei die Zeit stehengeblieben. 

Sind die Verantwortlichen nicht mutig genug?

VZ: Wir spüren die Verantwortung, die die Redaktionen für das Format haben. Der „Tatort“ ist neben den großen Sportereignissen das letzte kollektive Guck-Erlebnis. In einer sich dramatisch verändernden Fernsehlandschaft ist der „Tatort“ für die ARD ein echtes Juwel. Die Angst, bei diesem Format irgendwas falsch zu machen, ist entsprechend groß… und nachvollziehbar. Wie viel darfst du wagen, ohne dein Stammpublikum zu vergraulen, wie viel musst du riskieren, um neue Zuschauer zu gewinnen?  

EZ: Der „Tatort“ war viel zu lange eine Bastion alter weißer Männer, zu formatiert, zu berechenbar. Das hat sich zum Glück geändert. Es ist gut, dass die Sender jetzt auch junge aufregende Talente schreiben, inszenieren und spielen lassen, es ist gut, dass der „Tatort“ bunter und vor allem weiblicher geworden ist.

Haben Sie eine Erklärung, warum der „Tatort“ diese Sonderstellung im deutschen Fernsehen hat?

VZ: Der Sendeplatz am Sonntagabend hat großen Anteil am Erfolg des Formats, das ist fast wie eine kollektive Einschalt-Verabredung, um am nächsten Morgen – auch mit einem Gesprächsthema – in die neue Woche zu starten.  

EZ: Vielleicht ist der „Tatort“ in dieser aus den Fugen geratenen Welt auch eine wichtige Konstante. Der „Tatort“ hat Tradition. Gibt es irgendein Format im deutschen Fernsehen – außer der „Tagesschau“ –, das seit 50 Jahren läuft? Viele Kommissare sind gemeinsam mit den Zuschauern gealtert, andere frische Gesichter sind dazu gekommen. Bei allem – zum Teil berechtigten – Gemecker sorgt der „Tatort“ doch immer wieder für echte Highlights und Sternstunden der Fernsehunterhaltung. Er ist eine kalkulierbare Wundertüte, irgendwie weiß man, was drin ist, wird aber trotzdem immer wieder überrascht. 

(Interview: Anne Burgmer, Foto: Max Grönert))

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Für das Drehbuch zum Migrations-Drama „Aufbruch ins Ungewisse“ wurden Eva Zahn und Volker A. Zahn im Oktober 2020 mit dem Medienpreis Menschenrechte von Amnesty International ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im digitalen Rahmen statt, neben dem Kölner Autorenpaar wurde in diesem Jahr u. a. auch ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ausgezeichnet.

„Aufbruch ins Ungewisse“ ist eine deutsch-südafrikanische Produktion. Die Dystopie erzählt in Umkehrung der aktuellen Verhältnisse vom Schicksal einer deutschen Familie, die sich aufgrund der politischen Situation in ihrer Heimat gezwungen sieht, nach Afrika zu fliehen. Uraufführung war am 27. Oktober 2017 auf den Internationalen Hofer Filmtagen, im Fernsehen wurde der Film im Februar 2018 im Ersten gezeigt. Der „Spiegel“ hielt den Film, der elegant all jene Szenarien antippe, „die die meisten Zuschauer nur vom Hörensagen kennen dürften“, für überfällig. Auch wenn die Geschichte von zu vielen Schicksale erzähle, gehe der Trick mit dem Perspektiv-Wechsel auf: „Die historische, geografische oder kulturelle Distanz, die dem Zuschauer Fluchtgeschichten sonst so angenehm vom Leib“ halte, fehle, denn hier sitze er mit im Boot.

Rund um die Erstausstrahlung des TV-Films versuchten rechtsextreme Netzwerke (u. a. die Reconquista Germanica) die Diskussion über den Film gezielt zu manipulieren.

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Drehstart für die von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene ARD-Komödie „Goldjungs“, die von den bizarren Vorkommnissen rund um den Bankrott des Kölner Bankhauses Herstatt im Jahre 1974 erzählt. Die damals größte Banken-Pleite der Nachkriegszeit wurde maßgeblich von einer Gruppe junger und wilder Devisenhändler, den so genannten „Goldjungs“, befeuert. Den Untergang des Hauses Herstatt mit all seinen wunderlichen Besonderheiten erzählt das Autoren-Ehepaar aus der Perspektive von Marie Breuer (Michelle Barthel), die der Gier nach dem großen Geld ebenso zu verfallen droht wie der fiebrigen Erotik der jungen Spekulanten.

Die 20-Jährige tritt Anfang der siebziger Jahre mit Unterstützung von Irene Gerling (Leslie Malton) ihre Stelle als Sekretärin bei Herstatt an. Im Bankhaus von Direktor Iwan D. Herstatt (Waldemar Kobus), der seinen finanzstarken Jugendfreund Hans Gerling (Martin Brambach) an seiner Seite hat, weht der Duft der großen weiten Welt. Anfangs hegt Marie noch Hoffnungen, ihr Chef Ferdinand von Broustin (Ulrich Friedrich Brandhoff) interessiere sich für sie. Doch dann erliegt sie den Verlockungen der „Goldjungs“ um Mick Sommer (Tim Oliver Schultz) und setzt waghalsig die Ersparnisse ihrer Mutter aufs Spiel…

Durch Maries Augen werden der Herstatt-Bankrott, die unglaublichen Eskapaden des Bankdirektors, das Versagen der Finanzaufsicht, die Tricksereien des Managements und die persönlichen Dramen der Spekulationsopfer erzählt. Doch je absurder die Vorgänge in der Bank werden, desto mehr entwickelt sich Marie zur selbstbewussten jungen Frau. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre Mutter und sich selbst vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Bis es schließlich doch zum großen Crash kommt…

Die Film-Satire “Goldjungs" ist eine Produktion der Zeitsprung Pictures GmbH (Produzenten: Michael Souvignier und Till Derenbach, Producer: Daniel Mann) in Kooperation mit G5fiction (Produzent: Uwe Kersken) im Auftrag des WDR und der ARD Degeto. Regie führt Christoph Schnee. Der durch die Film- und Medienstiftung NRW geförderte Film soll voraussichtlich im Frühjahr 2021 im Ersten ausgestrahlt werden.

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Anlässlich des zehnten Jahrestags der Duisburger Loveparade-Katastrophe, bei der im Juli 2010 21 Menschen ums Leben kamen und Hunderte schwer verletzt und nachhaltig traumatisiert wurden, zeigt das Erste am 22. Juli um 20, 15 Uhr noch einmal das von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene WDR-Drama „Das Leben danach“ (Regie: Nicole Weegmann). Für ihr Buch wurden die Autoren 2018 mit dem renommierten Robert Geisendörfer Preis, dem Medienpreis der evangelischen Kirche, ausgezeichnet. Zuvor war die Produktion (winwin film, Valentin Holch) bereits für den Grimme-Preis nominiert worden und lief auf verschiedenen Festivals (München, Brooklyn u. a.). Beim Kinofest Lünen gewann „Das Leben danach“ den Publikumspreis, und das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen zeichnete das Drama mit dem „Medienkulturpreis“ 2018 aus. Auch die Kritiker ließen sich von dem Werk begeistern. „Oft erschlagen bei diesen Produktionen die großen Themen die kleinen Figuren“, befand „Der Spiegel“ und resümmierte: „Dass es hier nicht so ist, ist auch Regisseurin Nicole Weegmann und den Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn zu verdanken. Die drei waren zusammen auch für den Mittelstandsselbstzerfleischungstrip ‘Mobbing‘ verantwortlich. Mag am Anfang bei ihren Arbeiten das gesellschaftspolitische Sujet stehen, so ist dieses Sujet doch stets in einen sozialen Kosmos eingebettet, dessen Figuren Leben atmen. Schönes, scheußliches Leben. (…) Ein Film, der zeigt, dass Trauer sich nicht per Fingerschnippen auflöst - und dass Katastrophen keine Jahrestage brauchen, um zu zeigen, wie sie in den Menschen nachwirken. Lebenszeichen aus dem Tunnel: Duisburg Calling!“ Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ urteilte: „‘Das Leben danach‘ ist großes Fernsehen“, und der Kritiker der „Welt“ schrieb: „Eva und Volker A. Zahn haben die Geschichte der Toni Schneider erfunden auf der Basis von Hunderten Gesprächen mit Hinterbliebenen, Familien, Freunden, Schicksalsgenossen. Jella Haase zerschmettert in diesem Film endgültig die letzten Reste jener Chantal, mit der sie in den ‘Fack ju Göhte‘-Filmen berühmt wurde. (…) Dass Toni und Sascha sich anziehen, versteht man sofort. Dass das eigentlich auch nicht gut gehen kann auch. Dafür, dass Tonis Geschichte von dem Moment an, da ihr der Leiter ihrer Selbsthilfegruppe steckt, was Sascha wirklich ist, ein einziger Amoklauf ist, wird sie von Nicole Weegmann geradezu mit Samthandschuhen angefasst. „Das Leben danach“ ist kein Untersuchungsausschuss, kein Prozess. In diesem Film stehen anders als in Ausschüssen und Prozessen die Opfer im Mittelpunkt und das, was Katastrophen wie die in Duisburg mit Überlebenden machen und mit denen, die mit Überlebenden leben müssen. (…)  Bei all dem Schrecklichen, das Sascha und Toni in sich tragen, das in sie hineinragt, das in Flashbacks und ein paar Dokumentarfilmszenen ohne jegliche Sensationsgier immer wieder mal als Albträume eingeblendet wird, bei alldem bleibt „Das Leben danach“ ein zutiefst menschlicher Film. Einer, der offensichtlich nah am Alltag ist. Lebendig. Und traurig. Und einen nicht loslässt.“

Neben der Ausstrahlung am 22. Juli im Ersten ist „Das Leben danach“ auch am 26. Juli um 20, 15 Uhr sowie am 7. August um 22, 30 Uhr auf ONE zu sehen.

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