Der Titel „Ihr könnt euch niemals sicher sein“ ist für diesen herausragenden Film Programm. Denn niemand in Olivers Umgebung ist sich sicher, ob er das Richtige tut. Olivers Eltern streiten sich darüber, ob ihr Sohn den "Bad Guy" nur mimt, wie sein Vater meint, oder ob hinter der coolen Fassade nicht doch echte Verzweiflung steht, wie seine Mutter vermutet. Der Schuldirektor will dem Jungen keinen Stein in den Weg legen, aber auch seine Schule schützen. Und Lehrerin Vollrath ist hin und her gerissen zwischen pädagogischem Augenmaß und nackter Angst. "Wisst ihr, was ich echt scheiße finde?", fragt Oliver einmal seine Eltern. "Dass ihr mich nicht verteidigt." Aber die pubertäre Forderung nach blinder Gefolgschaft kann ihm kein Erwachsener erfüllen. Alle sind ratlos, wie es weitergehen soll.
Regisseurin Nicole Weegmann gelingt es, aus dieser Hilflosigkeit künstlerisch Kapital zu schlagen. Ihr Film, der das kluge Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn kongenial umsetzt, schafft eine Atmosphäre, in der jede Figur Verständnis verdient und zugleich für die eigenen Fehler haftbar gemacht werden kann. Für jede Frage des Zuschauers findet der Film eine glaubwürdige Antwort. Und doch bleibt am Ende die Frage: Hätte es keinen anderen Ausweg gegeben?
Die Entscheidung, den verschlossenen Problemschüler Oliver zu spielen, hat sich Ludwig Trepte nicht leicht gemacht. Erst vor zwei Jahren wurde er einem breiten Publikum durch den Film "Guten Morgen, Herr Grothe" bekannt. Schon damals spielte er einen verhaltensauffälligen Jugendlichen, dem es an Orientierung fehlte. Aber diesmal ist seine Figur vielschichtiger. Trepte spielt ihn mit sattem Nachdruck und empfindsamer Zerbrechlichkeit. Dass die Übung gelingt, liegt auch daran, dass sich um Trepte herum hervorragende Schauspieler versammeln. Selbst die vielen kleinen, aber bedeutenden Nebenrollen sind prominent besetzt. So spielt Anneke Kim Sarnau die bedrohte Deutschlehrerin und Johanna Gastdorf jene Psychiaterin, die Olivers Gemütszustand diagnostizieren soll.
Und auch hinter der Kamera hat Regisseurin Weegmann mit Judith Kaufmann und der Cutterin Andrea Mertens die erste Liga versammelt. Ein Film mit diesem brisanten Thema hätte auch zu einem prätentiösen Ärgernis oder einer psychologischen Banalität verhunzt werden können. So aber ist es gutes und wichtiges Fernsehen geworden.
Regisseurin Nicole Weegmann gelingt es, aus dieser Hilflosigkeit künstlerisch Kapital zu schlagen. Ihr Film, der das kluge Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn kongenial umsetzt, schafft eine Atmosphäre, in der jede Figur Verständnis verdient und zugleich für die eigenen Fehler haftbar gemacht werden kann. Für jede Frage des Zuschauers findet der Film eine glaubwürdige Antwort. Und doch bleibt am Ende die Frage: Hätte es keinen anderen Ausweg gegeben?
Die Entscheidung, den verschlossenen Problemschüler Oliver zu spielen, hat sich Ludwig Trepte nicht leicht gemacht. Erst vor zwei Jahren wurde er einem breiten Publikum durch den Film "Guten Morgen, Herr Grothe" bekannt. Schon damals spielte er einen verhaltensauffälligen Jugendlichen, dem es an Orientierung fehlte. Aber diesmal ist seine Figur vielschichtiger. Trepte spielt ihn mit sattem Nachdruck und empfindsamer Zerbrechlichkeit. Dass die Übung gelingt, liegt auch daran, dass sich um Trepte herum hervorragende Schauspieler versammeln. Selbst die vielen kleinen, aber bedeutenden Nebenrollen sind prominent besetzt. So spielt Anneke Kim Sarnau die bedrohte Deutschlehrerin und Johanna Gastdorf jene Psychiaterin, die Olivers Gemütszustand diagnostizieren soll.
Und auch hinter der Kamera hat Regisseurin Weegmann mit Judith Kaufmann und der Cutterin Andrea Mertens die erste Liga versammelt. Ein Film mit diesem brisanten Thema hätte auch zu einem prätentiösen Ärgernis oder einer psychologischen Banalität verhunzt werden können. So aber ist es gutes und wichtiges Fernsehen geworden.
„Ihr könnt euch niemals sicher sein“ ist kein Film über Erfurt und Emsdetten, sondern über die Angst danach. Es gibt keinen Amoklauf, sondern einen einsamen, sensiblen Jugendlichen, der in manchmal gewalttätige Träume flüchtet, und verunsicherte, hilflose Erwachsene, die zu der Welt des 17-Jährigen keinen Zugang finden. Eigentlich also eine moderne Sturm-und-Drang-Geschichte, und das Autoren-Paar Eva und Volker A. Zahn erlauben sich auch einige Querverweise auf Goethe und Plenzdorf. Die Lehrerin gibt Oliver eine Sechs, weil er „Die Leiden des jungen Werthers“ in Rap-Form interpretiert hat. Der junge Mann ist eine Art verhinderter Künstler wie der Edgar Wibeau in Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“. Und Olivers unglückliche Liebe an der neuen Schule heißt natürlich Charlotte (Karolina Teska).
Doch Oliver will im Gegensatz zu Goethes Werther, der sich wegen Lotte selbst erschoss, lieber der Lehrerschaft an die Gurgel – wenn man seine extremen Texte wörtlich nimmt. Und wer kann dies den Lehrern verdenken, die sich auch im Sinne der Sicherheit der ihnen anvertrauten Schüler keinen Fehler erlauben dürfen? Aber wird hier ein heranwachsender Mensch nicht etwas leichtfertig stigmatisiert? Oliver rutscht immer tiefer in den Schlamassel, ein wenig Halt findet er bei Charlotte und beim Deutschrussen Micha (Fjodor Olev). Die Stärke des Films ist, dass er die Welt nicht in Gut und Böse teilt und die Motive aller Beteiligten differenziert darstellt.
Hauptdarsteller Ludwig Trepte beweist erneut sein enormes Talent. Die schwankende Gefühlswelt eines Heranwachsenden ist ihm nahe, das spürt man, doch zugleich ist da diese unerhörte Sicherheit vor der Kamera. Oliver ist mal aggressiv, mal zärtlich, sagt vor einer Mit-Insassin in der Psychiatrie seine Texte auf, was ihm ein bisschen peinlich ist, und rapt selbstbewusst in der Russen-Disco. In keiner Sekunde wirkt Trepte in dieser Rolle gekünstelt und nicht präsent. „Vielschichtige Typen geben mir als Schauspieler mehr Futter“, sagt Trepte wie ein alter Hase. Wie gut auch fürs Publikum, wenn sein Hunger weiter gestillt wird.
Doch Oliver will im Gegensatz zu Goethes Werther, der sich wegen Lotte selbst erschoss, lieber der Lehrerschaft an die Gurgel – wenn man seine extremen Texte wörtlich nimmt. Und wer kann dies den Lehrern verdenken, die sich auch im Sinne der Sicherheit der ihnen anvertrauten Schüler keinen Fehler erlauben dürfen? Aber wird hier ein heranwachsender Mensch nicht etwas leichtfertig stigmatisiert? Oliver rutscht immer tiefer in den Schlamassel, ein wenig Halt findet er bei Charlotte und beim Deutschrussen Micha (Fjodor Olev). Die Stärke des Films ist, dass er die Welt nicht in Gut und Böse teilt und die Motive aller Beteiligten differenziert darstellt.
Hauptdarsteller Ludwig Trepte beweist erneut sein enormes Talent. Die schwankende Gefühlswelt eines Heranwachsenden ist ihm nahe, das spürt man, doch zugleich ist da diese unerhörte Sicherheit vor der Kamera. Oliver ist mal aggressiv, mal zärtlich, sagt vor einer Mit-Insassin in der Psychiatrie seine Texte auf, was ihm ein bisschen peinlich ist, und rapt selbstbewusst in der Russen-Disco. In keiner Sekunde wirkt Trepte in dieser Rolle gekünstelt und nicht präsent. „Vielschichtige Typen geben mir als Schauspieler mehr Futter“, sagt Trepte wie ein alter Hase. Wie gut auch fürs Publikum, wenn sein Hunger weiter gestillt wird.
Auch wenn Marcel Reich-Ranicki und Elke Heidenreich sich das jetzt nicht recht vorstellen können und vielleicht wirklich daran glauben, dass jeder Erzählstoff automatisch vor die Hunde geht, wenn er sich statt zwischen zwei Buchdeckel auf einen flachen Bildschirm wagt: Sie existieren sogar im Fernsehen, die Momente, in denen soziale Wirklichkeit künstlerisch überzeugend verarbeitet wird und sich Talente auf beglückende Weise offenbaren. Es gibt sie zu selten, aber sie sind da.
Produktionen, die keineswegs „verblödet“ „kulturlos“ und „lächerlich“ (E. Heidenreich) sind, lassen sich beispielsweise überdurchschnittlich oft am Mittwochabend im Ersten entdecken. Vor einer Woche lief dort „Einer bleibt sitzen“, eine sensible Geschichte um das Thema Freundschaft. Jetzt folgt das herausragende Adoleszenzdrama „Ihr könnt euch niemals sicher sein“. Es geht um einen Jungen, der in den Verdacht gerät, an seiner Schule einen Amoklauf zu planen. Und auch dieser Film ist keine reißerische Billigware von der Stange, sondern eine reiflich überlegte, sorgfältig inszenierte und exzellent gespielte Studie über die schleichende, aber urplötzlich bedrohlich evidente Entfremdung zwischen den Generationen.
Das Besondere an diesem Film ist das Gleichgewicht, das Nicole Weegmann (Regie), Eva und Volker A. Zahn (Buch) damit halten. Einerseits artikulieren sie Olivers Drang nach Selbstfindung und Abgrenzung („Ich habe keine Lust, wie ein enthirnter Klon zu funktionieren.“), der sich wie bei vielen Jugendlichen konträr zum starken Bedürfnis nach Verständnis und Vertrauen entwickelt. Doch deshalb stehen die Älteren hier noch lange nicht als Vertreter einer ignoranten und hysterischen Spießerwelt am Pranger. Die schlimmsten Befürchtungen erscheinen nach den Katastrophen von Littleton, Erfurt oder zuletzt in Finnland durchaus legitim. Olivers Vorliebe für widerwärtige Computerspiele muss hier nicht als eindimensionale Begründung für Gewaltfantasien herhalten, sondern dient vor allem dazu, das Ausmaß des gegenseitigen Unverständnisses zu illustrieren.
Olivers Eltern (sehr authentisch: Jenny Schily und Jürgen Tonkel) finden sich einfach nicht in der Welt zurecht, in der ihr Sohn gerade nach Orientierung sucht. Sie haben keine Ahnung, warum er welche Filme guckt. Seine Sprache macht ihnen Angst. Die Mutter wird darüber immer hilfloser. Der Vater reagiert mit Desinteresse und gibt sich abgebrüht. So sei die Jugend eben, sagt er. Über spätpubertäre Gewaltexzesse habe Johnny Cash doch schon vor über fünfzig Jahren gesungen: „I shot a man in Reno just to watch him die.“ Auch das Lehrerkollegium erscheint überfordert, als es entscheiden soll, ob Oliver nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie wieder an die Schule zurück darf: „Vielleicht haben wir deshalb Angst vor ihm, weil wir ihn nicht kennen.“
Dass diese Geschichte nie aus der Balance gerät, liegt an Ludwig Trepte, der in selten gesehener Weise die Wut und Verletzlichkeit eines Heranwachsenden in sich vereint, ohne dabei je in ein Extrem zu kippen und den Protagonisten entweder zu heroisieren oder zu denunzieren. Oliver bleibt bis zum hochdramatischen Finale ein Rätsel, und seine trotzige Feststellung: „Ihr könnt nicht in mich reingucken. Ihr könnt euch niemals sicher sein“ gilt letztlich auch fürs Publikum.
Produktionen, die keineswegs „verblödet“ „kulturlos“ und „lächerlich“ (E. Heidenreich) sind, lassen sich beispielsweise überdurchschnittlich oft am Mittwochabend im Ersten entdecken. Vor einer Woche lief dort „Einer bleibt sitzen“, eine sensible Geschichte um das Thema Freundschaft. Jetzt folgt das herausragende Adoleszenzdrama „Ihr könnt euch niemals sicher sein“. Es geht um einen Jungen, der in den Verdacht gerät, an seiner Schule einen Amoklauf zu planen. Und auch dieser Film ist keine reißerische Billigware von der Stange, sondern eine reiflich überlegte, sorgfältig inszenierte und exzellent gespielte Studie über die schleichende, aber urplötzlich bedrohlich evidente Entfremdung zwischen den Generationen.
Das Besondere an diesem Film ist das Gleichgewicht, das Nicole Weegmann (Regie), Eva und Volker A. Zahn (Buch) damit halten. Einerseits artikulieren sie Olivers Drang nach Selbstfindung und Abgrenzung („Ich habe keine Lust, wie ein enthirnter Klon zu funktionieren.“), der sich wie bei vielen Jugendlichen konträr zum starken Bedürfnis nach Verständnis und Vertrauen entwickelt. Doch deshalb stehen die Älteren hier noch lange nicht als Vertreter einer ignoranten und hysterischen Spießerwelt am Pranger. Die schlimmsten Befürchtungen erscheinen nach den Katastrophen von Littleton, Erfurt oder zuletzt in Finnland durchaus legitim. Olivers Vorliebe für widerwärtige Computerspiele muss hier nicht als eindimensionale Begründung für Gewaltfantasien herhalten, sondern dient vor allem dazu, das Ausmaß des gegenseitigen Unverständnisses zu illustrieren.
Olivers Eltern (sehr authentisch: Jenny Schily und Jürgen Tonkel) finden sich einfach nicht in der Welt zurecht, in der ihr Sohn gerade nach Orientierung sucht. Sie haben keine Ahnung, warum er welche Filme guckt. Seine Sprache macht ihnen Angst. Die Mutter wird darüber immer hilfloser. Der Vater reagiert mit Desinteresse und gibt sich abgebrüht. So sei die Jugend eben, sagt er. Über spätpubertäre Gewaltexzesse habe Johnny Cash doch schon vor über fünfzig Jahren gesungen: „I shot a man in Reno just to watch him die.“ Auch das Lehrerkollegium erscheint überfordert, als es entscheiden soll, ob Oliver nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie wieder an die Schule zurück darf: „Vielleicht haben wir deshalb Angst vor ihm, weil wir ihn nicht kennen.“
Dass diese Geschichte nie aus der Balance gerät, liegt an Ludwig Trepte, der in selten gesehener Weise die Wut und Verletzlichkeit eines Heranwachsenden in sich vereint, ohne dabei je in ein Extrem zu kippen und den Protagonisten entweder zu heroisieren oder zu denunzieren. Oliver bleibt bis zum hochdramatischen Finale ein Rätsel, und seine trotzige Feststellung: „Ihr könnt nicht in mich reingucken. Ihr könnt euch niemals sicher sein“ gilt letztlich auch fürs Publikum.
Ein ernsthaftes, packendes Jugenddrama im sozialen Umfeld einer auf Mobbing trainierten Konkurrenz-Gesellschaft, aufgeschreckt durch aktuelle Ängste vor amoklaufenden Schülern, die ihrem Geltungswahn Aufmerksamkeit verschaffen wollen – und eskalierend durch eine Schüler-Urerfahrung aus dem Deutsch-Unterricht: null Punkte für die Kreativen, null Punkte für Sprachfantasie.
Besonders sensibel geht der Film mit den erschrockenen, ungläubigen Reaktionen der Eltern um – zumal sich in den Unterwerfungs-Reflexen des Vaters dessen eigener beruflicher Misserfolg spiegelt. Er versteht den Sohn, hat aber gelernt, sich zu ducken. Ein Familiendrama also im weiteren Sinne, behutsam und genau, sorgfältig austariert zwischen Lehrermacht und Schülerwut. Und stets ist das Umkippen in die Tragödie möglich.
Ein packendes Drama, dass trotz der völlig unterschiedlichen Handlung eine womöglich zeitgemäßere Adaption von Goethes „Werther“ war als kürzlich der gleichnamige Film von Uwe Janson.
Das war mehr als ein Thesedrama über eine mögliche Amok-Tat. „Ihr könnt euch niemals sicher sein“ beackerte vielmehr ein sozial sehr viel weiteres Feld, ging psychologisch tiefer und war zugleich großes TV-Kino.
Eine Stärke des Fernsehfilms besteht darin, schnörkellos ein Drehbuch zu inszenieren, das die Sichtweise sowohl der Jugendlichen als auch der Erwachsenen miteinander vereint. Dazu führt Regisseurin Nicole Weegmann aus: „Als ich das Drehbuch las, beeindruckte mich sofort die Ambivalenz der Figuren und wie stark sich die Geschichte in die Welt der Erwachsenen einfühlt und gleichwohl dennoch die Perspektive des jugendlichen Protagonisten einnimmt. Dieser vielschichtige und multiperspektivische Ansatz war für mich die große Herausforderung bei dieser Regiearbeit.“
Den Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn ist es großartig gelungen, überzeugend die Perspektiven zu wechseln. Man kann sich nicht nur in Oliver hineinversetzen, sondern ebenso in seine Lehrer, seine Eltern und seine Freundin. Intensität und eine wohltuende Unaufgeregtheit schließen sich hier nicht aus, sondern münden in einen Film, der sich auf Stufe stellt mit dem Grimme-Preis-gewürdigten „Guten Morgen, Her Grothe“. Da darf auch die Jury des deutschen Fernsehpreises wieder den Notizblock zücken.
Manchmal ist die Realität so tragisch, dass ein ernsthafter Film sie fast nicht mehr einholen kann. Olivers Geschichte gewinnt gerade deshalb an Intensität, weil sie nicht versucht, die Grenzen des Vorstellbaren zu sprengen. Sie erzählt von einem Jugendlichen mit ganz normalen Problemen. Doch wer kann sich darin schon sicher sein?
Wie ähnlich Abiturient Oliver Goethes Werther ist, lässt Eva und Volker A. Zahns Drehbuch rasch erkennen. Da stehen junges Ungestüm, Talent und Verlangen nach Verständnis der Unwissenheit und dem Eigensinn Älterer – ob sie nun Pädagogen, Polizisten oder Eltern sind – krass gegenüber. Erst wenn Letztere fast alles verbockten, was im Umgang mit jungen, schuldlos Ausgegrenzten verbockt werden konnte, führt späte Einsicht zur noch möglichen Versöhnung. Selten wurden in einem Fernsehspiel Fragen nach den Gründen für junge Rebellion so detailliert und gefühlssicher beleuchtet und beantwortet, wie in Nicole Weegmanns Inszenierung eines Stoffes, der Methoden der «Seelen-Medizin» einer schonungslosen Prüfung unterzieht. Verletzungen seiner Menschenwürde spiegeln sich in Gestik und Mimik von Ludwig Trepte so grausam, dass seine Schmerzen vom Zuschauer Besitz ergreifen. Den bis in kleinste Chargen 1a-besetzten Figuren um ihn schaut Judith Kaufmanns Kamera genau ins Herz.
Ein Vorzeigeprodukt für anspruchsvolle Filmunterhaltung.
Eindrucksvolles, bedrückendes Drama, das die mögliche Bedrohung durch jugendliche Amokläufer ebenso wenig verharmlost wie die dramatischen Folgen kollektiver Hysterie.
Diesmal war es ein kleines Jubiläum – zum zwanzigsten Mal fand das Fernsehfilm-Festival in Baden-Baden (vormals: „Tage des Fernsehspiels“) statt. Die festliche Atmosphäre kam bereits durch das Kurhaus zustande, in dessen prächtigem Runden Saal die für den Wettbewerb nominierten Filme aus dem letzten Jahr, zwölf an der Zahl, gezeigt und die öffentlichen Jury-Debatten geführt wurden. Der Zuschauerraum war stets voll, der Andrang groß, die Stimmung erwartungsfroh.
In Baden-Baden hatte die öffentlich tagende Jury unter den zwölf Werken einen einzigen Preisträger zu ermitteln. Man schaute gemeinsam einen Film, danach diskutierte die Jury. Sie sei hier kurz vorgestellt: Vorsitzende war Fernsehkritikerin Klaudia Wick, die ihren Überblick, ihre Programmkenntnis, ihre Fähigkeit, die Kollegen zu Stellungnahmen zu ermuntern und selbst differenziert zu urteilen, schon oft unter Beweis gestellt hat. Bei ihr auf dem Podium saßen Anja Dihrberg, Casting-Spezialistin aus Berlin, Hans Jürgen Drescher vom Suhrkamp Verlag, Abteilung Theater und Medien, Frankfurt, Hendrik Handloegten, Regisseur aus Berlin, Schauspielerin Eva Mattes, ebenfalls aus Berlin und der Übersetzer und „Pooh’s Corner“-Autor Harry Rowohlt aus Hamburg.
Die schwierige Aufgabe der Jurymitglieder bestand darin, nach jeder Sichtung ein wohlbegründetes Urteil aus dem Ärmel zu schütteln, sich kurz zu fassen und doch starke Gründe darzulegen, das Publikum und vielleicht auch die Kollegen zu überzeugen und dabei noch Pointen zu setzen. Diese ganze Kür war (und ist immer in Baden-Baden) deshalb so heikel, weil die Macher in der Regel anwesend sind und sich auch selbst äußern sollen, zuvor aber Lob und Tadel „von oben“ über sich haben ergehen lassen müssen.
Generell jedoch gilt, was die Vorsitzende Klaudia Wick der Berichterstatterin zu Protokoll gegeben hat: „Da hat ein Team ein Jahr oder länger gearbeitet, um so einen Film zustande zu bringen. Und der Respekt vor dieser Arbeit muss immer die Grundlage der Beurteilung bleiben.“
Der erste Tag begann mit „Ihr könnt euch niemals
sicher sein“ (ARD/WDR), ein Film, der das Thema Schule und Amoklauf aufgreift. Allerdings bleibt es beim bloßen Verdacht, dass in Rapper Oliver, der durch schräge, scheinbar gewaltaffine Texte auffällt, ein solcher Täter stecken könne. Die Psychiatrie soll Klarheit schaffen, führt aber nur zur (später) unheilvollen Begegnung des Jungen mit einer suizidalen Patientin. Der traurige Film, in dem fast alles, was schiefgehen kann, auch schiefgeht und Oliver am Schluss einer ungewissen Zukunft entgegenstiefelt, war so gut gemacht und brillant gespielt und so aufregend und aufrichtig erzählt, dass sich die Jury geschlossen begeistert zeigte. Kaum war das Festival gestartet, hatte es schon seinen Favoriten.
In Baden-Baden hatte die öffentlich tagende Jury unter den zwölf Werken einen einzigen Preisträger zu ermitteln. Man schaute gemeinsam einen Film, danach diskutierte die Jury. Sie sei hier kurz vorgestellt: Vorsitzende war Fernsehkritikerin Klaudia Wick, die ihren Überblick, ihre Programmkenntnis, ihre Fähigkeit, die Kollegen zu Stellungnahmen zu ermuntern und selbst differenziert zu urteilen, schon oft unter Beweis gestellt hat. Bei ihr auf dem Podium saßen Anja Dihrberg, Casting-Spezialistin aus Berlin, Hans Jürgen Drescher vom Suhrkamp Verlag, Abteilung Theater und Medien, Frankfurt, Hendrik Handloegten, Regisseur aus Berlin, Schauspielerin Eva Mattes, ebenfalls aus Berlin und der Übersetzer und „Pooh’s Corner“-Autor Harry Rowohlt aus Hamburg.
Die schwierige Aufgabe der Jurymitglieder bestand darin, nach jeder Sichtung ein wohlbegründetes Urteil aus dem Ärmel zu schütteln, sich kurz zu fassen und doch starke Gründe darzulegen, das Publikum und vielleicht auch die Kollegen zu überzeugen und dabei noch Pointen zu setzen. Diese ganze Kür war (und ist immer in Baden-Baden) deshalb so heikel, weil die Macher in der Regel anwesend sind und sich auch selbst äußern sollen, zuvor aber Lob und Tadel „von oben“ über sich haben ergehen lassen müssen.
Generell jedoch gilt, was die Vorsitzende Klaudia Wick der Berichterstatterin zu Protokoll gegeben hat: „Da hat ein Team ein Jahr oder länger gearbeitet, um so einen Film zustande zu bringen. Und der Respekt vor dieser Arbeit muss immer die Grundlage der Beurteilung bleiben.“
Der erste Tag begann mit „Ihr könnt euch niemals
sicher sein“ (ARD/WDR), ein Film, der das Thema Schule und Amoklauf aufgreift. Allerdings bleibt es beim bloßen Verdacht, dass in Rapper Oliver, der durch schräge, scheinbar gewaltaffine Texte auffällt, ein solcher Täter stecken könne. Die Psychiatrie soll Klarheit schaffen, führt aber nur zur (später) unheilvollen Begegnung des Jungen mit einer suizidalen Patientin. Der traurige Film, in dem fast alles, was schiefgehen kann, auch schiefgeht und Oliver am Schluss einer ungewissen Zukunft entgegenstiefelt, war so gut gemacht und brillant gespielt und so aufregend und aufrichtig erzählt, dass sich die Jury geschlossen begeistert zeigte. Kaum war das Festival gestartet, hatte es schon seinen Favoriten.
Die Handlung wirkt konstruiert, die Dialoge gestelzt und die Botschaft kommt mit dem Holzhammer daher: Lerne deine Kinder und Schüler kennen!
Ein Sohn wirft seiner Mutter vor, dass sie in letzter Zeit nicht rausgekommen sei aus ihren vier Wänden, seine Vorwürfe gipfeln in den Worten: „Hast du mal ein Buch gelesen? Oder eine vernünftige Zeitung? Nein! Du bist ungebildet und dumm!“ Wie reagiert man da? In dem man sich einen derartigen Ton verbietet? Die von Corinna Harfouch gespielte Mutter macht es anders. Sie reagiert in einer überraschenden Weise, wie man es im deutschen Fernsehen nicht oft sieht, aber gerne öfter sehen würde, weil man tatsächlich einmal den Eindruck hat, dass man sich, wie man so sagt, durchaus eine Scheibe abschneiden könnte von einem derart modernen und selbstbestimmten Verhalten.
Manchmal entpuppt sich ein ganz normaler Samstagabendkrimi als ungewöhnlich fesselnder Film. „Verkauft und verraten“, die neue Folge der ZDF-Krimireihe „Das Duo“ erzählt eine unvorhersehbare Geschichte (Buch: Eva und Volker A. Zahn) über den Lübecker Hotelier Mundorf, der in Finanznöte geschlittert ist, sein Haus verkaufen muss und nach einigem Pokern das hohe Angebot des der rechten Szene zugehörigen Berliner Verlegers Dreesen anzunehmen entschlossen ist. Ein Entschluss, der für lauten Protest in Lübeck sorgt und darüber hinaus Mundorfs eigene Familie spaltet.
Auf dem Weg zur Unterzeichnung des Kaufvertrags wird der Hotelier ermordet, und der Krimi entwickelt sich zu einer Studie seiner Frau Anna Mundorf, die noch ganz unter dem Eindruck des wenige Tage zurückliegenden Todes ihrer schwerekrank und Pflegefall gewesenen Tochter steht. Sie weint nicht und schreit nicht, sie wirkt somnambul und kann mit einer Schusswaffe Herrin der Situation werden – Corinna Harfouch verkörpert die wesentlich tragische Figur außerordentlich und eindrucksvoll. Sie scheint im Lauf der Geschichte aufzuwachen, allerdings so, dass man am Ende unsicher ist, ob nun sie sich entwickelt hat, oder ob alles absichtlich so inszeniert war, dass man eben nicht schon auf den ersten Blick alles begreifen sollte.
Manchmal entpuppt sich ein ganz normaler Samstagabendkrimi als ungewöhnlich fesselnder Film. „Verkauft und verraten“, die neue Folge der ZDF-Krimireihe „Das Duo“ erzählt eine unvorhersehbare Geschichte (Buch: Eva und Volker A. Zahn) über den Lübecker Hotelier Mundorf, der in Finanznöte geschlittert ist, sein Haus verkaufen muss und nach einigem Pokern das hohe Angebot des der rechten Szene zugehörigen Berliner Verlegers Dreesen anzunehmen entschlossen ist. Ein Entschluss, der für lauten Protest in Lübeck sorgt und darüber hinaus Mundorfs eigene Familie spaltet.
Auf dem Weg zur Unterzeichnung des Kaufvertrags wird der Hotelier ermordet, und der Krimi entwickelt sich zu einer Studie seiner Frau Anna Mundorf, die noch ganz unter dem Eindruck des wenige Tage zurückliegenden Todes ihrer schwerekrank und Pflegefall gewesenen Tochter steht. Sie weint nicht und schreit nicht, sie wirkt somnambul und kann mit einer Schusswaffe Herrin der Situation werden – Corinna Harfouch verkörpert die wesentlich tragische Figur außerordentlich und eindrucksvoll. Sie scheint im Lauf der Geschichte aufzuwachen, allerdings so, dass man am Ende unsicher ist, ob nun sie sich entwickelt hat, oder ob alles absichtlich so inszeniert war, dass man eben nicht schon auf den ersten Blick alles begreifen sollte.
Der Fall ist hart an der Realität entlang gestrickt: Ein insolventes Hotel vom Stil moderner Schlichtbau muss verkauft werden. Der Besitzer verhandelt mit einem Rechtsaußenanwalt, aus dem Objekt soll ein Schulungszentrum für Neonazis werden.
Doch hier enden die Parallelen mit Delmenhorst: Wir sind in Lübeck, die Ermittlerinnen heißen Marion Ahrens und Clara Hertz, und der Hotelier liegt plötzlich erschossen neben dem pfändungsbedrohten Porsche in der Tiefgarage. Was sich dann entfaltet, ist ein Familienbild - so faszinierend wie bedrückend: Die Mutter, die sich zuletzt nur um die an einer seltenen Krankheit leidende Tochter kümmern konnte. Die beiden anderen Kinder, Antipoden in der politischen Auseinandersetzung um den Hotelverkauf - er pseudo-rechts, sie - kaum glaubwürdiger - Antifa. Und über allem der tote Vater, der ein liebevoll verbohrter Hallodri war. Corinna Harfouch als Mutter dominiert ihn mit einer atemberaubenden Brillanz.
Doch hier enden die Parallelen mit Delmenhorst: Wir sind in Lübeck, die Ermittlerinnen heißen Marion Ahrens und Clara Hertz, und der Hotelier liegt plötzlich erschossen neben dem pfändungsbedrohten Porsche in der Tiefgarage. Was sich dann entfaltet, ist ein Familienbild - so faszinierend wie bedrückend: Die Mutter, die sich zuletzt nur um die an einer seltenen Krankheit leidende Tochter kümmern konnte. Die beiden anderen Kinder, Antipoden in der politischen Auseinandersetzung um den Hotelverkauf - er pseudo-rechts, sie - kaum glaubwürdiger - Antifa. Und über allem der tote Vater, der ein liebevoll verbohrter Hallodri war. Corinna Harfouch als Mutter dominiert ihn mit einer atemberaubenden Brillanz.
Eine geschickt konstruierte Geschichte mit überraschenden Wendungen und sehenswertem Titelduo.
2006 sorgte der geplante Verkauf eines Hotels in Delmenhorst bundesweit für Schlagzeilen, weil es von Rechtsradikalen in ein Schulungszentrum umgewandelt werden sollte. Dieser Skandal könnte eine der Inspirationsquellen des Autorenduos Eva Zahn und Volker A. Zahn bei dem Drehbuch zu "Das Duo - Verkauft und verraten" gewesen sein: der Hotelier Kaspar Mundorf wird ermordet. Dass er sein Hotel an Rechtsextreme verkaufen wollte, ist das schlagende Motiv für den Mord. Die Kommissarinnen Marion Ahrens (Charlotte Schwab) und Clara Hertz (Lisa Martinek) ermitteln dennoch in verschiedene Richtungen und stoßen nicht nur auf einen Erpressungsfall, sondern auch auf eine schicksalhafte Familiengeschichte, in deren Zentrum die Hoteliersgattin Anna (Corinna Harfouch) steht.
„Das Duo“ setzt weniger auf Spannung, als auf das intensive Entblättern des Falles. Dabei ist Corinna Harfouch die zentrale Figur. Wie sie nach dem Tod ihrer lange erkrankten Tochter und ihres Mannes aus einem Schock aufzuwachen scheint, erstmals wieder ihre anderen Kinder und deren Probleme wahrnimmt und sich dünnhäutig, aber entschlossen dem Schicksal stellt, ist wirklich sehenswert.
„Das Duo“ setzt weniger auf Spannung, als auf das intensive Entblättern des Falles. Dabei ist Corinna Harfouch die zentrale Figur. Wie sie nach dem Tod ihrer lange erkrankten Tochter und ihres Mannes aus einem Schock aufzuwachen scheint, erstmals wieder ihre anderen Kinder und deren Probleme wahrnimmt und sich dünnhäutig, aber entschlossen dem Schicksal stellt, ist wirklich sehenswert.
Stark!
Rechtsextremismus ist oft eine schleichende Gefahr, und so wird sie hier auch dargestellt: leise, kaum Parolen, ohne Klischees. Neben den starken Ermittlerinnen überzeugt vor allem die großartige Corinna Harfouch.
Dramatik, Tragik und tolle Darsteller. Eine Geschichte, die unter die Haut geht.
Ein Film, von Opfer bis Täter auf hohe Schauspielkunst eingestellt. Lebendig und selbst als Leiche jagt die bloße Erscheinung von Peter Fitz in der Rolle eines zwielichtigen katholischen Pfarrers Angst ein. Seine Haushälterin (Monica Bleibtreu) führt zärtlich und stolz das Drama der unerfüllten Liebe vor, das Ermittlerteam (Hannelore Hoger, Devid Striesow) trifft die richtige Mischung aus Genervtheit und Professionalität. Bei Sylvester Groth und Jürgen Tonkel sind menschliche Abgründe wie Alkoholismus und Raffgier in den besten Händen. Besseres als hier lässt sich aus der Institution deutscher Fernsehkrimi kaum machen.
Alles ist hochrangig an diesem Krimi. Der Regisseur Hans Steinbichler, das versierte Autoren-Duo Eva und Volker Zahn, die Kamera von Bella Halben, Gast-Schauspieler wie Monica Bleibtreu und Sylvester Groth und im Mittelpunkt immer wieder Hannelore Hoger als Bella Block. Es war wohl ein kleines Experiment. Wie viel Kino verträgt das Fernsehen? Wie viel Kunstfilm verträgt der Krimi? Ein interessanter Balance-Akt, der sich manchmal bedenklich zu der einen oder anderen Seite neigte, um sich dann doch wieder ins Gleichgewicht zu begeben.
Ungewöhnlich an diesem Fernsehfilm ist vor allem die unversöhnliche Kirchenfeindlichkeit, die sich explizit gegen die Katholiken richtet. Bella Block ergeht sich mehrfach in einer derart geharnischten Klerikalkritik, dass dies mit kriminalistischer Strategie kaum noch zu rechtfertigen ist. Gleichzeitig muss sie selber aber auch viele Anfeindungen einstecken, so dass die Figur fast demontiert wird. Tatsächlich sind ihre Selbstgerechtigkeit und ihr Rigorismus diesmal stellenweise fast unerträglich. Andererseits ist ihre Moral der Fels in der Brandung.
Die unstete Bildgestaltung von Bella Halben verdeutlicht den Zustand der Figuren: Die agile Kamera ist immer in Bewegung und fast schon sezierend nah an den Personen. Ungewöhnlich extreme Perspektiven etwa aus der Draufsicht sorgen wiederum für beobachtende Distanz, so dass die Geschichte (Eva und Volker A. Zahn, erst kürzlich mit einem ausgezeichneten Drehbuch für die erste "Duo"-Ausgabe mit Lisa Martinek) mitunter fast schon die Züge eines beobachtenden Experiments trägt.
Die unstete Bildgestaltung von Bella Halben verdeutlicht den Zustand der Figuren: Die agile Kamera ist immer in Bewegung und fast schon sezierend nah an den Personen. Ungewöhnlich extreme Perspektiven etwa aus der Draufsicht sorgen wiederum für beobachtende Distanz, so dass die Geschichte (Eva und Volker A. Zahn, erst kürzlich mit einem ausgezeichneten Drehbuch für die erste "Duo"-Ausgabe mit Lisa Martinek) mitunter fast schon die Züge eines beobachtenden Experiments trägt.
Der Stoff hat einen realen Hintergrund: In den frühen Jahren der Bundesrepublik und bis in die Siebziger hinein war die große Mehrheit der Erziehungsheime in Deutschland in konfessioneller Hand. Um als „verwahrlost” oder „gefallen” zu gelten und in eine solche Institution zu geraten, reichte es in jenen Jahren oft, Kind einer allein erziehenden Mutter zu sein. Ohrfeigen waren dort nicht selten noch eine milde Form der Bestrafung. Die „schwarze Pädagogik” der unbarmherzigen Brüder und Schwestern sah auch schon mal vor, dass Kinder ihr Erbrochenes aufessen, auf scharfen Kanten knien oder harte Arbeit verrichten mussten. (...)
Das intelligente Filmskript des bewährten Duos Eva und Volker A. Zahn verpackt die Geschichte in einen klassischen Whodunnit-Plot: Da ist - neben der durch ihre Vertuschungsaktion verdächtigen Haushälterin - noch der alkoholkranke Gärtner (Jürgen Tonkel) des Heims, der damals zu den Misshandelten zählte und offensichtlich schwere psychische Probleme hat, aber nicht reden will. Und da ist der aktuelle Anstaltsleiter Dr. Jacob Groth (Sylvester Groth), ein smarter Gutmensch, der die "Erziehungsmaßnahmen" des Ermordeten verteidigt, selbst in zahlreichen Ehrenämtern aufgeht und sich an der Aufklärung des Falles sehr interessiert zeigt.
Zusammen mit dem durchweg exzellenten Ensemble gelingt es dem eigenwilligen Regie-Talent Hans Steinbichler („Hierankl”), derzeit mit „Winterreise” im Kino, in seiner ersten Fernseharbeit, daraus einen spannenden, düsteren Kriminalfilm zu machen. Er schafft es, sowohl die Kontinuität der seit 1994 auf Basis der Romanheldin von Doris Gercke existierenden Fernsehreihe in qualitativer Hinsicht zu wahren, als auch der Figur Bella in ihrem 21. Fall ein paar neue Facetten hinzuzufügen. (...)
Die Kirchenkritik steht Bella gut; das lange verdrängte Thema der traumatisierten Heimkinder verdient es, seriös aufgegriffen zu werden - zumal sich die Kirche mit der Anerkennung ihrer Schuld (oder gar einer Entschuldigung bei den Opfern) bis heute schwer tut. Dass Bella Block in „Mord unterm Kreuz” selbst permanente Höllenschmerzen durchleidet, passt da genauso zur düsteren Atmosphäre wie die gereizte Professionalität, mit der sie ihrem Assistenten begegnet, und die Schwergängigkeit der Ermittlungen. „Sie kommen zu spät”, sagt einmal ein Opfer zu der Kommissarin. „Das ist mein Schicksal”, antwortet ihm trocken Bella Block. „Aber jetzt bin ich hier und höre ihnen zu.”
Am Ende bespricht sie mit Simon auf der Straße tänzelnd die Aufteilung und Einrichtung ihrer neuen gemeinsamen Wohnung. Das allerdings ist allenfalls eine milde Schlusspointe. Am düsteren Gesamteindruck dieser starken Folge ändert es nichts.
Das intelligente Filmskript des bewährten Duos Eva und Volker A. Zahn verpackt die Geschichte in einen klassischen Whodunnit-Plot: Da ist - neben der durch ihre Vertuschungsaktion verdächtigen Haushälterin - noch der alkoholkranke Gärtner (Jürgen Tonkel) des Heims, der damals zu den Misshandelten zählte und offensichtlich schwere psychische Probleme hat, aber nicht reden will. Und da ist der aktuelle Anstaltsleiter Dr. Jacob Groth (Sylvester Groth), ein smarter Gutmensch, der die "Erziehungsmaßnahmen" des Ermordeten verteidigt, selbst in zahlreichen Ehrenämtern aufgeht und sich an der Aufklärung des Falles sehr interessiert zeigt.
Zusammen mit dem durchweg exzellenten Ensemble gelingt es dem eigenwilligen Regie-Talent Hans Steinbichler („Hierankl”), derzeit mit „Winterreise” im Kino, in seiner ersten Fernseharbeit, daraus einen spannenden, düsteren Kriminalfilm zu machen. Er schafft es, sowohl die Kontinuität der seit 1994 auf Basis der Romanheldin von Doris Gercke existierenden Fernsehreihe in qualitativer Hinsicht zu wahren, als auch der Figur Bella in ihrem 21. Fall ein paar neue Facetten hinzuzufügen. (...)
Die Kirchenkritik steht Bella gut; das lange verdrängte Thema der traumatisierten Heimkinder verdient es, seriös aufgegriffen zu werden - zumal sich die Kirche mit der Anerkennung ihrer Schuld (oder gar einer Entschuldigung bei den Opfern) bis heute schwer tut. Dass Bella Block in „Mord unterm Kreuz” selbst permanente Höllenschmerzen durchleidet, passt da genauso zur düsteren Atmosphäre wie die gereizte Professionalität, mit der sie ihrem Assistenten begegnet, und die Schwergängigkeit der Ermittlungen. „Sie kommen zu spät”, sagt einmal ein Opfer zu der Kommissarin. „Das ist mein Schicksal”, antwortet ihm trocken Bella Block. „Aber jetzt bin ich hier und höre ihnen zu.”
Am Ende bespricht sie mit Simon auf der Straße tänzelnd die Aufteilung und Einrichtung ihrer neuen gemeinsamen Wohnung. Das allerdings ist allenfalls eine milde Schlusspointe. Am düsteren Gesamteindruck dieser starken Folge ändert es nichts.
Die Bella Block-Fälle heben sich meist wohltuend vom TV-Durchschnitt ab - so auch in diesem Fall: Ein bis in die Nebenrollen großartig besetzter, ebenso spannender wie dramatischer Ausnahmekrimi. Intensiv und fesselnd.
Das war mehr ein Psychodrama um kaputte Seelen, Schuld und tödliche Sühne als ein genormter Kriminalfall.(...) Ein athmosphärisch dicht gesponnenes Netz aus Schweigen, zerstörten Leben und Biedermännern. Bella Blocks Blick wird mürrischer und mürrischer.
Trotz ihrer quälenden Rückenschmerzen war Bella Block beziehungsweise Hannelore Hoger wieder einmal in Höchstform: grantig (wegen der Schmerzen) zum Kollegen, dickköpfig und eigenwillig ihrem Lebenspartner gegenüber, unerbittlich und wütend bei den Ermittlungen, die Kindesmisshandlungen im Namen der katholischen Kirche ans Tageslicht brachten, einsichtig, reuevoll und vorsichtig liebevoll am Ende. Eben eine Frau mit Ecken und Kanten, herzlich, aber mit Biss. Der Fall des ermordeten Pastors (Buch: Eva und Volker A. Zahn) führte konsequent und geradlinig in die Vergangenheit zurück, decouvrierte Lebenslügen und verdrängte Gefühle ohne psychologische Überfrachtung. Mit aussagekräftigen Großaufnahmen, oft von Gesichtern oder Händen, und ungewöhnlichen Perspektiven untermalte Regisseur Hans Steinbichler die bedrückende Atmosphäre. Eindrucksvoll.
Eine harte, kraftvolle Abrechung mit fanatischer religiöser Kälte.
Die solide Inszenierung von Hans Steinbichler nach dem Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn konnte sich sehen lassen. Dank der Wechselwirkung zwischen Autoren/Regie und Schauspielern, die bestens funktionierte. Jeder Darsteller kannte die Qualität der Vorlage und sorgte mit seinem Können für den Erfolg. (...) Es erfordert Mut, die katholische Kirche zu kritisieren. Schließlich sind wir Papst. Großes Lob an alle Beteiligten.
Ein Bravourstück.
Nach elf Fällen in vier Jahren machte sich Ann-Kathrin Kramer aus dem Staub. In Lisa Martinek fand man mehr als nur einen Ersatz. Die 34-jährige kühle Blonde spielt die neue Kollegin Clara Hertz mit viel Charisma. Gut auch, dass Eva und Volker A. Zahn, Edelfedern unter den TV-Krimiautoren, die Figur weniger harmonietrunken anlegten als die der Vorgängerin. Dazu ein mitreißender Mordfall und eine großartige zwölfminütige Verhörszene: Das macht Appetit auf mehr.
Ein ausgezeichneter Krimi.
Spannend, vergnüglich, überraschend - Lisa Martineks Debüt als Kommissarin ist rundum gelungen, die Chemie zwischen ihr und Charlotte Schwab stimmt. Auf dem Höhepunkt des Films liefern sich die Powerfrauen mit dem Hauptverdächtigen ein derart raffiniertes Psychoduell, dass so mancher US-Polizei-Thriller dagegen alt aussieht.
Absolut sehenswert.
Die Neue am Lübecker Tatort kann sich sehen lassen. Mit neuer Frische und Szenen wie dem Verhörmarathon und dem Kleinbürger-Showdown wird „Das Duo“ vielleicht künftig noch mehr zu seinem Stil finden: eine Krimireihe aus der Normalität des Alltags und ungekünstelt wie seine Protagonisten.
Es gelang das kleine Kunststück, die neue Kommissarin gut einzuführen und dabei eine spannende Geschichte zu erzählen, die nie langweilig wurde.
Was „Ein starkes Team” da erzählte, war ein bürgerliches Familiendrama, dem der Krimimantel übergezogen wurde. Nie laut, immer dezent, aber so drückend, dass bisweilen die Luft zu schneiden war. Bilder einer kaputten Familie. Szenen aus einer Zeit kurz vorm Untergang. Da war es eine Freude zuzusehen.
Ein starkes Team für ein starkes Familiendrama: Wie die beiden Berliner Schnüffelnasen Otto und Verena die Firma und die Privatvilla einer Supermarkt-Machtsippe umkreisen, weil ein cyanid-vergifteter Joghurt eine Kundin das Leben gekostet hat, das hat den urigen Knackbiss schlauer Kneipenkenner. Eine spannende Katastrophe von Vater-Macht, Dünkel und skrupelloser Bürger-Tünche.
Erneut ging dem bewährten TV-Autoren-Paar Eva und Volker A. Zahn mit dem Fall „Sippenhaft” ein spannender Krimi von der Hand, der vor einem gesellschaftlich relevanten Hintergrund doch nur wieder dahin führt, wo es ja so oft endet: in den menschlchen Abgrund.
Die stringent erzählte Geschichte trägt nahezu klassische Züge. Beste Krimiunterhaltung also.
Krimi der Erfolgsautoren Eva und Volker A. Zahn: Spannend inszenierter Untergang einer Fabrikantenfamilie mit traurigem Schluss. Nebenbei bereiten die kleinen Geschichten um Sputnik – gespielt von Jaecki Schwarz – wieder großes Vergnügen.
Im Vordergrund der Handlung steht nicht der Kriminalfall, sondern die menschlichen Abgründe, die im Verlauf der Story in der Famiie Bosbach auftreten. Das macht „Sippenhaft” zu einem spannungsgeladenen und interessanten Drama. Die Charaktere sind einzigartig und tiefgründig. Das Drehbuch überzeugt durchwegs, die Dialoge werden nie langweilig. All dies macht „Ein starkes Team – Sippenhaft” zu einer der besten deutschen TV-Produktionen der letzten Jahre.
Die Geschichte um ein verkanntes Aschenputtel, das sich in eine erfolgreiche Prinzessin verwandelt, ist schon oft verfilmt worden. „Plötzlich berühmt“ schien in dieselbe Schublade zu passen: Abgebrühter Musikproduzent, der junge Menschen nur als „Produkt“ betrachtet, wollte aus dem völlig unbegabten Mädchen Cindy einen Pop-Star machen – einer Wette wegen, in der es um seine Existenz ging. Ein bonbonbuntes Kitsch-Märchen vor dem Hintergrund jener ebenso unzähligen wie unsäglichen Casting- und Popstar-Shows? Eben nicht, sondern ein munterer kleiner und gar nicht mal so unkritischer Film, über eine junge Frau, die letztlich genau wusste, was sie kann und wohin sie will.
Dieser Film ist witziger als jede Casting-Show.
Peinliche Musikshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ und „Popstar“ provozieren per se schon eine Persiflage. So trat auch die Komödie „Plötzlich berühmt“ den entsprechenden Akteuren wie etwa Musikproduzent Dieter Bohlen kräftig auf die betuchten Füße. Mit viel Witz und Sinn für Details mimten Zoe Weiland das unbedarfte Pop-Sternchen und Stefan Jürgens den egozentrischen Musik-Mogul mit Star-Allüren. Sie lieferten sich einen abgedrehten und amüsanten Schlagabtausch. Aber nicht nur die Akteure belebten die Charaktere durch jede Menge Realitätsnähe und Ironie. Auch die ansprechende Machart des Films gefiel. Ein poppiges Musikbett rundete die gelungene Fernsehunterhaltung ab.
Zwar karikiert „Plötzlich berühmt“ die absurden Mechanismen des prominent Werdens, doch als Cindy wirklich Singen lernt, entlädt sich die Kritik in Versöhnlichkeit. Was als Farce angelegt ist, gerät zum Melodram. Dabei besitzt Cindys Geschichte durchaus eine zweite Ebene: Schließlich erzählt der Film nicht nur die Geschichte eines Popstars, sondern auch die der Sozialisation auf dem Arbeitsmarkt. Wer hineinkommt, wird geschmiedet, gebogen und getriezt. Wie gut er die Rolle als menschliches Produkt spielt, ist nicht so wichtig. Austauschbar ist jeder. Denn die Maschinerie des Marktes spuckt morgen schon den nächsten aus. Wie einen Popstar.
Sympathisch gespielt und hübsch arrangiert – weit über Genre-Qualität.
Der Teenie-Traum, ein Pop-Star zu werden, wird hier kräftig gegen den Strich gebürstet. Das gelingt trotz unüberhörbarer kritischer Untertöne auf unterhaltsame Weise – vor allem dank wunderbar plastischer Figuren.
Die Zutaten dieser Komödie: Bezaubernde Darsteller, subtiler Humor und böse Seitenhiebe auf all jene unsäglichen Retorten-Stars in den deutschen Hitparaden. (…) Wenn Cindy trainiert, dabei Rythmus und Takt vollkommen ignoriert, entspinnt sich aus ihrer Hilflosigkeit immer eine leise Komik. Und wenn sie in der kitschigen Mietwohnung in Köln-Chorweiler mit ihrer exaltierten Mutter und der süßen 1. FC Köln-fanatischen Schwester Louise vor der Glotze sitzt, betreibt „Plötzlich berühmt” Sozialstudien mit Augenzwinkern. Eine herrliche Komödie, der auch das kitschige Ende nichts an Reiz nimmt.
Hinter dem Täterrätsel tritt eine Gesellschaftsstudie hervor, in dem die psychoökonomische Gemengelage im Kiez aufgeschlüsselt wird. Zahnersatz und Taubendreck, verwahrlostes Hauseigentum und Ausbildungsplatzmisere sind nur einige von vielen miteinander verzahnten Faktoren dieses aufklärerischen Werks (Buch: Eva Zahn und Volker A. Zahn, Regie: Peter F. Bringmann).
Seit elf Jahren läuft „Ein starkes Team“ nun schon, heute bereits die 29. Folge. Im Gegensatz zu schickeren ZDF-Samstagskrimis schlägt die Serie, die den rustikalen Charme einer Eckkneipe versprüht, in der Schultheiss ausgeschenkt wird, kaum Wellen. Die beiden Hauptakteure Maja Maranow und Florian Martens spielen ihre Rollen so, wie Stammgäste am Tresen hocken: Hier ist unser Platz, hier kriegt uns keiner weg. Doch in der Sicherheit mehr als solider Quoten hat man jetzt eben auch zu einem schlüssigen Konzept gefunden. So ist „Lebende Ziele“ zu einem Lehrstück über Solidarität und Sozialneid in Reformdeutschland geraten.
Spritzige Dialoge, leise Zwischentöne, authentische Figuren.
Ursprünglich als Krimikomödie entworfen, gehört „Ein starkes Team“ nun schon seit elf Jahren zum festen Ensemble des Samstagskrimis im ZDF. „Lebende Ziele“ ist bereits der 29. Fall des gemischten Doppels, das nach wie vor keinerlei Abnutzungserscheinungen aufweist. Das dürfte auch an der Sparsamkeit liegen, mit der das ZDF das gerade auch bei jüngeren Zuschauern enorm beliebte Duo ermitteln lässt: Fast ein Jahr lang musste man auf einen neuen Fall warten. Natürlich war der jüngste Film bei dem Krimi-Routinier Peter F. Bringmann in besten Händen, doch hatte er auch eine gute Vorlage: Die Geschichte von Eva Zahn und Volker A. Zahn wimmelt nur so von reizvollen Figuren und kleinen Ereignissen am Rande, die mit der eigentlichen Handlung kaum etwas zu tun haben.
Begeistert mit lockeren Sprüchen und charmanten Scharmützeln.
Der Paukboden einer Berliner Burschenschaft ist in diesem Krimi (Buch: Eva und Volker Zahn, Regie: Johannes Grieser) mehr als nur die Stätte gestriger blutiger Rituale. Das Ermittlerteam (unter anderen Maja Maranow, Florian Martens, Leonard Lansink) bekommt heraus, dass dort ein Verbindungsmitglied heimtückisch erstochen wurde. Den Autoren und dem Regisseur ist mehr gelungen, als die Klärung eines Mordfalls zu zeigen. Sie führen in der Figur des Ermittlers Otto (Martens) den proletarischen Hass eines im Ost-Berliner Viertel Marzahn Aufgewachsenen gegen reaktionäre Wessis vor. Instinktiv ergreift der Kommissar die Partei eines Hochverdächtigen aus dem Osten (Richard Kropf), der als „Leibfuchs“ von West-Burschenschaftlern geknechtet wird.
Natürlich hat die Herausforderung, den 25. Jubiläumsfall zu einem besonderen zu machen, das starke Team beflügelt. Der Mord an einem Burschenschafter spült nicht nur zwischen Otto und Verena alte Berührungsängste hoch, er birgt auch ansonsten sozialen Sprengstoff genug, um Spannung und Niveau hochzuhalten. Ein raffiniertes und hoch emotionales Puzzle.
Diese Folge von „Ein starkes Team“ war wie aus dem Krimi-Lehrbuch. Ein erstklassiges Thema, ein durchgängiger Spannungsbogen und tolle Schauspieler – bleibt nur die Frage, ob das „starke Team“ dieses hohe Niveau auch in den nächsten Folgen halten kann.
Kompliment! Maja Maranow und Florian Martens bewährten sich auch im 25. Fall. Dank eines geschickt polarisierenden Drehbuchs lief die Geschichte fast wie von selbst.
Eine glaubwürdige Milieustudie, verpackt in einen spannenden TV-Krimi, der dem Jubiläum alle Ehre machte
Die Autoren Eva und Volker A. Zahn erzählen aber weitaus mehr als die Aufklärungsgeschichte eines heimtückischen Mordes. Wie in einem guten Krimi, feinfühlig arrangiert von Regisseur Johannes Grieser, wird der Paukboden der Berliner Burschenschaft zum Medium für soziale Reflexionen. Hinzu kommt die durchgängig gelungene vVerbindung von Spannung und Humor.
Die markante ZDF-Reihe „Ein starkes Team“ glänzte im Krimi „Kinderträume“ mit differenzierten Erfahrungen zum Thema Adoptions-Vermittlung: Otto und Verena (Florian Martens und Maja Maranow), wie immer mit kühlem Witz und schneller Berliner Frech-Schnauze, fuhrwerkten sich grimmig an allen Vorurteilen über Babyverkauf und Geschäftemacherei mit Elternwahn vorbei und entdeckten mehrere „Wahrheiten“ hinter der Wahrheit. Ein spannendes Fahnderstück für zwei originelle Kripo-Stacheltiere.
Ein Highlight aus der Reihe um die sympathischen Berliner Ermittler.
„Es gibt immer mindestens zwei Wahrheiten“, meint Kindervermittlerin Maria Geller in dieser Folge der Reihe. Die Autoren Eva und Volker A. Zahn sind übertrieben bemüht,diese Erkenntnis zu vermitteln. Ein gut gespielter Krimi, der zu sehr auf Moral und Freaks setzt.
In den alten Zeiten, liebe jüngere Leser, wo in der Liebe fast nichts geholfen hat, erschien eines Tages ein „Liebeslehrer der Nation“. Der hieß Oswalt Kolle, schrieb Drehbücher, und seine Filme sahen über 50 Millionen Zuschauer. Dieser Kolle lehrte, was in jener „ längst vergangenen? “ Zeit nicht alle wussten: dass Homosexuelle nicht des Teufels sind, dass zur Liebe Zärtlichkeit gehört, dass der Mann beim Geschlechtsverkehr nicht zu schnell fertig werden soll und dass Eifersucht eigentlich lächerlich ist. Wer diese Kinoweisheiten begriff, der hätte keine Probleme mehr mit der Liebe, waren sich die Aufklärer sicher und überlieferten dieses schöne wie schlichte Märchen. Wie kann man es heute nacherzählen, ohne einerseits die historische Leistung Kolles zu unterschätzen und andererseits sich nicht über die Naivität seiner Liebesrezepte lustig zu machen? Die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn entscheiden sich in diesem überdurchschnittlichen Film für das Private. (…) Zu Recht verzichtet das Buch auf die Ausbreitung politischer Aspekte. So spannenden sind die 68er Phrasen über Sex heute nicht mehr.
Der Titel versprach Schreckliches, ein Melodram oder ein Heldenepos. Doch es wurde ein schöner, leichter, witziger und politischer Film
Ein gelungener Film, ein außerordentliches Fernsehvergnügen!
Das war ein schöner, ein liebevoll ausgestatteter, ein zärtlich inszenierter, ein kurzweiliger, ein lehrreicher, ein lustiger, ein nachdenklich stimmender Film. Geht mehr?
Dem Autorenehepaar Zahn ist gemeinsam mit Regisseurin Susanne Zanke ein markantes Zeit- und Sittengebilde gelungen. Das Team ist nicht der Versuchung erlegen, das sicherlich illustre Leben des heute 73 Jahre alten Oswalt Kolle anekdotenhaft zu verfilmen. Vielmehr ist es ihm gelungen, Privates und Politisches dramatisch miteinander zu verbinden.
Regisseurin Susanne Zanke gelang ein prickelndes Zeitportrait aus Jahren, die uns umso ferner scheinen, je intensiver wir sie selbst noch erlebt haben, und das Autorenpaar Eva und Volker A. Zahn meisterte die schwierige Aufgabe, im Ausschnitt weniger Monate die ganze Kolle-Problematik, beruflich wie privat, einzufangen, ohne platte Schulfunk-Anschaulichkeit.
Welche Folgen eine solche Fiktionalisierung für die visuelle Erinnerungsarbeit des Fernsehens hat, zeigt der Film über Oswalt Kolle nun in exemplarischer Deutlichkeit: Die Geschichte verformt sich. Sie muss zwangsläufig die symetrische Struktur eines Spannungsbogens annehmen. Denn eine geschlossene fiktionale Handlung braucht immer einen klar durchkomponierten Erzählstrang. Ganz offen räumen die beiden Drehbuchautoren, Eva und Volker A. Zahn, ein, „in Kolles Biografie nach Dramapotenzialen“ gesucht zu haben. Und nicht etwa in seiner journalistischen Biografie werden sie fündig, sondern in seinem Privatleben. (…) Dass hier das etwas peinliche Lachen über das ernsthafte Nachvollziehen triumphiert, ist ein Verlust. Es degradiert ein Stück bundesrepublikanischer Zeitgeschichte zum brillant inszenierten Kostümfilm. Dabei könnte das Fernsehen doch so viel mehr. Aber vielleicht will es das ja gar nicht?
Der Fernsehfilm beschwört den Zeitgeist vergangener Jahrzehnte herauf und beschreibt gesellschaftliche Entwicklungen im Spannungsfeld von Revolte und Reaktion. Keine zeitgeschichtlich überladene Unterrichtsstunde mit dokumentarischem Anspruch, konzentriert er sich auf einen kurzen Lebensabschnitt, in dem Kolles private und politische Kämpfe, komödiantisch und beschwingt, hoch verdichtet werden. Ein sorgfältig ausgestatteter, kurzweiliger und nachdenklich stimmender Film.
Das Kölner Autorenpaar Eva und Volker A. Zahn beeindruckt bei seinem Komödiendebut mit pointierten Dialogen und gut getimter Situationskomik. Die Lovestory ist nicht realistisch, sie funktioniert wie das Leben: Manche Dinge geschehen eben, ob man will oder nicht.
So gehen der impotente Liebhaber Paul (Kai Scheve) und seine Flirt-Partnerin Isabell (Nadja Uhl), die am Ende alles (auf)richten wird, in allzu aufwendiger szenischer Ausstattung unter. Dominiert einmal nicht die Teekanne – ach was ist es so gemütlich bei Dir! – gibt es gnadenlos Action, frei nach dem Motto: Ich bremse auch für Hunde.
No Sex ist nicht nur der Versuch, dass alte Thema "neue Männlichkeit" in einer Mischung aus sozialpsychologischem Lehrstück und überladenem Werbeclip abzuhandeln. Gleichzeitig rumort es in diesem Film, wie’s wohl schon die Liebestrankzutaten in mittelalterlichen Hexenkesseln taten: Leistungsdruck, Arbeitslosigkeit, Existenzgründung, Viagra, Vater-Sohn-Konflikt, Herkunftsschuldgefühle, Rock’ n’ Ro1l, Drogen, Amerika, Emanzipation, Freundschaft, Verrat, Romantik und die große Liebe. Und wohl deshalb versinken die vielen intelligenten Themen samt Pointen in einer einzigen ermüdenden Reizüberflutung.
Die knappen Dialoge aus dem Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn sind zudem ein Genuss. Da ist kein Satz zuviel und jedes Wort an der richtigen Stelle. Hier wird dem Zuschauer nicht alles vorgekaut, sondern Raum für eigene Interpretationen gelassen.
„Auf der Jagd“ , realisiert von Markus Imboden, ist ein Film voll innerer und äußerer Spannung. Und eine Studie über die Merkwürdigkeiten des Lebens.
Keine Hatz und schon gar kein Halali. Der Titel „Auf der Jagd“ setzt auf eine falsche Fährte. Ursprünglich sollte Bella Blocks fünfter Fall „Im dunklen Wald“ heißen. Das hatte was. Nicht nur, weil dort die grausamen Verbrechen verübt wurden, mit denen sie diesmal konfrontiert wird. Sondern, weil die unerläßliche Draufsicht auf „diesen verdammten Scheißwald“ vor den Toren Hamburgs, eingangs durch großzügige Kamerafahrten über die Baumwipfel symbolisiert, sich als trügerisch erweist. Unten, in Dorf und Gehölz, will sich das Dunkel um die Überreste eines vermissten Ehepaares nicht lichten.
Im Gegenteil, nur ein paar hundert Bäume entfernt wird ein zweites Paar tot aufgefunden. Und dem kleinen Sohn der Toten hatte Frau Block recht gegeben, als der sie beschimpfte, versagt zu haben. Doch darüber zu philosophieren, dass man immer zu spät kommt, ist der Kommissarin Sache nicht; sie tut ihre Arbeit, bestimmt, knapp, fast lakonisch. Und wütend. Sie ist auf dem Holzweg, weiß es, verhaftet immer wieder einen Falschen, „weil ich den Richtigen nicht kriegen kann„, und bricht, ganz allein im Dorfgasthof, in Tränen aus. Wie Hannelore Hoger diese, ihre Bella Block erneut um Facetten bereichert, ist bewunderungswürdig: Die herb-süße Liebesgeschichte mit einem Literaturprofessor – für den Plot irrelevant, für die Figur unabdingbar – wird so beiläufig absolviert, daß dem Assistenten beim Morgenrapport fast das Marmeladenbrötchen aus dem Gesicht fällt.
Die fortschreitende Emanzipation der Emanzipierten von Doris Gerckes Romanheldin lag den Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn offenbar am Herzen. Bellas bekannt knappe Dialoge und ihre Methode der simplen Gegenfrage fallen durch große Präzision auf. Die Zahns lassen den grausigen Tathergang im Wald mit Bellas Assistenten nachstellen, und die gleichzeitige Erörterung der Vorgänge verfremdet das Ungeheuer1iche – zumal in Markus Imbodens schön stiller Inszenierung.
Kleine Gesten, große Wirkung: einfach stark.
Diese Besetzung (Hans Peter Korff) war symptomatisch für die Sorgfalt, mit der in „Koerbers Akte“ die Rollen verteilt waren, es entwickelte sich eine Teamleistung, die immer mehr an Dichte gewann. Regisseur Olaf Kreinsen pflegte die alptraumartige Atmosphäre des Krimis von Eva und Volker A. Zahn.
Koerber gerät in die Fänge eines Rollen-Spiels, Marke „The Game“. Sicher – nicht so aufwendig inszeniert wie der Hollywoodknaller – nicht einmal das ZDF-Budget kann da mithalten. Dafür aber ist die Story ein bißchen hinterhältiger, fieser.
Story und Subplot sind gekonnt ineinander verzahnt, die Charaktere scharf konturiert: wie aus der (bösen) Welt gegriffen. Facettenreicher Krimi, in dem ziemlich alles stimmt.
Dennoch ist es nicht nur die sympathisch angelegte Titelfigur, die „Koerbers Akte“ einhelliges Lob bei Publikum und Kritik einbrachte: Durchaus komplex konstruierte Drehbücher sowie ein herausragender Martin Lüttge trugen ihren Teil zu einem Qualitäts-Format bei, das im Schnitt fünf Millionen Krimi-Fans verfolgten.
Spannendes Thema, interessantes Team, witzige Dialoge, verblüffendes Finale – diese neue Serie startete vielversprechend!
Zwischen Lilly und Ralf kracht es oft und heftig. Das macht Spaß. Denn die beiden Cops frotzeln, streiten, eifersüchteln mit so viel Charme und Wortwitz, dass sich ihre Ermittlungen wohltuend vom sonstigen Krimi-Einerlei abheben.
Das Kunststück haben die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn fertiggebracht. Sie verbinden durchaus spannende Krimi-Plots mit komischen Elementen, und natürlich beeinflußt die Liebesbeziehung auch schon mal die Ermittlungsarbeit.
Vor allem die brillant geschriebenen, oft sehr witzigen Dialoge des Pärchens machen „Die Mordkommission“ zu einem Krimispaß, der seinesgleichen sucht.
Als Autor spannender Kriminalgeschichten gerät Friedemann Brix (Harald Juhnke) bei seinen Recherchen häufig selbst in gefährliche Situationen. Das Leben als Schreibtischtäter ist ihm zu langweilig, deswegen betätigt er sich als Amateurdetektiv. Seine kriminalistische Neigungen passen seiner Frau Helga, genannt Schnurzel (Gertraud Jesserer), überhaupt nicht. Sein bester Freund Bommel (Ben Becker), ein Mechaniker und Ex-Knacki mit guten Kontakten zur Unterwelt, steht im zur Seite. Durch die altbackene und langatmige Inszenierung wurde die Serie trotz brillanter Besetzung und witziger Ideen in den Drehbüchern ein Flop.
Was das ZDF seinen Zuschauern von diesem Donnerstag an als neue Serie anbietet, ist, gelinde gesagt, eine Zumutung. In einem Möchtegernkrimi, der in seiner Simplizität wirkt, als sei er mit einem Lego-Baukasten konstruiert worden. Wäre das vom ZDF nicht eindeutig ernst gemeint, könnte man wenigstens lachen, etwa über Hark Bohm, der als Berliner Russenfürst ein deutsch-russisches Gemisch mit Hamburger Akzent von sich gibt; über Ben Becker als Brix-Freund Bommel, der als Automechaniker stets blitzsaubere Finger hat und mit seiner Designer-Brille eher einem Art-Director als einem Kfz-Mechaniker gleicht; über Holzschnitt-Dialoge, in denen man Bommel tatsächlich sagen hört: 'Die Unterwelt ist kein Disneyland für gelangweilte Dichter.
Alle erdenklichen Krimi-Klischees werden mit Leichtigkeit durch den Kakao gezogen.


