Eva Zahn und Volker A. Zahn, DrehbuchautorenAktuelles von Eva Zahn und Volker A. Zahn, DrehbuchautorenThu, 22 Jul 2021 13:20:48 +0200Abgedreht: Der neue Kiel-TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://www.zahns.com/aktuelles/118/abgedreht-der-neue-kiel-tatort-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>Abschluss der Dreharbeiten für einen neuen Kiel-TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahn: Hauptkommissarin Mila Sahin und ihr Kollege Klaus Borowski haben es diesmal mit zwei Morden, einer schweren Körperverletzung und einer Entführung zu tun. Opfer der schweren Körperverletzung ist Klaus Borowski, der von einer unbekannten Person brutal niedergeschlagen wurde und die Ermittlungen vom Krankenhaus aus „begleitet“… Nicht unbedingt zur Freude von Mila Sahin.</p> <p>Gefahndet wird nach der 18jährigen Celina, die im Verdacht steht, ihre Großmutter und eine weitere Frau getötet zu haben. Vom Krankenbett aus entwickelt sich zwischen Borowski und Celia am Telefon eine ganz besondere Beziehung, die den Fall nach und nach in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lässt. Oder führt Celina den erfahrenen, aber angeschlagenen Hauptkommissar an der Nase herum?</p> <p>Gedreht wurde „Borowski und die Frau am Telefon“ (AT) unter der Regie von Friederike Jehn in Kiel und Hamburg, die Bildgestaltung übernahm (wie bereits beim letzten Köln-TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahn) Stan Mende, die Nordfilm Produktion (Sabine Timmermann) wurde von Sabine Holtgreve (NDR) redaktionell betreut, Neben Almila Bagriacik und Axel Milberg spielen u. a. Sophie von Kessel, Thomas Kügel, Anja Antonowicz, Alexandra Finder, Roger Bonjour, Joel William und Caroline Cousin. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.</p>http://www.zahns.com/aktuelles/118/abgedreht-der-neue-kiel-tatort-von-eva-zahn-und-volker-a-zahnThu, 22 Jul 2021 13:20:48 +0200Großer Publikumserfolg: Die TV-Satire „Goldjungs“ von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://www.zahns.com/aktuelles/117/grosser-publikumserfolg-die-tv-satire-goldjungs-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>Die Komödie „Goldjungs“ über die bizarren Vorkommnisse rund um den Bankrott des Kölner Bankhauses Herstatt im Jahre 1974 hat bei ihrer TV-Premiere fast  fünf Millionen Zuschauer vor die Fernseher gelockt. Auch in der ARD-Mediathek erfreut sich die von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene Satire großer Beliebtheit. Der Film ist dort noch bis zum 5. August 2021 abrufbar: https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/sendung/goldjungs-106.html</p> <p>Auch die Kritiker konnten sich (überwiegend) amüsieren: „Eva und Volker A. Zahn stehen für große erzählerische Qualität“, schreibt TV Spielfilm, „es gelingt ihnen, mit ihren Filmen zu unterhalten, zu berühren, aufzuklären. Und das seit fast 30 Jahren. Lange haben sie fast &#39;nur&#39; Krimis (&#39;Tatort&#39;) geschrieben, dann kamen starke Dramen dazu. Das waren ernste Stücke. Mit &#39;Goldjungs&#39; zeigen sie, dass sie es auch komödiantisch-satirisch draufhaben.“ „Goldjungs“ sei „ein mutiger, bemerkenswerter und aus dem Rahmen fallender Fernsehfilm“, resümmiert der Kritiker von Blickpunkt:Film. Die WAZ hebt hervor, dass der Film „dankenswerterweise weder Zeitkolorit noch kölschen Klüngel übertreibt“ und befindet abschließend: „Eine gelungene Komödie, sehr unterhaltsame 90 Minuten!“ Und der Kritiker des Stern merkt an: „&#39;Goldjungs&#39; ist eine mit leichter Hand geschriebene Komödie, die bei einem Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte ganz bewusst nur an der Oberfläche kratzt. Ein historisches Bankendrama wird Teil der abendlichen Fernsehunterhaltung. Das humorvolle Format hätte dem Karnevalisten Herstatt wohl durchaus gefallen. Dass ihm hier die Hauptfigur beschieden ist als tölpelhaftem Narren, wohl weniger.“  </p> <p>Und darum geht’s in der Banken-Satire: Köln in den 70ern. Die zwanzigjährige Marie Breuer (Michelle Barthel) tritt mit Unterstützung von Irene Gerling (Leslie Malton) ihre Stelle als Sekretärin bei Herstatt an. Im Bankhaus von Direktor Iwan D. Herstatt (Waldemar Kobus), der seinen finanzstarken Jugendfreund Hans Gerling (Martin Brambach) an seiner Seite hat, weht der Duft der großen weiten Welt. Anfangs hegt die aus einfachen Verhältnissen stammende Marie noch Hoffnungen, ihr Chef Ferdinand von Broustin (Ulrich Friedrich Brandhoff) interessiere sich für sie. Doch dann erliegt sie den finanziellen und erotischen Verlockungen der Goldjungs um Mick Sommer (Tim Oliver Schultz) und setzt waghalsig die Ersparnisse ihrer Mutter aufs Spiel. Der Einzige, der dem Treiben der Goldjungs nicht tatenlos zusehen will, ist Buchhalter Uwe Lennartz (Jan Krauter). Fassungslos beobachtet er, wie die Spekulationen der Devisenhändler immer gewagter werden und einfache Angestellte der Bank immer größere Summen einsetzen. Seine Warnungen will jedoch niemand hören, auch der notorisch schläfrige Bankdirektor Iwan Herstatt nicht…</p> <p>Durch Maries Augen werden der Herstatt-Bankrott, die bizarren Eskapaden des Bankdirektors, das Versagen der Finanzaufsicht, die Tricksereien des Managements und die persönlichen Dramen der Spekulations-Opfer erzählt. Doch je absurder die Vorgänge in der Bank werden, desto mehr entwickelt sich Marie zur selbstbewussten jungen Frau. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre Mutter und sich selbst vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Bis es schließlich doch zum großen Crash kommt…</p> <p>„Goldjungs" ist eine Produktion der Zeitsprung Pictures GmbH (Produzenten: Michael Souvignier und Till Derenbach, Producer: Daniel Mann) in Kooperation mit G5fiction (Produzent: Uwe Kersken) im Auftrag des WDR und der ARD Degeto. Regie führt Christoph Schnee.</p> <p> </p>http://www.zahns.com/aktuelles/117/grosser-publikumserfolg-die-tv-satire-goldjungs-von-eva-zahn-und-volker-a-zahnSat, 22 May 2021 18:19:49 +020050 Jahre „Tatort“: Eva Zahn und Volker A. Zahn im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“http://www.zahns.com/aktuelles/116/50-jahre-tatort-eva-zahn-und-volker-a-zahn-im-interview-mit-dem-kolner-stadt-anzeiger<p> </p> <p>Anlässlich des 50jährigen „Tatort“-Jubiläums haben sich Eva Zahn und Volker A. Zahn den Fragen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ gestellt. Zurzeit arbeitet das Autoren-Paar an zwei neuen Filmen für die Krimireihe. Tatorte: Kiel und Köln.</p> <p><em>Kölner Stadt-Anzeiger: Eva Zahn und Volker A. Zahn, Sie arbeiten als Drehbuchautoren immer wieder auch für den „Tatort“ und schreiben aktuell einen Kölner Fall. Was ist wichtiger beim „Tatort“, der Mord oder das übergeordnete Thema?</em></p> <p>Eva Zahn: Für uns gibt es da keine Hierarchie. Ein „Tatort“ muss spannend erzählt und unterhaltsam sein, das ist das A und O. Manchmal steht der Krimi stärker im Vordergrund, manchmal das Drama. Aber am wichtigsten ist, dass das Gesamtpaket stimmt. Und wenn wir ein übergeordnetes, politisch oder gesellschaftlich relevantes Thema miterzählen, dann auf keinen Fall plakativ. Filme, die wie fiktionalisierte Wikipedia-Artikel anmuten und brav alle Aspekte eines Themas abhaken, finde ich nicht so prickelnd. </p> <p><em>Wie gehen Sie das an, wenn Sie ein „Tatort“-Drehbuch schreiben?</em></p> <p>Volker A. Zahn: Es gibt ein paar Rahmenbedingungen, auf die man als Autor achten sollte. Die Stadt sollte mehr sein als nur Kulisse. Und man sollte das Ermittler-Team gut kennen. Wie interagieren die Helden, was sind ihre Stärken und Schwächen, wo können wir mit unserer Geschichte auch im Team emotional andocken, ohne gleich eine große Privatgeschichte aufzumachen? Wie kann man die Figuren noch interessanter machen?</p> <p><em>Und wie vermeiden Sie es, Themen aufzugreifen, die es schon zigmal gab?</em></p> <p>EZ: Das lässt sich nicht vermeiden, deshalb müssen wir bei jedem Thema einen besonderen, eigenen Zugang suchen. Die Welt ist bunt, und die Geschichten liegen auf der Straße, wir greifen Themen auf, die uns wichtig sind oder berühren. Nicht selten verbirgt sich hinter einer kleinen Zeitungsnotiz der Stoff für ein ganz großes Drama.  </p> <p><em>Gesellschaftliche Relevanz ist immer ein Stichwort beim „Tatort“. Wie wichtig ist sie?</em></p> <p>VZ: Wir denken die großen gesellschaftlichen Themen häufig mit. In dem Kölner „Tatort“, den wir gerade schreiben, geht es vordergründig um eine Geiselnahme und um die verbotene Beziehung eines Lehrers zu einer Schülerin. Also eigentlich nichts Neues, wenn man bedenkt, dass es bereits 1977 den legendären „Reifezeugnis“-Tatort mit Nastassja Kinski gab. Wir rücken in unserer Geschichte aber das Motiv der „Kränkung“ in den Mittelpunkt, erzählen von einem Narzissten, der sich missverstanden fühlt und glaubt, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein und deshalb über andere Menschen richten zu dürfen. Wir greifen mit unserem Film eine Entwicklung auf, die sich nicht nur politisch in einer gewissen Enthemmung niederschlägt, sondern auch im alltäglichen Miteinander. Im Krimi können wir so über ein individuelles Schicksal eine aktuelle gesellschaftliche Stimmung miterzählen.  </p> <p><em>Ein „Tatort“ dauert 90 Minuten. Wie macht man das, den Täter nicht zu früh zu verraten, die Geschichte aber auch nicht so kompliziert zu machen, dass sie unverständlich wird?</em></p> <p>EZ: Das ist Handwerk, praktisch der Rohbau, den man mit Gespür und Erfahrung errichtet. Da gibt es doppelte Böden und geheime Türen, die man einbaut, kleine Irrgärten, die man anlegt. Aber dann muss man das Konstrukt mit lebendigen und spannenden Charakteren ausfüllen. Mit Figuren, die interessant sind und den Zuschauer berühren. Da muss man immer wieder versuchen, sich etwas Neues einfallen zu lassen, mutig Grenzen auszuloten, um nicht mit altbekannten Klischees zu langweilen. Schließlich wollen wir uns auch selbst nicht langweilen, was nach den circa hundert Krimis, die wir bis jetzt geschrieben haben, gar nicht so einfach ist. </p> <p>VZ: Uns reizen beim Krimi dramaturgische Konzepte jenseits des klassischen Whodunit, der ja eher wie „Malen nach Zahlen“ funktioniert. Anfang der achtziger Jahre haben wir bei „Ein Fall für Zwei“ auf diese Art mit dem Geschichtenerzählen angefangen. „Wie schreibt man einen Fernsehkrimi“ hieß damals ein entsprechendes Handbuch unserer Produzenten. Zum Glück sind die erzählerischen Freiräume im deutschen Fernsehkrimi immer größer geworden. In unserem letzten Kiel-„Tatort“ war von Anfang an klar, wer die Mörderin ist, in unserem neuen Köln-„Tatort“ bedienen wir eher das Thriller-Genre. Dass Geschichten auf sehr unterschiedliche Weise als „Tatort“ erzählt werden können, macht für uns als Autoren den Reiz dieser Reihe aus. Und für den Zuschauer wahrscheinlich auch.</p> <p><em>Natürlich müssen Sie sich in viele verschiedene Menschen in Ihrer Arbeit einfühlen. Aber ein Mörder ist ja noch mal etwas ganz Besonderes. Wie machen Sie das? </em></p> <p>VZ: Zu unserem Handwerkszeug gehört die Recherche. Der Austausch mit Menschen, die professionell in menschliche Abgründe schauen: Polizisten, Psychologen, Sozialarbeiter… Beim aktuellen Kieler „Tatort“ versuchen wir, uns mit Hilfe einer Polizeipsychologin in die Seelenlage unserer nicht unkomplizierten Täterin einzufühlen. Trotzdem darf unsere erzählerische Freiheit dabei nicht zu kurz kommen, viele Mörder sind längst nicht so spannend, wie wir sie schreiben.</p> <p>EZ: Im Traum habe ich auch schon mal jemanden ermordet. Und ich hatte ganz furchtbare Angst, dass ich erwischt werde und ins Gefängnis muss. Das zeigt eigentlich, dass die Identifizierung schon ganz gut funktioniert. (lacht) Ich glaube ja, dass es nur eine dünne zivilisatorische Schicht ist, die die Menschen davon abhält, zu morden. In Kriegs- und Krisenzeiten zeigt sich, wie schnell solche Schutzmechanismen und Skrupel außer Kraft gesetzt sind und der „Normalbürger“ zur Bestie mutiert.  </p> <p><em>Ein Thema beim „Tatort“ ist auch immer die Frage, wie realistisch Polizeiarbeit geschildert wird und werden muss. Welche Haltung haben Sie da?</em></p> <p>EZ: Wir recherchieren immer alles gegen, aber in der Realität ist die Polizeiarbeit oft langatmig, kleinteilig und sehr personalintensiv. Diese Realität wollen und können wir gar nicht abbilden. Wir versuchen, hanebüchene Logikfehler zu vermeiden und den bestmöglichen Film zu machen.</p> <p>VZ: Außerdem stoßen wir manchmal auch an die Grenzen des produktionell Machbaren. In unserem letzten „Tatort“ sollte ein Polizeischüler beim Schießtraining eine Waffe entwenden. Das ist in der Realität fast unmöglich. Also haben wir eine Szene konzipiert, in der unser Täter großen Aufwand treiben muss, um an die Knarre zu kommen. Das Ende vom Lied: Das Buch war insgesamt zu lang, und die Szene mit dem Waffenklau fiel der Kürzung zum Opfer. So was hauen dir dann gerne mal die Kritiker um die Ohren.</p> <p>EZ: Aber letztendlich ist es auch uninteressant und dramaturgisch irrelevant, wie der Typ an die Waffe kommt. Er braucht sie und Feierabend! Bei jedem „Tatort“ haben wir diese Diskussion: Ist das jetzt realistisch oder nicht? Das ist immer eine Gratwanderung, und auch die Zuschauer ticken da unterschiedlich: Viele interessieren sich nur für die Spannung, die Emotionen, die Geschichte, andere Zuschauer – vor allem Männer übrigens – suchen geradezu nach „Fehlern“ und freuen sich, wenn sie Unstimmigkeiten entdecken. Uns Autoren ist vor allem die innere Logik wichtig, eine nachvollziehbare Dramaturgie und eine stimmige, glaubwürdige Psychologie unserer Figuren.  </p> <p><em>Die Regionalität spielt beim „Tatort“ eine große Rolle. Wie erzählt man eine Stadt mit?</em></p> <p>VZ: Es gibt natürlich den Schauwert einer Stadt, dafür sind vor allem Regie und Kamera zuständig. Erstrebenswert ist es aber, Geschichten zu erzählen, die mit den Besonderheiten einer Stadt oder Region zu tun haben. In Köln kennen wir uns bestens aus, da wissen wir, wie die Menschen ticken. In die Konfliktfelder und Eigenarten anderer Städte müssen wir uns erst einarbeiten und einfühlen. </p> <p>EZ: Zum Beispiel beim ersten Kieler „Tatort“, den wir gemacht haben, da gab es den Wunsch der Redaktion, den Brennpunkt-Stadtteil Gaarden zu bespielen. Bei den Recherchen sind wir immer wieder auf die extrem hohe Kinderarmut gestoßen und haben dann eine Geschichte erzählt, die sich dieses Themas annimmt.</p> <p><em>Wie experimentell darf ein „Tatort“ sein?</em></p> <p>EZ:  Ein „Tatort“ muss <em>spannend</em> sein, egal ob experimentell oder konventionell. Aber bei der Fülle von „Tatorten“ gibt es für meinen Geschmack zu wenig Experimentelles, zu wenig Murot. Da kann man dem Zuschauer ruhig mehr anbieten, Sehgewohnheiten durchbrechen und ihn aus der sonntäglichen Komfortzone locken. Aber die Diskussion führen wir immer wieder: Darf man das machen, oder steigt der Zuschauer aus? </p> <p>VZ: Wir wundern uns allerdings manchmal, wie gut einige Leute „den Zuschauer“ zu kennen glauben, und aus lauter Angst, das Publikum zu überfordern, auf die Bremse treten. Zum Glück gibt es viele Redakteurinnen und Redakteure, die mutig genug sind, um dramaturgisches oder erzählerisches Neuland zu betreten – und zwar ohne damit ein Quoten-Desaster anzurichten. Die Streaming-Portale mit ihrer Vielzahl an Geschichtenkonzepten haben die Sehgewohnheiten des TV-Publikums verändert, da kann man als „Tatort“-Macher nicht so tun, als sei die Zeit stehengeblieben. </p> <p><em>Sind die Verantwortlichen nicht mutig genug?</em></p> <p>VZ: Wir spüren die Verantwortung, die die Redaktionen für das Format haben. Der „Tatort“ ist neben den großen Sportereignissen das letzte kollektive Guck-Erlebnis. In einer sich dramatisch verändernden Fernsehlandschaft ist der „Tatort“ für die ARD ein echtes Juwel. Die Angst, bei diesem Format irgendwas falsch zu machen, ist entsprechend groß… und nachvollziehbar. Wie viel darfst du wagen, ohne dein Stammpublikum zu vergraulen, wie viel musst du riskieren, um neue Zuschauer zu gewinnen?  </p> <p>EZ: Der „Tatort“ war viel zu lange eine Bastion alter weißer Männer, zu formatiert, zu berechenbar. Das hat sich zum Glück geändert. Es ist gut, dass die Sender jetzt auch junge aufregende Talente schreiben, inszenieren und spielen lassen, es ist gut, dass der „Tatort“ bunter und vor allem weiblicher geworden ist.</p> <p><em>Haben Sie eine Erklärung, warum der „Tatort“ diese Sonderstellung im deutschen Fernsehen hat?</em></p> <p>VZ: Der Sendeplatz am Sonntagabend hat großen Anteil am Erfolg des Formats, das ist fast wie eine kollektive Einschalt-Verabredung, um am nächsten Morgen – auch mit einem Gesprächsthema – in die neue Woche zu starten.  </p> <p>EZ: Vielleicht ist der „Tatort“ in dieser aus den Fugen geratenen Welt auch eine wichtige Konstante. Der „Tatort“ hat Tradition. Gibt es irgendein Format im deutschen Fernsehen – außer der „Tagesschau“ –, das seit 50 Jahren läuft? Viele Kommissare sind gemeinsam mit den Zuschauern gealtert, andere frische Gesichter sind dazu gekommen. Bei allem – zum Teil berechtigten – Gemecker sorgt der „Tatort“ doch immer wieder für echte Highlights und Sternstunden der Fernsehunterhaltung. Er ist eine kalkulierbare Wundertüte, irgendwie weiß man, was drin ist, wird aber trotzdem immer wieder überrascht. </p> <p>(Interview: Anne Burgmer, Foto: Max Grönert))</p>http://www.zahns.com/aktuelles/116/50-jahre-tatort-eva-zahn-und-volker-a-zahn-im-interview-mit-dem-kolner-stadt-anzeigerSat, 12 Dec 2020 09:29:53 +0100„Medienpreis Menschenrechte“ von Amnesty International für Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://www.zahns.com/aktuelles/115/medienpreis-menschenrechte-von-amnesty-international-fur-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>Für das Drehbuch zum Migrations-Drama „Aufbruch ins Ungewisse“ wurden Eva Zahn und Volker A. Zahn im Oktober 2020 mit dem Medienpreis Menschenrechte von Amnesty International ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im digitalen Rahmen statt, neben dem Kölner Autorenpaar wurde in diesem Jahr u. a. auch ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ausgezeichnet.</p> <p>„Aufbruch ins Ungewisse“ ist eine deutsch-südafrikanische Produktion. Die Dystopie erzählt in Umkehrung der aktuellen Verhältnisse vom Schicksal einer deutschen Familie, die sich aufgrund der politischen Situation in ihrer Heimat gezwungen sieht, nach Afrika zu fliehen. Uraufführung war am 27. Oktober 2017 auf den Internationalen Hofer Filmtagen, im Fernsehen wurde der Film im Februar 2018 im Ersten gezeigt. Der „Spiegel“ hielt den Film, der elegant all jene Szenarien antippe, „die die meisten Zuschauer nur vom Hörensagen kennen dürften“, für überfällig. Auch wenn die Geschichte von zu vielen Schicksale erzähle, gehe der Trick mit dem Perspektiv-Wechsel auf: „Die historische, geografische oder kulturelle Distanz, die dem Zuschauer Fluchtgeschichten sonst so angenehm vom Leib“ halte, fehle, denn hier sitze er mit im Boot.</p> <p>Rund um die Erstausstrahlung des TV-Films versuchten rechtsextreme Netzwerke (u. a. die Reconquista Germanica) die Diskussion über den Film gezielt zu manipulieren.</p>http://www.zahns.com/aktuelles/115/medienpreis-menschenrechte-von-amnesty-international-fur-eva-zahn-und-volker-a-zahnThu, 12 Nov 2020 15:36:30 +0100„Goldjungs“: Drehstart für eine historische Bankenchrash-Komödie von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://www.zahns.com/aktuelles/114/goldjungs-drehstart-fur-eine-historische-bankenchrash-komodie-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>Drehstart für die von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene ARD-Komödie „Goldjungs“, die von den bizarren Vorkommnissen rund um den Bankrott des Kölner Bankhauses Herstatt im Jahre 1974 erzählt. Die damals größte Banken-Pleite der Nachkriegszeit wurde maßgeblich von einer Gruppe junger und wilder Devisenhändler, den so genannten „Goldjungs“, befeuert. Den Untergang des Hauses Herstatt mit all seinen wunderlichen Besonderheiten erzählt das Autoren-Ehepaar aus der Perspektive von Marie Breuer (Michelle Barthel), die der Gier nach dem großen Geld ebenso zu verfallen droht wie der fiebrigen Erotik der jungen Spekulanten.</p> <p>Die 20-Jährige tritt Anfang der siebziger Jahre mit Unterstützung von Irene Gerling (Leslie Malton) ihre Stelle als Sekretärin bei Herstatt an. Im Bankhaus von Direktor Iwan D. Herstatt (Waldemar Kobus), der seinen finanzstarken Jugendfreund Hans Gerling (Martin Brambach) an seiner Seite hat, weht der Duft der großen weiten Welt. Anfangs hegt Marie noch Hoffnungen, ihr Chef Ferdinand von Broustin (Ulrich Friedrich Brandhoff) interessiere sich für sie. Doch dann erliegt sie den Verlockungen der „Goldjungs“ um Mick Sommer (Tim Oliver Schultz) und setzt waghalsig die Ersparnisse ihrer Mutter aufs Spiel…</p> <p>Durch Maries Augen werden der Herstatt-Bankrott, die unglaublichen Eskapaden des Bankdirektors, das Versagen der Finanzaufsicht, die Tricksereien des Managements und die persönlichen Dramen der Spekulationsopfer erzählt. Doch je absurder die Vorgänge in der Bank werden, desto mehr entwickelt sich Marie zur selbstbewussten jungen Frau. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre Mutter und sich selbst vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Bis es schließlich doch zum großen Crash kommt…</p> <p>Die Film-Satire “Goldjungs" ist eine Produktion der Zeitsprung Pictures GmbH (Produzenten: Michael Souvignier und Till Derenbach, Producer: Daniel Mann) in Kooperation mit G5fiction (Produzent: Uwe Kersken) im Auftrag des WDR und der ARD Degeto. Regie führt Christoph Schnee. Der durch die Film- und Medienstiftung NRW geförderte Film soll voraussichtlich im Frühjahr 2021 im Ersten ausgestrahlt werden.</p>http://www.zahns.com/aktuelles/114/goldjungs-drehstart-fur-eine-historische-bankenchrash-komodie-von-eva-zahn-und-volker-a-zahnFri, 16 Oct 2020 15:23:19 +0200Zehn Jahre nach der Loveparade-Katastrophe: TV-Drama „Das Leben danach“ von Eva und Volker A. Zahn noch einmal im Erstenhttp://www.zahns.com/aktuelles/113/zehn-jahre-nach-der-loveparade-katastrophe-tv-drama-das-leben-danach-von-eva-und-volker-a-zahn-noch-einmal-im-ersten<p>Anlässlich des zehnten Jahrestags der Duisburger Loveparade-Katastrophe, bei der im Juli 2010 21 Menschen ums Leben kamen und Hunderte schwer verletzt und nachhaltig traumatisiert wurden, zeigt das Erste am 22. Juli um 20, 15 Uhr noch einmal das von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene WDR-Drama „Das Leben danach“ (Regie: Nicole Weegmann). Für ihr Buch wurden die Autoren 2018 mit dem renommierten Robert Geisendörfer Preis, dem Medienpreis der evangelischen Kirche, ausgezeichnet. Zuvor war die Produktion (winwin film, Valentin Holch) bereits für den Grimme-Preis nominiert worden und lief auf verschiedenen Festivals (München, Brooklyn u. a.). Beim Kinofest Lünen gewann „Das Leben danach“ den Publikumspreis, und das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen zeichnete das Drama mit dem „Medienkulturpreis“ 2018 aus. Auch die Kritiker ließen sich von dem Werk begeistern. „Oft erschlagen bei diesen Produktionen die großen Themen die kleinen Figuren“, befand „Der Spiegel“ und resümmierte: „Dass es hier nicht so ist, ist auch Regisseurin Nicole Weegmann und den Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn zu verdanken. Die drei waren zusammen auch für den Mittelstandsselbstzerfleischungstrip ‘Mobbing‘ verantwortlich. Mag am Anfang bei ihren Arbeiten das gesellschaftspolitische Sujet stehen, so ist dieses Sujet doch stets in einen sozialen Kosmos eingebettet, dessen Figuren Leben atmen. Schönes, scheußliches Leben. (…) Ein Film, der zeigt, dass Trauer sich nicht per Fingerschnippen auflöst - und dass Katastrophen keine Jahrestage brauchen, um zu zeigen, wie sie in den Menschen nachwirken. Lebenszeichen aus dem Tunnel: Duisburg Calling!“ Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ urteilte: „‘Das Leben danach‘ ist großes Fernsehen“, und der Kritiker der „Welt“ schrieb: „Eva und Volker A. Zahn haben die Geschichte der Toni Schneider erfunden auf der Basis von Hunderten Gesprächen mit Hinterbliebenen, Familien, Freunden, Schicksalsgenossen. Jella Haase zerschmettert in diesem Film endgültig die letzten Reste jener Chantal, mit der sie in den ‘Fack ju Göhte‘-Filmen berühmt wurde. (…) Dass Toni und Sascha sich anziehen, versteht man sofort. Dass das eigentlich auch nicht gut gehen kann auch. Dafür, dass Tonis Geschichte von dem Moment an, da ihr der Leiter ihrer Selbsthilfegruppe steckt, was Sascha wirklich ist, ein einziger Amoklauf ist, wird sie von Nicole Weegmann geradezu mit Samthandschuhen angefasst. „Das Leben danach“ ist kein Untersuchungsausschuss, kein Prozess. In diesem Film stehen anders als in Ausschüssen und Prozessen die Opfer im Mittelpunkt und das, was Katastrophen wie die in Duisburg mit Überlebenden machen und mit denen, die mit Überlebenden leben müssen. (…)  Bei all dem Schrecklichen, das Sascha und Toni in sich tragen, das in sie hineinragt, das in Flashbacks und ein paar Dokumentarfilmszenen ohne jegliche Sensationsgier immer wieder mal als Albträume eingeblendet wird, bei alldem bleibt „Das Leben danach“ ein zutiefst menschlicher Film. Einer, der offensichtlich nah am Alltag ist. Lebendig. Und traurig. Und einen nicht loslässt.“</p> <p>Neben der Ausstrahlung am 22. Juli im Ersten ist „Das Leben danach“ auch am 26. Juli um 20, 15 Uhr sowie am 7. August um 22, 30 Uhr auf ONE zu sehen.</p>http://www.zahns.com/aktuelles/113/zehn-jahre-nach-der-loveparade-katastrophe-tv-drama-das-leben-danach-von-eva-und-volker-a-zahn-noch-einmal-im-erstenThu, 09 Jul 2020 16:15:30 +0200„Borowski und der Fluch der weißen Möwe“: 8, 7 Millionen Zuschauer sehen den neuen TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://www.zahns.com/aktuelles/112/borowski-und-der-fluch-der-weissen-mowe-8-7-millionen-zuschauer-sehen-den-neuen-tatort-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>„Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ ist der poetische Titel des zweiten „Tatorts“, den Eva und Volker A. Zahn für die Kieler Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) geschrieben haben. Das blutige Krimidrama, das im Umfeld einer Clique von Polizeischülern spielt, wurde am 10. Mai um 20, 15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. 8, 7 Millionen Zuschauer verfolgten die Geschichte der beiden Grimme-Preisträger, die vom vielfach ausgezeichneten Kino-Regisseur Hüseyin Tabak inszeniert wurde.  </p> <p>Und darum geht&#39;s: Während eines Workshops, den die Kommissare Klaus Borowski und Mila Sahin an einer Kieler Polizeischule abhalten, kommt es zu einem fatalen Zwischenfall. Völlig überraschend sticht die Polizeischülerin Nasrin Erkmen (Soma Pysall) bei einer praktischen Übung auf ihren Mitschüler Sandro (Louis Held) ein. Der junge Mann erliegt wenig später seinen Verletzungen. Der Fall sorgt für öffentliche Empörung. Fragen nach den Gründen ihres Tuns prallen an Nasrin ab. Sie kann sich abgeblich an nichts erinnern. Oder hat sie etwas zu verschweigen? Für Tobias Engel (Enno Trebs), Nasrins Freund und ebenfalls Teilnehmer an dem Workshop, bricht eine Welt zusammen. Bei den Ermittlungen stoßen Borowski und Sahin auf den Fall von Jule (Caro Cult): Die junge Frau hatte sich kurz vor der Tat vor Tobias‘ Augen von einem Hochhaus gestürzt – und war eng mit Nasrin befreundet…</p> <p>Thoma Gehringer schreibt auf tittelbach.tv: „Traumatisierung, Kontrollverlust und Rache. Diese ‘Tatort‘-Episode ist kein klassischer Ermittlungskrimi, sondern ein psychologisch stimmiges, bedrückendes Drama.“ Für den Kritiker von kino.de ist „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ einer „der gelungensten Krimis der aktuellen ‘Tatort‘-Saison“. Eva Zahn und Volker A. Zahn sei es „besonders hoch anzurechnen, dass sie den Mut beweisen, unbequeme Entscheidungen zu treffen.“ Der Film beweise, „dass es nicht reicht, einfach nur mit den Sehgewohnheiten seiner Zuschauer zu brechen, um automatisch einen guten ‘Tatort‘ abzuliefern. Einmal mehr wird klar, dass eine spannende und in sich schlüssige Geschichte das einzig wahre Fundament ist, auf dem sich alle Beteiligten nach Belieben austoben können.“</p> <p>Die Rheinische Post schwärmt von einem „spannende“, temporeiche Krimi“, rät indes: „Ausschalten sollten allerdings Trauma-Patienten und psychisch Labile jeder Art.“ „Wer kein Blut sehen kann“, warnt auch die Münchner Abendzeitung, „ist bei diesem Krimi an der falschen Adresse. Schon fast à la Quentin Tarantino fließt einiges davon - selbst die beiden Kommissare sind von oben bis unten damit bedeckt. Alle anderen können sich am Sonntagabend auf einen spannenden und gelungenen ‘Tatort‘ freuen.“ Einen „düsteren Krimi allererster Güte“ hat der Kritiker von n-tv gesehen, WDR 5 lobt das „sehr gute Drehbuch“, und der „Tatort“-Check von SWR 3 resümiert: „Dieser ‘Tatort‘ ist krass, und er ist erschütternd. (…) Die Handlung kommt mit immer wieder überraschenden Wendungen, die aber allesamt denkbar und realistisch wirken. Ein ‘Tatort‘ über Liebe und Freundschaft, über Rache und Selbstjustiz. Ausgezeichnet gespielt übrigens von allen Beteiligten. Kompliment! Volle Punktzahl für einen intensiven ‘Tatort‘: fünf von fünf Elchen.“ Und im Berliner „Tagesspiegel“ schwärmt Markus Ehrenberg: „Nordic Noir: Keine Mätzchen, kein Privatkram, eingeschworene Polizeischüler, die von der Vergangenheit eingeholt werden, treffen auf eigenwillige Kommissare, die sich im Laufe der Ermittlungen auf Augenhöhe näherkommen, rein beruflich. Um sie herum eine Spirale der Gewalt, ein Drama um Schuld, Rache und innigste Freundschaft mit fast Shakespeareschen Ausmaßen – sowie einem stillen, gefiederten Besucher in der Mitte, der dem Blutbad eine fast meditative Balance gibt.“  </p>http://www.zahns.com/aktuelles/112/borowski-und-der-fluch-der-weissen-mowe-8-7-millionen-zuschauer-sehen-den-neuen-tatort-von-eva-zahn-und-volker-a-zahnTue, 26 May 2020 12:19:36 +0200Eva Zahn und Volker A. Zahn über ihren neuen TATORT: „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“http://www.zahns.com/aktuelles/111/eva-zahn-und-volker-a-zahn-uber-ihren-neuen-tatort-borowski-und-der-fluch-der-weissen-mowe<p>Am 10. Mai zeigt das Erste um 20, 15 Uhr den neuen TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahn: „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ erzählt von einem blutigen Drama an einer Polizeischule, Kino-Regisseur Hüseyin Tabak hat bei diesem Projekt erstmals fürs Fernsehen inszeniert, zum Cast zählen außer Axel Milberg und Almila Bagriacik u. a. Soma Pysall, Enno Trebs, Stefan Hegli und Anja Antonowicz. Zur Geschichte und Buchentwicklung hat das Autorenpaar dem NDR ein paar Fragen beantwortet:</p> <p>Frage: Ihr „Tatort“ erzählt von einer Gewalttat in der Polizeischule, von einer Vergewaltigung und von Rache. Haben Sie, wie so oft in Ihren Filmen, Fälle aus der Realität aufgegriffen?</p> <p>Eva Zahn: Der Wunsch, den Fall an der Polizeihochschule spielen zu lassen, kam von Seiten der Redaktion. Wir haben darin eine gute Möglichkeit gesehen, die Kommissare Borowski und Sahin stärker in den Fall zu involvieren, vor allem emotional. Und bei der Backstory haben wir uns tatsächlich mal wieder von der Realität inspirieren lassen, von einem sehr tragischen Fall von Gruppenvergewaltigungen an jungen Mädchen.</p> <p>Volker A. Zahn: Als thematische Inspirationsquelle würde ich auch die Gespräche und Recherchen rund um unseren Film „Das Leben danach“ über die Duisburger Loveparade-Tragödie benennen. Wir haben uns damals sehr intensiv mit dem Thema „Trauma“ beschäftigt und mit der Frage, wie Menschen fundamental erschütternde Ereignisse verarbeiten oder verdrängen. Unsere damalige Fachberaterin Dr. Sibylle Jatzko, Deutschlands bekannteste Trauma-Therapeutin, hat uns auch beim Verfassen dieses Buchs wieder mit ihrer Expertise zur Seite gestanden.</p> <p>Frage: Die Kommissare werden zu Zeugen, wie eine Polizeischülerin bei einem Rollenspiel einen Mitschüler tötet. Was löst diese Tat in den Ermittlern aus?</p> <p>Eva Zahn: Normalerweise sind Borowski und Sahin ja immer erst vor Ort, wenn der Mord schon passiert ist, da ergibt sich – bei aller Betroffenheit, die so eine Bluttat herruft –, meistens eine professionelle Distanz. In unserem Fall sind sie Tatzeugen und somit emotional unmittelbar involviert. Zudem müssen sie sich die Frage stellen – und gefallen lassen –, ob sie diesen Mord nicht hätten verhindern können. Und wer von ihnen wie viel Verantwortung trägt.</p> <p>Volker A. Zahn: Borowski und Sahin kennen die Täterin und das Opfer sehr gut, sie versuchen an der Hochschule, gute Polizisten aus ihnen zu machen, und dann explodiert plötzlich vor ihren Augen die Gewalt. Natürlich kommen da auch bei unseren Helden unangenehme Fragen und Selbstzweifel auf: Habe ich etwas übersehen? Gab es irgendwelche Warnsignale? Hat meine Menschenkenntnis versagt?</p> <p>Frage: Haben Sie recherchiert, wie Polizisten ausgebildet werden? Werden die Schüler zu einer gewissen Aggressivität erzogen?</p> <p>Eva Zahn: Wie bei jedem Buch, das wir schreiben, haben wir auch für diesen „Tatort“ das Milieu recherchiert, und natürlich haben wir auch mit Polizeischülern gesprochen. Interessant fanden wir tatsächlich, dass junge Polizisten lernen, „kontrolliert zu eskalieren“, das heißt, sie müssen bei ihren Einsätzen in der Lage sein, eine gewisse einschüchternde Autorität auszustrahlen. Aber natürlich bewegen sich die Beamten da auf dünnem Eis: Wie viel „Robustheit“ ist noch erlaubt? Wo ist die Grenze zur Übergriffigkeit und Gewalt?</p> <p>Volker A. Zahn: Gerade für junge, unerfahrene Polizisten, die tagtäglich mit Aggressionen, Angriffen oder wüsten Beschimpfungen zu tun haben, ist es wichtig, die rechtlichen Grenzen ihres Handels zu kennen und zu respektieren. Unser Film zeigt ja recht drastisch, welche Folgen es haben kann, wenn Polizisten in dieser Hinsicht die Orientierung verlieren...</p> <p>Frage: Borowski ist Dozent an der Akademie. Was sind die wichtigsten Lektionen, die er seinen Schülern beibringen will? </p> <p>Volker A. Zahn: In unserer Geschichte werden die jungen Polizisten zu Beginn mit einer Selbstmörderin konfrontiert und können ihr nicht helfen. Sie sind hilflos und überfordert. Sie haben das gleiche Problem wie später auch Borowski: Sie fühlen sich schuldig, sie müssen lernen, mit diesem Gefühl umzugehen und sich davon nicht auffressen zu lassen. Aber Borowski zeigt, dass es selbst einem gestandenen Polizisten wie ihm immer noch schwerfällt, eigene Fehler – oder auch nur vermeintliche Fehler – zu akzeptieren.</p> <p>Frage: Wie kommen die jungen Polizisten dazu, das Recht in die eigene Hand zu nehmen? </p> <p>Eva Zahn: Wir wollen nicht spoilern. Aber es geht um starke Emotionen wie Hilflosigkeit, Wut und Hass. Und dann kommt auch noch eine Portion Unglück dazu. Gewalt zieht Gewalt nach sich, aus Opfern werden Täter, aus Tätern werden Opfer. Und am Schluss sind alle Verlierer.</p> <p>Frage: Die Täterin Nasrin ist mehr noch ein Opfer. Würden Sie auf unschuldig plädieren?</p> <p>Eva Zahn: Wir haben es in diesem Fall mit einem sehr schwer traumatisieren Menschen zu tun, und deshalb würde ich auf „unzurechnungsfähig“ plädieren. Bei unseren Recherchen hat uns im Übrigen überrascht, dass es nach der Tat keinerlei psychologische Hilfe oder Betreuung selbst für offensichtlich schwer erkrankte Täter wie Nasrin gibt. Die Ermittlungen nehmen ihren gewohnten Gang, Therapeuten werden in die Vernehmungen nicht eingebunden. Erst wenn der Prozess anläuft, kommt es zu einer medizinischen Begutachtung.</p> <p>Frage: Nasrins Tat zieht viele Menschen mit in den Abgrund. Erzählt Ihr „Tatort“ eine große Tragödie?</p> <p>Volker A. Zahn: Ja, es geht um verwüstete Lebensläufe, um die Wucht eines schweren Traumas, um Hass, Wut, Ohnmacht und darum, wie durch Gedankenlosigkeit und Zufälle eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt wird... und mittendrin unsere Helden, die mit sich und ihrem Handeln hadern.</p> <p>Eva Zahn: Uns war es auch diesmal wichtig, einen erzählerischen Ansatz jenseits der üblichen Ermittler-Krimis zu finden, es geht in unserer Geschichte eben nicht um die Frage, wer der Mörder ist, sondern wie und warum Menschen zu Mördern werden. Nasrins Tat ist nicht der Anfang dieser Tragödie, sondern „nur“ ein weiteres Kapitel in einem Reigen schicksalhafter Verkettungen und Eskalationen.</p> <p>Frage: Sind die Kommissare machtlos gegen den „Fluch der weißen Möwe“?</p> <p>Eva Zahn: Es werden unseren Kommissaren jedenfalls ziemlich drastisch ihre Grenzen aufgezeigt. Am Ende gibt es zwar eine Verhaftung, aber der bittere Beigeschmack, die Entfesselung der Gewalt nicht gestoppt zu haben, bleibt.</p> <p>Frage: Sie setzen sich seit Jahren in der Initiative „Kontrakt 18“ für mehr Mitspracherechte der Autoren ein. Was haben Sie erreichen können?</p> <p>Volker A. Zahn: Wir haben „Kontrakt 18“ vor knapp zwei Jahren mit circa 30 Kolleg*innen ins Leben gerufen. Die Selbstverpflichtung, nur noch Verträge zu unterzeichnen, in denen uns explizit wichtige Mitentscheidungsrechte zugesichert werden, haben mittlerweile über 200 Autorinnen und Autoren unterschrieben. Allein im letzten Jahr wurden über hundert Verträge nach den Vorgaben von „Kontrakt 18“ abgeschlossen. Es gab und gibt noch immer Gegenwind, in manchen Branchen-Kreisen herrscht Verunsicherung, aber unser Anspruch, auf Augenhöhe zu arbeiten, um das Produkt besser zu machen, hat inzwischen auch viele Zweifler überzeugt. „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ ist unter „Kontrakt 18“-Bedingungen entstanden, und für uns ist die Zusammenarbeit mit Sabine Holtgreve vom NDR, Studio Hamburg-Produzent Johannes Pollmann und unserem großartigen Regisseur Hüseyin Tabak ein gelungenes Beispiel, wie modernes und zeitgemäßes Zusammenarbeiten beim Filmemachen funktioniert. Unter anderen Bedingungen wollen Eva und ich auch nicht mehr arbeiten.</p>http://www.zahns.com/aktuelles/111/eva-zahn-und-volker-a-zahn-uber-ihren-neuen-tatort-borowski-und-der-fluch-der-weissen-moweWed, 01 Apr 2020 18:44:17 +0200Kurze Nachlese zu „Was wir wussten – Risiko Pille“, dem neuen Mittwochsfilm von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://www.zahns.com/aktuelles/110/kurze-nachlese-zu-was-wir-wussten-risiko-pille-dem-neuen-mittwochsfilm-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>3, 9 Millionen Zuschauern haben am Abend des 23. Oktober das von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene Pharma-Drama „Was wir wussten – Risiko Pille“ (Regie: Isa Prahl, Produktion: Westside Film, Martin Zimmermann) verfolgt – und den Film damit zum meistgesehenen Programm des Tages gemacht. Erzählt wird von der Markt-Einführung einer umstrittenen Antibaby-Pille und dem Dilemma eines Pharma-Mitarbeiters, der zwischen moralischen Skrupeln, Alltagszwängen und Loyalitäts-Konflikten zerrieben wird. Der Film befeuerte nicht nur die öffentliche Diskussion über die Gefahren hormoneller Anti-Konzeptiva der 3. und 4. Generation und nötigte den BAYER-Konzern zu einer offiziellen Stellungnahme, er polarisierte mit seiner radikalen Erzählart, die einen Opportunisten zum Hauptcharakter macht, auch die Kritiker. Ein Autor des Berliner „Tagesspiegels“ entdeckte im Drehbuch „semantische Klischees aus dem Setzkasten der Kapitalismuskritik“, „quotenmeter.de“ fand, dass man den moralischen Wankelmut der Hauptfigur nicht nur zeigen darf, sondern scharf verurteilen muss, weil alles andere „unbotmäßig diejenigen exkulpiert, die ethische Schuld auf sich geladen haben“, und Tilman P. Gangloff hielt das Pillen-Drama in der „Stuttgarter Zeitung“ zwar für ausgesprochen „fesselnd“, mutmaßte aber auf „tittelbach.tv“, dass daraus „ein großartiger SciFi-Thriller (!) über die Gefahren der Anti-Baby-Pille hätte werden können.“ Auf der anderen Seite schwärmt die „Süddeutsche Zeitung“ von der „Ambivalenz“ der Charaktere, die „das Autoren-Ehepaar Eva und Volker A. Zahn gekonnt herausgearbeitet habe“, und in der FAZ resümiert Heike Hupertz: „Das Autoren-Ehepaar Eva und Volker A. Zahn ist für seine sozialkritischen Stoffe bekannt und vielfach ausgezeichnet worden. ‚Ihr könnt euch niemals sicher sein‘, ein Film über den vermuteten Amoklauf eines frustrierten jungen Mannes, oder der Film über die Folgen der Duisburger Love-Parade-Katastrophe ‚Das Leben danach‘, der Bluter-Skandal-Film ‚Unter der Haut‘ und insbesondere der Fernsehfilm ‚Mobbing‘ mit Tobias Moretti und Susanne Wolff sind Exempel für ihre Fernsehspiele, die dramaturgisch und in der Figurenzeichnung eher Komplexität als wohlfeile Eindeutigkeit suchen. Ihre Skandalfilme skandalisieren in der Regel nicht, heroische Protagonisten, Gerichtsdramenästhetik amerikanischer Filmtradition sind nicht ihr Fall.“ (vollständiger Text unter: <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/gefahren-der-antibabypille-risiken-und-nebenwirkungen-im-film-16445967.html?fbclid=IwAR3gYxuakxKSho2q2bQj18cf4rqD8Pmv9GX8uF8BNJGLUmVQ8CaR2CJLt34" style="color:#954f72; text-decoration:underline">https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/gefahren-der-antibabypille-risiken-und-nebenwirkungen-im-film-16445967.html?fbclid=IwAR3gYxuakxKSho2q2bQj18cf4rqD8Pmv9GX8uF8BNJGLUmVQ8CaR2CJLt34</a>).</p> <p>Wer sich selbst eine Meinung über den Film bilden möchte, hat noch bis zum 7. Dezember Zeit, sich das Pharma-Drama in der ARD-Mediathek anzugucken: https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2ZpbG1taXR0d29jaCBpbSBlcnN0ZW4vZjk4NTkyOGUtZDU5ZC00YmMyLTk5MTQtNGU3MWMyMWYxNTJi/</p> <p> </p>http://www.zahns.com/aktuelles/110/kurze-nachlese-zu-was-wir-wussten-risiko-pille-dem-neuen-mittwochsfilm-von-eva-zahn-und-volker-a-zahnWed, 30 Oct 2019 16:35:32 +0100Am 23. Oktober im Ersten: „Was wir wussten - Risiko Pille“, der neue Mittwochsfilm von Eva Zahn und Volker A. Zahn. Ein Interview mit den Autorenhttp://www.zahns.com/aktuelles/109/am-23-oktober-im-ersten-was-wir-wussten-risiko-pille-der-neue-mittwochsfilm-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn-ein-interview-mit-den<p>Am 23. Oktober zeigt das Erste um 20, 15 Uhr den neuen Mittwochs-Film von Eva Zahn und Volker A. Zahn: „Was wir wussten – Risiko Pille“ (Regie: Isa Prahl, Produktion: Westside Film, Martin Zimmermann) erzählt von der Markt-Einführung einer umstrittenen Antibaby-Pille und dem Dilemma eines Pharma-Mitarbeiters, der zwischen moralischen Skrupeln, Alltagszwängen und Loyalitäts-Konflikten zerrieben wird. Für die ARD-Pressestelle haben die beiden Drehbuchautoren ein paar Fragen zu ihrem neuen Film beantwortet:</p> <p>Frage: Sie greifen in Ihrem Film „Was wir wussten“ einen Fall von 2009 auf. Damals brachten Pharmakonzerne neue Anti-Baby-Pillen auf den Markt, ohne im Beipackzettel vor dem deutlich erhöhten Thrombose-Risiko zu warnen. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?</p> <p>Eva Zahn: Unser Produzent Martin Zimmermann kam mit der Idee, über die umstrittenen Antibaby-Pillen der 3. und 4. Generation einen Film zu machen, auf uns zu. Wir haben dann überlegt, welchen erzählerischen Zugang wir finden könnten – und zwar jenseits der konventionellen fiktionalen Aufarbeitung solcher Skandale. Gereizt hat uns schließlich an dem Thema die Frage, wie solche Risiko-Präparate auf den Markt kommen und was in den Leuten vorgeht, die für die Markteinführung verantwortlich sind. Das sind ja keine Unmenschen oder eiskalten Bösewichte, die ihren Kunden bewusst Leid zufügen wollen. Das sind Arbeitnehmer, die ihren Job möglichst gut und akkurat erledigen wollen und plötzlich mit Gewissensentscheidungen konfrontiert sind: Wie viel Verantwortung trage ich für verwerfliche Einwicklungen in meinem Unternehmen? Wie viel Widerstand kann ich leisten? Was bin ich bereit, zu riskieren? Das sind Dilemmata, mit denen Arbeitnehmer auch in anderen Branchen konfrontiert sind, nicht nur in der Pharma-Industrie. </p> <p>Volker A. Zahn:„Was wir wussten“ ist ein Working Place-Drama und ein Film über den ganz alltäglichen Opportunismus, es geht um die Frage, wie heldenhaft und mutig Menschen sein können, wenn sie in Strukturen und Sachzwängen gefangen sind und sich plötzlich Gewissensfragen stellen. Es geht um die Uralt-Frage, was zuerst kommt: Die Moral oder das Fressen? In vielen Fällen – und Filmen – wird diesbezüglich gern schwarz-weiß gemalt: Gut gegen Böse, die Rollen sind klar verteilt. Aber so einfach liegen die Dinge in der Realität nicht. Die meisten Leute da draußen sind keine Superhelden, sie gieren nach Anerkennung, sie arbeiten im Team, sie wollen keine Fehler machen, sie bringen ihren privaten Rucksack mit auf die Arbeit… das alles macht sie anfällig für Relativierungen, dafür, sich Skandalöses schönzureden, sich mitnehmen oder einlullen zu lassen. Und jeder, der weiß, dass etwas schiefläuft, wägt auch ab: Macht es Sinn, auf den Tisch zu hauen und Widerstand zu leisten? Ändert das irgendwas? Oder werde ich kleines Rädchen im Getriebe einfach nur ausgetauscht, und die Maschine läuft ungestört weiter? </p> <p>Frage: 2015 haben Sie in Ihrem Film „Unter der Haut“ den Bluter-Skandal fiktional aufbereitet. Haben Sie etwas gegen die Pharmaindustrie?</p> <p>Eva Zahn: Nein. Es gibt ja sehr viele großartige und hilfreiche Produkte, die wir der pharmazeutischen Industrie verdanken. Grundsätzlich wollen die Pharma-Firmen gute und zuverlässige Produkte herstellen. Man will schließlich Geld verdienen, und jede Negativ-Schlagzeile ist schlecht für die Bilanzen. Das Problem beginnt dann, wenn die Risiken eines Produkts verschwiegen oder kleingeredet werden. Wenn man Wissenschaftler oder Ärzte anheuert, um mit Statistik-Tricks für bessere Ergebnisse zu sorgen. Wenn man den Patienten keinen reinen Wein einschenkt. Offenheit, Ehrlichkeit, auch der Mut, Fehler einzugestehen… das ist vielleicht dem Image eines Konzerns zuträglich, zur kurzfristigen Profitmaximierung taugt es nicht. </p> <p>Volker A. Zahn:Hinzu kommt in diesem speziellen Fall, dass die Konzerne für die neuen Antibaby-Pillen sehr junge Mädchen als Zielgruppe ausgeguckt hatten. Kundinnen, die man mit einem aggressiven Marketing für das Produkt gewinnen wollte. Man hat die Anti-Baby-Pillen der 3. und 4. Generation als Lifestyle-Produkte vermarktet, kleine Geschenke wie Schminkspiegel oder hübsche Etuis beigelegt und über verschiedene Internet-Portale und mit Hilfe von Influencern gezielt Teenager angesprochen: <em>Hey Girls, wir haben hier ein neues Verhütungsmittel für euch, das macht eine reine Haut, eine tolle Figur und schönes Haar! </em>Die Pillen hatten ja auch gleichzeitig eine Zulassung als Anti-Akne-Präparate erhalten. Wer als junger Mensch so perfide angefixt wird, ist zu einer verantwortungsvollen Risiko-Abwägung nicht in der Lage. Diese Strategie muss man den Konzernen vorwerfen, das ist die böse Fratze des Kapitalismus. Und entsprechend erfolgreich: Noch heute sind die Pillen der 3. und 4. Generation die meistverkauften Antikontrazeptiva in Deutschland. Der Bayer-Konzern hat in den letzten Jahren mit diesen Produkten, die so infam als Schönheitspillen beworben wurden, mehr Umsatz gemacht als mit Aspirin. In den USA hat das Pharma-Unternehmen mit mehr als 10.000 betroffenen Frauen Vergleiche geschlossen und bereits mehr als zwei Milliarden US-Dollar an Entschädigungen gezahlt. </p> <p>Frage: Ihr neuer Film erzählt anders als „Unter der Haut“ nicht von den Opfern, sondern von den Tätern.</p> <p>Eva Zahn:Die betroffenen Frauen und Mädchen hatten keine Wahl. Sie wussten nicht, was sie da schlucken. Sie wurden kalt erwischt. Wir wollten aber einen Film über Menschen machen, die eine Wahl haben. Die sehr genau wissen, was sie tun.</p> <p>Volker A. Zahn:Über die Selbsthilfegruppe „Risiko Pille“ waren die betroffenen Frauen von Anfang an in das Projekt involviert. Es war uns auch wichtig, dass sie im Film auftreten und im Abspann zu sehen sind. Wir erzählen im Film ja auch von ihren Protestaktionen auf einer Aktionärsversammlung. Aber grundsätzlich haben wir immer den Anspruch, uns den Themen nicht auf vorhersehbare Art und Weise zu nähern, wir suchen nach einem erzählerischen Ansatz, der überrascht, nach einem Plot, der die Erwartungen an diese Art von Geschichte bewusst unterläuft. </p> <p>Frage: Der amerikanische Regisseur Sydney Pollock hätte in einem solchen Fall Tom Cruise in die Firma eingeschleust, der die Machenschaften aufdeckt und die bösen Manager hinter Gittern bringt. Ist Ihre Hauptfigur so ein Held?</p> <p>Volker Zahn: Eben nicht. Unsere Hauptfigur Carsten Gellhaus, ein Arzt, der jetzt für die Pharma-Industrie arbeitet, ist alles andere als ein Held. Pharma-Skandal, skrupellose, profitgierige Konzerne, unschuldige junge Opfer… das riecht tatsächlich nach Tom Cruise oder Erin Brokovich. Aber genau diese Art von Geschichte zu erzählen, reizt uns nicht. Uns hat interessiert, wie so ein Skandal ins Rollen kommt, welche Mechanismen greifen, um das Gewissen des Einzelnen zu beruhigen, wie die Arbeit im Team eine Eigendynamik entwickelt, die es einem abhängig Beschäftigten schwer macht, sich gegen den Arbeitgeber und die eigenen Kollegen zu stellen… all die Dinge eben, die sich nicht in Hollywood oder in den Köpfen fantasiebegabter Drehbuchautoren abspielen, sondern jeden Tag im Alltag vieler arbeitender Menschen.  </p> <p>Eva Zahn: Es wird den Zuschauern nicht leichtfallen, sich mit unserer Hauptfigur zu identifizieren. Sie können sich nicht einfach zurücklehnen und die Drecksarbeit dem Helden überlassen. Wir konfrontieren unser Publikum stattdessen mit der Frage: Wie würdest du dich in einer solchen Situation verhalten? Hättest du den Mumm, Widerstand zu leisten oder die Brocken hinzuschmeißen? Wie manipulierbar bist du? Aber es geht uns nicht darum, ein bestimmtes Verhalten zu bewerten oder zu verurteilen, uns interessiert, wie sich die Figuren in solchen Konflikt- oder Dilemma-Situationen verhalten, wie sie versuchen, irgendwie ihre Würde zu wahren…  </p> <p>Frage: Wie viel Verantwortung kann der Einzelne schultern?</p> <p>Eva Zahn: Natürlich muss sich jeder von uns fragen, ob er mit dem, was er tut, kauft oder produziert, anderen Menschen oder der Umwelt schadet, aber wenn wir eine weniger wirtschaftsfreundliche Politik mit strikteren Reglementierungen und Vorschriften hätten, könnte man den Bürgern manches Dilemma ersparen. Stichwort: <em>Flight Shame.</em>Die Lobbyisten leisten ganze Arbeit, und die Regierungsparteien machen sich lieber einen schlanken Fuß und schieben dem Einzelnen die Verantwortung zu. In Frankreich hat die Politik gehandelt: Da sind die Pillen der 3. und 4. Generation nicht verschreibungsfähig, werden also nicht von den Kassen bezahlt. Die Thrombose-Fälle sind spürbar zurückgegangen.  </p> <p>Frage: Die Zuschauer hasten mit den Protagonisten von einem Meeting ins nächste. Haben Sie recherchiert, wie solche Besprechungen in der Pharmaindustrie ablaufen?</p> <p>Volker A. Zahn: Ja, wir hatten sehr gute Informanten in der Branche. Die haben uns eine Menge über die internen Abläufe erzählt, über die Gruppendynamik innerhalb solcher „Action Teams“ oder den manchmal grotesken Konferenz-Jargon. Auch dass ein Konzern-Mitarbeiter nicht will, dass seine Familien-Mitglieder ein Medikament nehmen, das seine Firma gerade auf den Markt gebracht hat, ist nicht frei erfunden.</p> <p>Frage: Schon 2012 haben Sie in Ihrem Psychodrama „Mobbing“ erzählt, was die Arbeitswelt in einem anrichtet. Der Schauplatz des Films war die Familie eines gemobbten Angestellten. </p> <p>Volker A. Zahn: Mit „Mobbing“ haben wir einen Film über die Arbeitswelt gemacht, ohne diese Welt zu betreten, es ging um die Auswirkungen des Jobs aufs Privatleben. Diesmal haben wir den Spieß umgedreht und zeigen, wie auch familiäre oder persönliche Konflikte das Verhalten im Job beeinflussen. In Familie und Beruf spielen sich die die wildesten Geschichten ab, es ist schade, dass so selten Working Place-Dramen im deutschen Fernsehen erzählt werden, da ist noch Luft nach oben.</p>http://www.zahns.com/aktuelles/109/am-23-oktober-im-ersten-was-wir-wussten-risiko-pille-der-neue-mittwochsfilm-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn-ein-interview-mit-denWed, 04 Sep 2019 15:58:31 +0200