Eva Zahn & Volker A. Zahn Drehbuchautoren : Aktuelles
„Schurkenstück“ in der ARD: „Vorhof zur Hölle“ oder „kitschiges TV-Märchen“?
Schüttler 1
Bild © Joachim Gern
Nur 1, 9 Millionen Zuschauer wollten den nach einem Drehbuch von Eva Zahn und Volker A. Zahn von Torsten C. Fischer inszenierten TV-Film „Schurkenstück“ am 18. August in der ARD sehen. In der Produktion der Kölner greenskyfilms spielen u. a. Katharina Schüttler (Foto links), Franz Dinda, Sebastian Urzendowsky und Oliver Korittke.
Das Knast-Drama erzählt die Geschichte eines waghalsigen Projekts: Sechs jugendliche Strafgefangene sollen zusammen mit einer renommierten Theater-Regisseurin Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ zur Aufführung bringen. Das Aufeinandertreffen von Hochkultur und Gefängnis-Alltag birgt große Risiken und kleine Chancen, die Regisseurin (Katharina Schüttler) und das Ensemble müssen sich gegen zahlreiche innere und äußere Widerstände durchsetzen, und für einen der Gefangenen entpuppt sich das Theaterstück als ein Spiel um Leben und Tod…
Die Einschalt-Quote war enttäuschend, aber die Kritiker gingen umso leidenschaftlicher zur Sache. Der Film polarisierte enorm, es gab fast nur gut oder schlecht, schwarz oder weiß, kaum Grautöne, und der ein oder andere Kollege aus der Print-Abteilung verlor vor lauter Eifer und Aufregung beinahe den Überblick. Etwas halbstark rhabarbert  ein Schreiber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gegen die „politische Korrektheit“, die der Film verströme, und resümiert eher diffus und im Brustton eines konservativen Politikers: „Solche Theaterprojekte gibt es wirklich, und ihre Trefferquote mag gar nicht schlecht sein. Beides aber macht diesen Film nicht besser und löst auch nicht die gesellschaftlichen Probleme bei der Wiedereingliederung kriminell gewordener Jugendlicher. Und die sind ja wohl der Kern des Stoffs.“
Auch die ansonsten eher treffsichere Claudia Wick polemisiert in der „Berliner Zeitung“ gegen die „sozialliberale Märchenbotschaft“ des Films und nennt das Stück, das der Kritiker Tilmann P. Gangloff wegen seiner drastischen und ungeschönten Knast-Szenen in den „Vorhof der Hölle“ verortet, ein „kitschiges TV-Märchen“. Rühriger wird es nur in der „Süddeutschen Zeitung“, deren Autorin allen Ernstes fragt: „Komödie oder eher Sozialdrama für Charakterdarsteller?“ Mutmaßlich neigt sie zu Letzterem, weil: „Es gibt nämlich keine tierisch spaßige Knastklamotte, die noch dazu ernsthaft sein kann.“
Auf die Seite der „Schurkenstück“-Fans schlagen sich außer Tilmann P. Gangloff (vollständige Kritik unter „Pressestimmen“) auch der mehrmalige Grimme-Preis-Juror Rainer Tittelbach („von eindrucksvoller Intensität“) und Thomas Gehringer vom Berliner „Tagesspiegel“: Sein Fazit: „Mit „Schurkenstück“ beweist das Autorenpaar Eva und Volker A. Zahn einmal mehr, dass sich aus dem Aufprall unterschiedlicher Welten spannendes, relevantes und zeitgemäßes Fernsehen entwickeln lässt. (…) Ein nuancenreicher Film, der weniger ein Schurken- als ein Glanzstück des Fernsehens ist.“ Und Torsten Körner schreibt im Branchenmagazin „Funkkorrespondenz“: „Der Film „Schurkenstück“ zieht uns von der ersten Minute in seinen Bann, schürt Spannung, hält uns bei der Stange, lässt uns mitfühlen und mithoffen, er versetzt unserer wohlgehüteten Lebenswirklichkeit kleine Schläge, pufft uns, drängt uns, das Eigene, den Kokon aus Alltag, Beruf, Geld und Normalo-Glück, nicht als das Selbstverständliche anzusehen. (…) Dabei kommt dem Regisseur das gut recherchierte und sorgsam aufgestellte Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn zugute, ein Autorenpaar, das oft genug engagiert, einfühlsam und eigenwillig erzählt. (…) Wer will, kann diesen Film als kleine Schulung zum tieferen Sehen und Verstehen annehmen. Jeder hat einen zweiten, dritten, vierten Blick verdient, denn bei manchen kann man sich nie sicher sein, wer sie sind, wohin sie gehen und ob sie unsere Blickbemühungen verdienen. Der Film hat es jedenfalls verdient, mit allen wachen Sinnen gesehen zu werden. Sicherlich einer der Höhepunkte des Fernsehjahres 2010.“

# Meldung von 14:25 22.11.2009 



Sehr geehrte Fam. Zahn. Großes Kompliment an ihr Buch und natürlich auch an die Schauspieler, Regie Produktionsmitglieder. Leider gibt es im deutschen (öffentlich rechtlichen, von den Bürgern bezahlten) Fernsehen zu wenig gute Filme. "Schurkenstück" war richtig gut. Ist 1,9 Mio. Menschen eine geringe Quote? Werde mich hüten zu schauen, wie hoch die Quoten bei Serien (und die grenzt an "Körper,- und Geistverletzung")wie "In aller Freundschaft" sind.

— Kommentar von „Steffen“ (15:50 19.08.2010)



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